Pflegemängel können nur durch deutlich mehr Pflegepersonal behoben werden

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nachstehend haben wir wieder eine ganz aktuelle Pressemitteilung der „PRO PFLEGE – SELBSTHILFENETZWERK UNABHÄNGIGE UND GEMEINNÜTZIGE INITIATIVE“ gepostet. Dieses Mal befasst sich PRO PFLEGE kritisch mit der Thematik „Forderung nach mehr Personal“; denn die pauschale Forderung nach mehr Personal ist nicht immer der Lösungsschlüssel in Sachen Pflegemängel. Da ich selbst eine pflegebedürftige Mutter habe, die ebenfalls stationär gepflegt wird, kann ich beurteilen, wovon PRO PFLEGE spricht. Sowohl der AK als auch ich ganz persönlich bitten Euch herzlich darum, den nachstehenden Artikel zu lesen und zu verinnerlichen; denn wir können die Pflegefälle von morgen sein!

Mit kollegialen und herzlichen Grüßen für den AK

Manni Engelhardt -Koordinator-

 

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk

Unabhängige und gemeinnützige Initiative

Vorstand: Werner Schell – Harffer Straße 59, 41469 Neuss

Telefon 02131 – 150779 – E-Mail: ProPflege@wernerschell.de

http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit
bundesweiter Ausrichtung durch.

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere
Hände.“

 

Pressemitteilung vom 28.10.2011

 

Pflegemängel können nur durch deutlich mehr Pflegepersonal behoben werden

Die gebetsmühlenartigen Forderungen verschiedener Verbandsvertreter nach
Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften für den Bereich Pflege sind irreführend und
daher nicht hilfreich

 

Die seit Jahren beklagten Pflegesituationen in den stationären
Pflegeeinrichtungen (Heimen) sind fast ausschließlich auf die unzulänglichen
Pflegerahmenbedingungen zurückzuführen. Vor allem die unzureichenden
Personalausstattungen in den Pflegeeinrichtungen (und Krankenhäusern) führen
zwangsläufig zu Leistungseinschränkungen, die dann in unterschiedlicher
Ausprägung zu Zurücknahmen bei der Zuwendung und auch zu nicht immer
ausreichend sorgfältigen Verrichtungen führen. Und diese Situation ist nicht
auf eine Stadt oder eine Region beschränkt, sie ist, weil systemisch
bedingt, wohl bundesweit gegeben. Dabei können sich natürlich
Unterschiedlichkeiten in der Ausprägung ergeben. Dort, wo z.B. die
Führungskräfte ausreichend qualifiziert und hoch motiviert arbeiten,
vielleicht auch eine große Zahl ehrenamtliche HelferInnen mobilisieren
können, mag es besser funktionieren. Aber alles in allem können wirklich
gute oder gar sehr gute Pflegesituationen eigentlich nirgendwo garantiert
werden. Deshalb sind auch entsprechende Pflegenoten wenig hilfreich, sondern
eher zur Irritation geeignet.

Es gab wiederholt Forderungen nach mehr Heimprüfungen und Einrichtung von
Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften. Auch, wenn sie gebetsmühlenartig
vorgetragen werden: Solche Maßnahmen sind nicht geeignet, die Probleme an
der Wurzel zu beheben und damit unangemessene Pflegesituationen aufzulösen.
Solche Forderungen lenken von den eigentlichen Problemen in den
Pflegeeinrichtungen ab und verdienen daher eigentlich keine Aufmerksamkeit.

 

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk sieht weiterhin die dringende
Notwendigkeit, das bundesdeutsche Pflegesystem grundlegend zu reformieren,
vor allem an einigen entscheidenden Eckpunkten Veränderungen per Gesetz
vorzugeben, z.B. Aufstockung der Stellenschlüssel zur Überwindung des
Pflegenotstandes (Schaffung eines Personalbemessungssystems) und Stärkung
des Grundsatzes „ambulant vor stationär“ (finanzielle Dotierung anheben).
Der sog. Pflege-TÜV muss sich auf die Ermittlung der Ergebnis- und
Lebensqualität der BewohnerInnen konzentrieren und darf nicht weiter die
Dokumentation in den Mittelpunkt von Qualitätsprüfungen stellen.

 

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat sich in diesem Sinne an die zuständigen
Ministerien und den Deutschen Bundestag (bzw. die Mitglieder des
Bundestages) gewandt und Reformerfordernisse, mit dem Schwerpunkt
Pflegenotstand, aufgezeigt. Nur eine deutliche personelle Verstärkung in den
Pflegeeinrichtungen, die pflegerische Verrichtungen entsprechend dem
„allgemein anerkannten Stand medizinisch-pflegerischer Erkenntnisse“ (§ 11
SGB XI) gewährleistet, wird weiter helfen.

 

Der Neusser Pflegetreff wird am 10.11.2011 das Thema „Pflegequalität und
Mängel“ aufgreifen und dabei auch herauszustellen haben, dass es nicht
angehen kann, die Pflegebranche und damit die Pflegekräfte pauschalierend zu
kriminalisieren. Es muss darum gehen, für die Pflegekräfte erneut mehr
Wertschätzung und Anerkennung einzufordern. Pflegekräfte haben einen
Anspruch darauf, pfleglich behandelt zu werden.

 

Werner Schell – Dozent für Pflegerecht und Vorstand von Pro Pflege –
Selbsthilfenetzwerk

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3 Antworten zu Pflegemängel können nur durch deutlich mehr Pflegepersonal behoben werden

  1. Tara sagt:

    s.g. Damen und Herren,
    gibt es eine gesetzliche Möglichkeit, reklamierten Pflegemängel in einem Pflegeheim
    wie eine Werminderung mit entsprechendem finanziellen Konsequenzen
    zu begegnen?
    Für Ihre Antwort im voraus Dank,
    W. Tara

    • Manni Engelhardt sagt:

      Sehr geehrte Frau/sehr geehrter Herr W. Tara (?) Hausgemachte Pflegemängel, die Dritte nicht verschuldet haben, sollten den Trägern der Einrichtungen und ihren Leitungspersonen aufgezeigt werden. Diese sind dann in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass die Mägel beseitigt werden. Kommen sie dieser Beseitigungspflicht nicht nach, so können die Aufsichtsgremien eingeschaltet werden. Ausserdem kann die Nichtabstellung von erkannten und aufgezeigten Pflegemängel juristische und öffentlichkeitswirksame Konsequenzen nach sich ziehen.
      Der für mich jedoch größte Pflegemangel ist der Personalmangel, und den kann nur die Politik beseitigen! Dafür sollten wir alle etwas tun!
      Mit freundlichen Grüßen
      Manni Engelhardt -AK-Koordinator-

  2. Tara sagt:

    Mir ist dbzg. nichts bekannt

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