Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die Story vom „Karneval“ (Teil II)!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic), hat uns ja die Erzählung vom „KARNEVAL“ (oder Carne vale) zukommen lassen, deren Teil I wir bereits am 06.08.2015 unter dem Titel „Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die Story vom ´Karneval´!“ auf unserer Homepage veröffentlicht haben. Den Beitrag selbst könnt Ihr durch den Klick auf den nachstehenden Link noch einmal auf- und in das Gedächtnis zurückrufen: http://www.ak-gewerkschafter.de/2015/08/06/9717/ !

Heute nun wollen wir Euch nicht länger auf die „Folter“ spannen und veröffentlichen deshalb nachstehend den Teil II der Story.

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

„KARNEVAL“ (oder Carne vale) eine Erzählung von Dinarin Aleksandar Nikolic (Teil II):

„Einer Art Hochgefühl ergriff ihn und er spann den Gedanken weiter: ´Vielleicht bin ich doch zu etwas Höherem geboren; schließlich habe ich in einer Nacht die Dämonen des Winters besiegt. Außer mir gibt es keinen Zweiten, der das vermag´. Er erinnerte sich auf einmal an Erzählungen, die er bei Dorffesten gehört hatte und bei denen es um jemanden in einem fernen Land ging, der anstelle der Königin, König werden wollte. Zuvor hatte ihn diese Erzählung geängstigt, denn dieser muss wahnsinnig gewesen sein, Unmögliches zu versuchen. Aber jetzt fand er den Gedanken hinreißend. ´Wer sagt, dass Unmögliches nicht möglich werden kann? Es bedarf doch nur eines festen Durchhaltevermögens und das habe ich. Schließlich habe ich alleine alle Winterdämonen in einer Nacht besiegt. Warum soll ich nicht dieser König werden?´

Es war ein herrlicher Tag und ein wundervolles Wetter. Hans zog es hinaus. ´Gerda kann sagen, was sie will. Sie ist eben eine Frau und deshalb ängstlich, aber wenn ich es geschafft habe, wird sie stolz auf mich sein´, dachte Hans und schlich durch den rückwertigen Ausgang ins Freie.

Er hielt es draußen nicht lange aus, kehrte bereits nach zwei Stunden nach Hause zurück. Gerda hatte seine Abwesenheit bemerkt, blieb aber ruhig. Sie empfing ihn ohne Vorwürfe, und begann ein Gespräch, bei dem Hans seine Pläne, gedrängt von einem enormen Mitteilungstrieb, offenbarte. Sie reichte ihm ein Getränk und er schlief ein.

Gerda hatte keine Möglichkeit mehr, als zur Dorfältesten zu gehen. Diese sagte, auch sie wüsste kein Mittel mehr, außer es ihrem Mann, dem Dorfältesten zu sagen. Zur Gerda sagte sie, sie solle sich keine Sorgen machen, die Männer würden das schon richten.

Der Alte war ein Mann im fortgeschrittenen Alter, sehr energisch und hatte eine Ausstrahlung, die jedem, der seinen wahren Worten wiedersprach, sofort das Blut in den Adern gefrieren ließ. Als er um Hans erfuhr, stieg in ihm sofort ein enormer Zorn auf und er rief: ´Diesem Esel werde ich die königlichen Eselsohren dermaßen lang ziehen, dass es nicht zu vergessen sein wird´. Er ordnete an: ´Ragnar, du spannst den Ochsen vor den Karren und streust Stroh darauf, dann setzest du einen Stuhl in die Mitte. Gunther, du bastelst eine Krone. Alle aus dem Dorf haben die Hauptstraße zu säumen´.

Es war Vormittag, die Männer begaben sich unter Führung des Alten auf den Weg zu Hans. Gerda hatte Hans mit den Worten geweckt, dass er draußen erwartet würde.

Hans sprang, von einem Hochgefühl getrieben auf, um sich den Anderen zu zeigen.

Dann begann der Alte: ´Hans, wir alle haben erkannt, nur Du kannst König werden, unser König. Die Zeit war knapp, so konnten wir nur Symbole erstellen, später bekommst du alles, was einem König gebührt. Bevor du König wirst, bist du Prinz. Steige auf diesen symbolischen Prinzenwagen, setze dich auf den Prinzenthron und nehme zunächst einmal diese Krone´.

Hingerissen von sich und dem eigenen Erfolg, übermutig, tat Hans sofort wie ihm gesagt wurde.

Die Menge vor dem Haus begann zu johlen, alle schrien Hallo…..oder Helau…oder wie auch immer.

Aber langsam begann es Hans zu dämmern. Er hatte plötzlich das Gefühl, vorgeführt zu werden – und zwar als Narr. Er wurde auf einem Ochsenkarren durch das Dorf gekarrt und ein Gebrüll begleitete seinen Weg. Und gerade diese massive Präsenz der anderen holte ihn sofort aus den eigenen Tiefen, in die er sich verirrt hatte. Eine enorme Peinlichkeit und Scham, enorme Reue und Bedauern stiegen in ihm auf, und er hatte das Gefühl, innerlich zu brennen. Schon an der Kreuzung sprang er vom Karren und lief so schnell er konnte, ohne nach rechts oder links zu sehen, nach Hause.

Er legte sich ins Bett und zog die Decke über den Kopf. Von Gerda liebevoll umsorgt, befolgte er jedes einzelne ihrer Worte. Schon zwei Tage später war er vollständig genesen, verließ das Haus aber dennoch vierzehn Tage lang nicht. Gerda hatte schon an den vergangenen zwei Tagen beiläufig gesagt, er solle doch einen kleinen Spaziergang an diesen herrlichen Frühlingstagen unternehmen. Aber sie drängte ihn nicht. Hans fiel es sehr schwer hinaus zu gehen, aber er wollte nicht, dass Gerda ihn ein drittes Mal auffordert. Er ging hinaus. Als er am Haus des Nachbarn ankam, stand dieser davor und rief fröhlich: ´Morgen Hans´. Er erwiderte den Gruß. Auch die anderen Nachbarn verhielten sich wie immer, kein Wort über die Vorkommnisse wurde gesprochen, als ob es nie geschehen wäre.

Dinarin Aleksandar Nikolic“

Fortsetzung folgt

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