Bonuszahlungen können Teamleistung verschlechtern

Der Arbeitskreis Gewerkschafter/innen begrüsst die öffentliche Diskussionsrunde des neuen Lehrstuhls für Wirtschaftsethik an der Universität zu Köln

Was lange in der Praxis festzustellen war, ist jetzt wissenschaftlich untermauert. Die aktuelle Laborstudie über hohe Bonuszahlungen von Unternehmen und deren Negativ-Auswirkungen, die im Frühjahr 2011 im Fachjournal Management Science erscheint, stellt dies wissenschaftlich fundiert unter Beweis! Die nachstehende und darauf bezogene Pressemitteilung der Universität zu Köln wird deshalb von uns voll übernommen. Eine entsprechende öffentliche Diskussionsrunde findet in der UNI-Köln am Donnerstag, den 13. Januar 2011, 19.30 Uhr statt. Der Arbeitskreis Gewerkschafter/innen ruft alle interessierten Kolleginnen und Kollegen zur Teilnahme auf. Wer Interesse hat, die/der sende bitte eine entsprechende Email an manni@manfredengelhardt.de, damit die Fahrt nach Köln koordiniert und kostenmäßig minimiert werden kann.

Näheres wollt Ihr bitte der nachstehenden Pressemitteilung entnehmen.

Mit kollegialen Grüßen
Manni Engelhardt
– AK-Koordinator –

Pressemitteilung
Universität zu Köln, Anneliese Odenthal, 06.01.2011 09:46

Bonuszahlungen können Teamleistung verschlechtern

Öffentlicher Diskussionsabend des neuen Lehrstuhls für Wirtschaftsethik

Hohe Bonuszahlungen können innerhalb von Unternehmen für Schwierigkeiten sorgen. In einer aktuellen Laborstudie, die im Frühjahr 2011 im Fachjournal Management Science erscheint, hat Professor Bernd Irlenbusch, Inhaber des neuen Lehrstuhls für Wirtschaftsethik an der Universität zu Köln, die Auswirkungen von leistungsabhängigen Bonuszahlungen innerhalb von Unternehmen untersucht (gemeinsam mit Professorin Christine Harbring von der RWTH Aachen).

Die Probanden übernahmen die Rolle von Mitarbeitern einer Abteilung. Der Mitarbeiter mit der besten Leistung erhielt den höchsten Bonus. Die Anreize zeigten ihre Wirkung: Je höher ihr möglicher Bonus, desto mehr strengten sich die Mitarbeiter an. Entscheidend war jedoch ein zweiter Effekt. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass Mitarbeiter versuchten, Kollegen zu sabotieren, um ihre Position innerhalb der Abteilung zu verbessern. Die Kooperation unter den Mitarbeitern brach zusammen, was dem Gesamtergebnis der Abteilung schadete. Die Forscher konnten jedoch zeigen, dass „Sabotage“  durch bessere Kommunikationswege zwischen den Mitarbeitern deutlich zurückging.

Diese Ergebnisse liefern wichtige Implikationen für die Unternehmenspraxis. Insbesondere sollte bei der Gestaltung von Anreizsystemen das Augenmerk nicht nur auf vermeintlich leistungssteigernde Effekte gelegt, sondern besonders auch auf negative und ethisch fragwürdige Konsequenzen geachtet werden.

Die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln etablierte in diesem Semester den neuen Lehrstuhl für Unternehmensentwicklung und Wirtschaftsethik, um der gestiegenen Bedeutung wirtschaftsethischer Fragen in Forschung, Lehre und Praxis Rechnung zu tragen. Dafür konnte sie Professor Bernd Irlenbusch als Lehrstuhlinhaber gewinnen, der in den letzten Jahren an der London School of Economics lehrte.

Professor Irlenbusch und sein Team verfolgen einen in Deutschland einzigartigen Forschungsansatz. Wirtschaftsethische Fragestellungen werden hier nicht ausschließlich normativ betrachtet, sondern vor allem mittels experimenteller Verhaltensforschung untersucht. Anhand wirtschaftlicher Entscheidungssituationen identifizieren die Forscher Regelmäßigkeiten im Verhalten und analysieren ihre ethischen Implikationen. „Ziel ist es, Empfehlungen für die Gestaltung von Unternehmen und Märkten zu erarbeiten, um unethische Verhaltensweisen einzudämmen“, sagt Professor Irlenbusch.

Um aktuelle Erkenntnisse der experimentellen Wirtschaftsforschung im Bezug auf wirtschaftsethische Fragestellungen näher zu beleuchten, findet am 13.01.2011 um 19.30 Uhr an der Universität zu Köln ein Diskussionsabend mit dem Titel

„Verhaltensforschung und Wirtschaftsethik – Können wir moralisch handeln?“

statt. Organisiert wird der Abend durch die Initiative „Philosophy and Economics der Universität zu Köln“ (PEUK) gemeinsam mit dem Lehrstuhl von Professor Irlenbusch. Dazu werden international renommierte Wissenschaftler erwartet. Die Verhaltensökonomen Simon Gächter von der University of Nottingham und Klaus Abbink von der University of East Anglia werden aus England anreisen. Philosophieprofessor Hartmut Kliemt von der Frankfurt School of Finance and Management wird die philosophische Sichtweise repräsentieren. Nach Kurzvorträgen der Wissenschaftler soll in einer Podiumsdiskussion über die Forschungserkenntnisse und deren Implikationen diskutiert werden.

Veranstaltungsdetails

„Verhaltensforschung und Wirtschaftsethik – Können wir moralisch handeln?“

Ort: Universität zu Köln
Hörsaal XXIV
Albertus-Magnus-Platz
50923 Köln

Wann: Donnerstag, 13.01.2011 um 19.30 Uhr

Vortragende Gäste: Klaus Abbink, Professor of Economics und Direktor des Centers of Behavioural and Experimental Social Science, University of East Anglia

Simon Gächter, Professor for Psychology of Economic Decision Making, University of Nottingham

Hartmut Kliemt, Professor für Philosophie, Frankfurt School of Finance and Management

Bei Rückfragen: Julian Conrads, Lehrstuhl für Wirtschaftsethik und
Unternehmensentwicklung
Tel.: +49 221 – 470 – 18 45
E-Mail: julian.conrads@uni-koeln.de
www.codebe.uni-koeln.de

Tobias Lukowitz, Philosophy and Economics
Tel.: +49 177 –  7885463
E-Mail: t.lukowitz@peuk.org
www.peuk.org

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