Unser AK-Mitglied Dinarin Aleksandar Nikolic hat einen Bericht über die Sprache verfasst!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic) hat in seiner Eigenschaft als Schriftsteller einen Bericht über die Sprache verfasst.

Dieser Bericht des Kollegen Nikolic halten wir für veröffentlichungswürdig und haben ihn nachstehend in seiner Gänze zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme auf unsere Homepage gepostet.

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

https://thetriggergmbh.files.wordpress.com/2012/02/bildschirmfoto-2012-02-16-um-16-01-11.png

(Karikatur von https://thetriggergmbh.wordpress.com/category/text/)

„Die Sprache“: Ein wahrer Bericht von Dinarin Aleksandar Nikolic

„Oft beklagte die Elterngeneration den Verfall der Sprachfähigkeiten des Nachwuchses (SMS-Sprache). Sie unterstellen der Jugend die Schuld daran. Es ist nicht so, denn die Elterngeneration ist verantwortlich für enorme Versäumnisse bei der Spracherziehung.

Es ist eine Tatsache, dass die Sprachfähigkeiten verfallen, aber dieser Bericht soll nicht diese Angelegenheit diskutieren. Vielmehr führe ich tatsächliche Geschehnisse auf, die so witzig sie auch sind, den Sprachverfall bestätigen.

Also – vor einigen Jahren betrat ich ein Restaurant und setzte mich an einen der freien Tische. Eine kurze Weile später nahmen zwei junge Damen, beide so um 20 Jahre, am freien Nebentisch Platz. Nicht das ich vorhatte ihr Gespräch zu belauschen aber eine dieser Beiden sprach so laut, das ich es nicht überhören konnte. Sie sagte: „Die Spaghetti hier sind supergeil.“ Für einen kurzen Moment hatte ich plötzlich ein Bild im Kopf, auf dem die Spaghetti senkrecht auf dem Teller standen. Ich benutze dieses Wort nie, fragte mich aber wie es dazu kommen kann, das Worte von ihrer eineindeutigen Bedeutung enthoben werden können um in einem anderen absolut unpassenden Zusammenhang verwendet zu werden.

Ein anderes Mal saß ich in einer Bar am Kopfteil der Theke als vier Gäste die Bar betraten. Sie setzten sich an den freien Tisch, direkt hinter mir. Durch Erfahrung konnte ich erkennen dass das Studenten sind. Bald darauf bekam ich Bestätigung. Ich hatte bereits zuvor beobachtet, dass sich Studenten, nach getaner Studienarbeit abends ein oder zwei oder drei große Bier genehmigen. So war es dann auch, die vier bestellten jeweils ein großes Bier – geradezu ein Ritual. Als der Service die Biere brachte, hoben sie die Gläser stießen an und eröffneten die Feier mit dem gängigen grölenden Zwangs-Lachen, ohne dass irgendein Anlass dazu bestand. Ebenfalls Ritual. Es ging weiter – einer begann zu erzählen, die anderen drei schwiegen und hörten zu. Ein Verhaltenskodex der gruppendynamisch gestützt wird. (hört einer nicht zu und schweigt nicht, dann hören die anderen, wenn er erzählt auch nicht zu und reden weiter). Der Redner, wenn man ihn so bezeichnen kann, sagte Wort wörtlich oder Unwort wörtlich:

„Und ich zum Professor bla bla bla – und Professor neeee und ich dann so heeeeeee.“ (Übersetzung: Ich erläuterte dem Professor mein Projektvorhaben, doch er lehnte ab, was mich sehr erstaunte.)

Ich dachte, wenn das die künftige Führungsriege werden soll, na dann – armes Deutschland.

In der Vergangenheit kannte ich jemanden, der sich mit Dichtung und Kunst beschäftigte. Zugegeben, ich habe kein einziges seiner Gedichte verstanden, aber das ist eine andere Angelegenheit.

Nun nach einer längeren Weile traf ich ihn erneut. Den darauf folgenden kurzen Smalltalk gebe ich originalgetreu wieder.

Er sagte: „Hallo Aleksandar, wie geht es dir?“

Ich: „Bestens, alles o.k. Und wie ist es bei dir?“

Er: „gut gut gut gut gut.“

Kurzes Schweigen, ich war etwas verblüfft und wartete darauf, dass er etwas sagte und das tat er auch.

Er: „Und – wie geht es es dir?“

Ich: „Ja, bestens.“   Ich dachte – wo drum geht es hier.

Er: „Ja? Und – wie geht es es dir?“

Ich spürte leisen Ärger in mir aufsteigen und presste durch die zusammengebissenen Zähne – Ich: „Ja“

Er: „sonst, geht es es dir gut?“

Ich drehte mich um, sagte noch „ciao“ und ging meiner Wege um nicht eine Dummheit zu begehen und dann zu sagen – jetzt geht „es es“ mir viel, viel besser.

Verehrte Leserinnen und Leser, falls sie den Eindruck bekommen haben sollten, das sich der Sprachverfall nur in Deutschland ereignet – es stimmt nicht. Ich spreche auch die serbische Sprache und habe das gleiche Phänomen beobachtet. Im Folgenden ein paar Beispiele dazu.

Mein damaliger Nachbar hat eine Cousine, die im Süden Serbiens beheimatet ist. Diese besuchte meinen Nachbarn und ich wurde eingeladen. Wir sprachen über Verschiedenes und sie erzählte, in Südserbien hätten die Menschen die Sprache sehr verändert. Sie verwenden statt Worte unartikulierte Laute. Sie sei überzeugt es würde nicht lange dauern, bis sie beginnen zu bellen.

Kurze Zeit später saß ich in einer Runde von Leuten aus dem serbischen Sprachraum. Ein Vater von fünf erwachsenen Kindern erzählte von seinem ältesten Sohn. Sinngemäß wiedergegeben, sagte er, sein Sohn habe enorm stinkende Füße. Das kann ich bestätigen, denn auch ich hatte das zweifelhafte Vergnügen das zu erfahren. Ich kann sagen es ein Pestilenz Gestank sondergleichen.

Da drum geht es aber nicht, sondern darum wie er das erzählte. Er sagte, der Sohn wäre nach Hause gekommen, habe die Schuhe ausgezogen und seine Füße wären in der ganzen Wohnung zu hören gewesen. Daraufhin habe er gesagt: „Einer von uns beiden muss die Wohnung verlassen“. Das konnte ich sehr, sehr gut nachvollziehen. Aber auch hier ist der Verfall der Sprache zu erkennen. Der ohnehin begrenzte Sprachschatz dieses Menschen wird um Verdrehungen erweitert. Die Folge ist, dass er immer weniger zu verstehen ist. Er dagegen ist überzeugt, besonders nonchalant mit der Sprache umzugehen und besonders unterhaltsam zu sein.

Ein letztes Beispiel – aus Kroatien.

Nach dem Zerfall Jugoslawiens wurde der Konflikt zwischen Serbien und Kroatien wieder sichtbar. Zu Titos Zeiten war er nicht verschwunden, sondern es wurde nicht darüber gesprochen. Aus dieser Situation entwickelten sich später die Balkankriege.

Nun gut. Sowohl Kroaten als auch Serben sprechen Serbisch. Das war der kroatischen Führung damals ein Dorn im Auge. Sie wollten sich von den Serben absolut distanzieren und die Welt überzeugen, sie seien ein vollkommen eigenes Volk. Also beschlossen sie, die Verschiedenheit durch eine eigene Sprache zu unterstreichen. Zu diesem Zweck beorderte die Führung hochrangige, anerkannte sogenannte Sprachwissenschaftler in ein Gremium. Ziel war eine kroatische Sprache zu kreieren. Kindergärten, Schulen Universitäten und sämtliche Medien wurden angehalten die vom Gremium neu kreierten Worte sofort zu verwenden, um langsam, Schritt für Schritt die neue Sprache einzuführen.

Aber schon zu Beginn sorgte eine neue Wortschöpfung für enormen Unmut.

Fortan sollte das Fahrrad als medjunozno guralo bezeichnet werden. Frei übersetzt bedeutet das – Zwischen- beinliches Schieberchen.

Als ich von diesen Vorkommnissen erfuhr, stellte ich mir vor, wie eine Klassenlehrerin den Schülern ankündigt, das sie am kommenden Tag eine Zwischen- beinliche Schieberchen Tour unternehmen werden.

Die Blamage, nicht nur wegen dieses einen Wortes, sondern auch wegen anderen Wortschöpfungen, veranlasste die Führung das Projekt sofort zu stoppen. Sofort wurde kein einziges Wort über diese Angelegenheit gesprochen.

Nur noch eins – ich erzählte einem Ex-Kollegen, der kroatische Wurzeln hat, diese Vorkommnisse. Zuvor hatte er nichts darüber erfahren, aber sein trockener, regungsloser Kommentar war – er habe auch ein Zwischen beinliches Schieberchen und was für eins.

Ciao, ciao

Dinarin Aleksandar Nikolic“

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