Spaltung des Arbeitslosenmarktes

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nachdem wir unseren Kommentar zur steigenden Leiharbeit nebst den Daten und Fakten der IG-Metall auf unsere Homepage gepostet haben, halten wir es als AK für ein unbedingtes Muss, auch den nachstehenden Artikel des Kollegen Ralf Woelk (DGB-Vorsitzender der DGB-Region NRW Süd-West) zur Spaltung des Arbeitslosenmarktes auf  unsere Homepage zu Posten!

Der Kollege Ralf Woelk findet hier mit seinem Artikel unsere uneingeschränkte Unterstützung!!!

Für den AK

Manni Engelhardt  -AK-Koordinator-

DGB befürchtet anhaltende Spaltung des Arbeitslosenmarktes

Die neuen Arbeitsmarktdaten bieten für den Vorsitzenden der DGB Region NRW Süd-West, Ralf Woelk, nur verhaltenden Anlass zur Freude. „Vergleicht man die Zahlen mit dem Vorjahresmonat ergibt sich auf den ersten Blick meist ein leichter Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Betrachtet man jedoch die Entwicklung getrennt nach den beiden Rechtskreisen SGB II und III muss man feststellen, dass wir es zunehmend mit einer Spaltung des Arbeitslosenmarktes zu tun haben. Denn während wir im Bereich der Arbeitsagenturen mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit im zweistelligen Bereich zu tun haben, ist davon im Bereich der Jobcenter für die Langzeitarbeitslosen nichts festzustellen, im Gegenteil.“

Arbeitslosenzahlen der DGB Region NRW Süd-West

(Quelle: Agentur für Arbeit, 31. Mai 2011)

Arbeitslose

Mai 10

SGB III

Mai 10

SGB II

Mai 10

Aachen*

35.226

-1,60%

9.290

-11,10%

25.936

+ 2,3%

Düren

10.997

+ 2,5%

2.438

-17,40%

8.559

+ 10,0%

Euskirchen

6.262

-6,10%

2.106

-14,10%

4.156

-1,50%

* ink. StädteRegion + Heinsberg

Wie die Zahlen verdeutlichen, befindet sich ohnehin der weitaus überwiegende Teil der Arbeitslosen im Zuständigkeitsbereich des SGB II, und damit der Jobcenter bzw. der JobCom (Düren). Weniger als ein Drittel gehören zu den Arbeitslosen, die i.d.R. weniger als 12 Monate arbeitslos sind, somit dem Zuständigkeitsbereich der Arbeitslosenversicherung unterliegen und von den Agenturen für Arbeit betreut werden. In diesem Bereich sind deutliche Rückgänge der Arbeitslosenzahlen zu verzeichnen. Die Jobcenter bzw. JobCom (Optionskommune Düren) haben weitaus mehr Schwierigkeiten, „ihre“ Langzeitlosen zu vermitteln. Die Entwicklung stagniert bestenfalls, wobei in Düren sogar eine deutliche Zunahme der Fallzahlen von 10 % im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen ist.

In diesem Zusammenhang kritisiert der örtliche DGB die derzeitige Reform der Arbeitsmarktinstrumente als ungeeignet, um dieser Entwicklung gerecht zu werden. „Im Rahmen des Sparpaketes hat die Bundesregierung die Mittel für die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik für die nächsten Jahre um rund 40% gekürzt. Davon sind vor allem die Jobcenter betroffen. D.h., dort, wo jetzt am dringendsten Mittel benötigt werden, um auch Langzeitarbeitslose am Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt zu beteiligen, wird radikal gekürzt. Dies führt zu einer Ausgrenzung dieser Personengruppe vom Arbeitsmarkt und daher zu einer Spaltung des Arbeitslosenmarktes. Wer nach 12 Monaten Leistungsbezug von der Arbeitsagentur an das Jobcenter abgegeben wird, wird es erheblich schwerer haben, wieder in den 1. Arbeitsmarkt zu gelangen, “ lautet das Fazit von Ralf Woelk. Die Schuld liegt aber weder an den Arbeitsagenturen oder an den JobCentern, sondern an der Bundesregierung, die an der falschen Stelle spart und mit der Reform der Arbeitsmarktinstrumente in die falsche Richtung zielt.   

Der DGB fordert im Rahmen der Instrumentenreform eine stärkere Konzentration auf spezielle Angebote für Langzeitarbeitslose. Hier sind in der Regel vor allem langfristige Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen gefragt. Diese kosten Geld und daher sind die Kürzungsmaßnahmen kontraproduktiv. Schon jetzt werden deutlich weniger Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeitslose angeboten als noch vor einem Jahr. Für arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose fordert der DGB einen öffentlichen Beschäftigungsmarkt, der diesen Menschen durch dauerhafte Förderung eine nachhaltige Perspektive auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht. „Mit dem Programm Jobperspektive hatten wir ein solches Programm, das gut in der Region angenommen wurde. Das neue Programm ‚Bürgerarbeit’ geht wieder in die falsche Richtung, da keine Brücke in den 1. Arbeitsmarkt erkennbar ist. Nach der Maßnahme werden die Teilnehmer wieder Kunden des Jobcenter sein.“

Mit freundlichen Grüßen

Ralf Woelk

Regionsvorsitzender

DGB-Region NRW Süd-West

Dennewartstr. 17

52068 Aachen

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