Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die Story „Am Hoffen und Harren erkennt man die Narren – Der Maskenball des Freiherrn von Eckstein“:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de?s=dinarin+aleksandar+nikolic), hat wieder eine hintergründige Erzählung geschrieben.

Diese ist betitelt mit:

„Am Hoffen und Harren erkennt man die Narren – Der Maskenball des Freiherrn von Eckstein“.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln. 🙂

http://hinter-den-schlagzeilen.de/wp-content/uploads/2015/06/Maskenball.jpg

(Foto aus: http://hinter-den-schlagzeilen.de/2015/06/01/eulenfeder-abrechnung-und-aufforderung/)

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

„Am Hoffen und Harren erkennt man die Narren – Der Maskenball des Freiherrn von Eckstein.“

Eine Erzählung von Dinarin Aleksandar Nikolic

„Prolog

Das, was in unserer Gegenwart geschieht, erscheint den meisten gleichförmig, eintönig und langweilig. Es ist auch so. Das ist Realität. Jedoch, gemäß dem alten Wort – Diejenigen, die Augen haben zu sehen, sehen, die Ohren haben zu hören, hören, die einen Mund haben zu sprechen, sprechen – genau Diesen wird sich aber eine wundervolle Welt erschließen, und gerade die erkennen skurrile, sehr witzige Ereignisse, die die Realität erzeugt.

Nachfolgend berichte ich über ein Ereignis unserer Gegenwart, das nur denen bekannt wird, die, wie schon erwähnt, sehen und hören können.

Der Maskenball des Freiherrn von Eckstein.

Freiherr von Eckstein ist ein sehr reicher, nur Eingeweihten bekannter Großindustrieller. Seine Erkenntnisse, entweder erworben, erstanden oder angeeignet, befähigen den Freiherrn diese gesellschaftliche Position, die er inne hat, zu halten, wobei sein Handeln einem sehr alten Motto folgt, das da ist: „Eckstein, Eckstein alles muss versteckt sein.“

Demgemäß veranstaltet ab und an, nicht nur in der Karnevalszeit, einen Maskenball. Nur Eingeweihte sind eingeladen, Vertreter seiner gesellschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen.

Der Ort der Veranstaltung ist anderen gänzlich unbekannt. Seinen Gästen hat er einen Veranstaltungsplan schon zuvor ausgehändigt, nachdem sich die Gäste zu richten haben und strenge Regeln bestimmen den Ablauf der Veranstaltung. Der Maskenball findet in seinem Schloss statt, das einen riesigen Ballsaal aufweist und genügend Zimmer hat, um die Gäste übernachten zu lassen. Der genaue Anreisezeitpunkt ist den Gästen bekannt, eben nach Abenddämmerung und so berechnet, dass kein Stau der Luxuskarossen vor dem Haupteingang entsteht. Das wichtigste jedoch, ist das Thema des Maskenballs, das auch ausführlich im Plan erklärt wurde.

Demnach hatten die Gäste sich zu besinnen auf den Kern der eigenen Persönlichkeit, um herauszufinden, welche Maske sie zu wählen haben, denn die, durch die Maske zu repräsentierende Persönlichkeit musste authentisch und entsprechend sein.

So gesehen, ein Ball der Offenbarung.

Der Zeremonienmeister kündigte den Einzug der Gäste in den Festsaal an.

Übrigens, um Mitternacht war vorgesehen, die Masken fallen zu lassen.

Nun, es begann der Einzug.

Der Zeremonienmeister klopfte dreimal mit dem Zeremonienstab auf den Boden und kündigte an:

Napoleon Bonaparte und Prinzessin

Che Guevara und Prinzessin

Adolf Hitler und Prinz

Erik der Rote und Prinzessin

Albert Einstein und Prinzessin

Afrikanischer Diktator Patrice Lumumba und Hexe

Der Froschkönig und Prinzessin

Karl Marx und Prinzessin

Der Esel und Prinzessin

Napoleon Bonaparte und Prinzessin

Es geht ca. eine Stunde so, bis alle Gäste aufgerufen wurden und im Festsaal waren.

Äußerst merkwürdig ist allerdings, dass alle Damen Prinzessinnen waren mit eben einer Ausnahme, der Hexe. Außergewöhnlich auch – nur ein Prinz. Bei den Herren fiel der Esel extrem aus dem Rahmen. Eine weitere Merkwürdigkeit ist, das zwei Napoleon Bonaparte zugegen waren.

Um die Stimmung der Gesellschaft zu beschreiben – der Esel war für alle anderen anwesenden Herren ein Ärgernis. Das tat dem Esel nichts, er war stolz, selbstverständlich stur, ihm ging es sehr gut und er war überzeugt, der Beste zu sein.

Die beiden Bonapartes beobachteten einander argwöhnisch und äußerst misstrauisch.Che Guevara und Karl Marx lächelten einander zu, Erik der Rote, der eine Keule trug, die zur Maske gehörte, fand das Einstein, der unmittelbar neben ihm stand, eine enorm störende Ausstrahlung hatte. Diktator Patrice Lumumba und Hitler waren bereits in einen tiefen Erfahrungsaustausch vertieft. Der Froschkönig konzentrierte sich ausschließlich auf seine Prinzessin.

Der Ball wurde kaum eröffnet, da sprang die Hexe hervor, griff nach einer Champagnerflasche und leerte sie mit einem Zug. Die Prinzessinnen waren konstatiert und sahen verlegen weg. Die Hexe legte einen wilden Tanz aufs Parkett und verließ die Tanzfläche.

Der Esel, dem es zu gut ging, guckte genau hin, die Tanzfläche spiegelte sich wie eine Eisfläche, stürmte voran und rockte ab, was das Zeug hält, fest davon überzeugt von allen bewundert und beneidet zu werden, ob seiner überlegenen Talente und Eigenschaften.

Ausnahmslos alle wurden von einer Welle enormen Ärgers ergriffen, beim Anblick des Esels, des personifizierten Ärgernisses.

Nach diesen extremen Auswüchsen begann ein gemäßigter, sanfter Tanz der Anderen. Anschließend wurde das Buffet eröffnet. In lockerer Formation gruppierten sich die Gäste und der übliche Smalltalk begann.

Der Froschkönig, der wie eine Klette an seiner Prinzessin hing, verwickelte diese in eine heftige Grundsatzdiskussion. Er wollte diese sogenannte Beziehungskiste von allen Seiten betrachten, um die Prinzessin zu überzeugen, das sie ihm den Kuss, den sie ihm stur verweigerte, zu gewähren hat. Die Prinzessin wendete sich genervt ab, trat dabei Hitler auf die Zehen und entschuldigte sich. Hitler wandte sich Patrice Lumumba zu und sagte mit schmerzverzerrtem Gesicht: ´Diese Frauen, man kann nicht ohne sie, und mit ihnen schon mal gar nicht. Ich weiß schon was ich mit Ihnen zu gegebener Zeit anstelle´.

Patrice Lumumba nickte beifällig und beide setzten die Erörterung diktatorischer Maßnahmen fort, nicht immer übereinstimmend, aber durchaus kompromissbereit, gemäß dem Motto: ´teile und herrsche´.

Che Guevara hörte nur das Wort ´teile und herrsche´ und teilte Karl Marx mit, dass die einzig mögliche Lösung ist, die Herrschaftsverhältnisse durch eine weltweite Revolution zu beseitigen, um dann die Volksherrschaft auszurufen. Karl Marx strich sich über den Bart und betonte mit seinem Gesichtsausdruck, sein Wohlwollen Che gegenüber. Er gab jedoch zu bedenken, dass die Oktoberrevolution, die auf dem Kriegsschiff Potemkin begann, genau analysiert werden muss, um den Erfolg der kommenden Revolutionen sicherzustellen, durch Vermeidung der begangenen Fehler.

Der Esel, das personifizierte Ärgernis, stürmte immer wieder die Tanzfläche, zum allgemeinen Ärgernis.

Die beiden Napoleon Bonaparte standen einander gegenüber, beobachteten einander misstrauisch und argwöhnisch. Napoleon I schnappte das Wort Erfolg von Karl Marx auf, sah zur Decke und versonnen flüsterte er verträumt – Erfolg – . Napoleon II sagte: ´Was haben sie damit zu tun?´ Napoleon I antwortete: ´ Ja, womit haben sie denn zu tunß´ Napoleon II: ´Genau´, Napoleon I: ´Das denken sie nur.´ Napoleon II: ´Was denken sie denn?´

Beide Napoleone versuchten den enorm aufsteigenden Ärger zu unterdrücken und wendeten einander den Rücken zu.

Erik der Rote hatte die Szene beobachtet und dachte: Diese beiden Winzlinge, was bilden die sich denn ein, reichen mir gerade bis zur Brust. Er wendete sich verächtlich ab, zuckte ein wenig zusammen, denn jetzt sah er Einstein vor sich stehen. Erik der Rote hatte einen barbarischen Gesichtsausdruck, sah Einstein verwundert an, der sofort begann, Erik die Relativitätstheorie zu erklären. Nach fünf Minuten verdüsterte sich Eriks Mine, er hatte auf einmal das Wort ´kirre´ im Kopf, und dachte zweifelnd – er oder ich -. Ein Ärger stieg blitzartig in ihm hoch und seine linke Hand, in der er die Keule führte, zuckte. Einstein schloss seinen Vortrag mit den Worten: ´Der letzte Krieg, wann er auch immer ausgetragen wird, wird mit Keulen entschieden´. Plötzlich witterte er die Gefahr, die von Erik ausging und entfernte sich geschwind einige Schritte.

So verging der Abend mit Amüsement.

Fünf Minuten vor Mitternacht klopfte der Zeremonienmeister auf den Boden und kündigte den letzten Gast für diesen Abend an:

Rumpelstilzchen ohne Prinzessin.

Um Punkt Mitternacht ergriff Freiherr von Eckstein das Wort und gemäß Protokoll begann jetzt die Demaskierung. Das Protokoll sah vor, das das Fallenlassen der Maske in umgekehrter Reihenfolge zur Ankunft der Gäste zu geschehen habe, der letzte Gast zuerst.

Er rief Rumpelstilzchen auf, der nach vorne kommen sollte, um sich zu demaskieren. Rumpelstilzchen war unauffindbar. Die Frage des Freiherrn: ´Wo ist Rumpelstilzchen?´ löste betretenes Schweigen aus, denn tatsächlich geschah das, was im Märchen bei der Nennung seines Namens beschrieben wird.

Zügig hintereinander enttarnten sich die Gäste.

Der Esel – der allen bekannte Bürgermeister der Stadt, der alle Fäden zog und den Ort beherrschte.

Karl Marx – Ein im gesamten Staat bekannter Politiker.

Der Froschkönig – nur in diesem Fall wurde der bürgerliche Name genannt: Otto Normalverbraucher.

Der afrikanische Diktator Patrice Lumumba – Ein Industrieller, natürlich ein Weißer, zum Erstaunen aller. Die Erklärung für diese offensichtliche Diskrepanz war allen klar. Es lag nur an seiner Begleitung, der einzigen Hexe des Abends, die offensichtlich ausgesprochen überzeugend sein konnte.

Einstein – Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Atomphysik an der ortsansässigen Universität.

Erik der Rote – war nur wenigen bekannt, ist Mitarbeiter der Müllabfuhr. Wieso und weshalb ausgerechnet er anwesend war, war keinem klar. Die einzige Erklärung konnte nur sein, dass dieser ein sehr reicher Bürger ist, der seinen Reichtum verbergen muss –warum auch immer- und sich eine neue Identität als Müllwerker gegeben hat.

Als Adolf Hitler aufgerufen wurde, stellten alle einvernehmlich fest, dass er weit und breit nicht zu sehen war, jedoch die Hintertür noch offen stand.

Che Guevara – Ein Unbekannter schwarzhaariger, keinem Volk zuzuordnen, wahrscheinlich Südamerikaner.

Die beiden Napoleons, die bei Aufruf gleichzeitig nach vorne kamen, waren die Überraschung des Abends. Es waren die beiden leitenden Chef-Psychiater der ortsansässigen Psychiatrischen Klinik.

Nun erfolgt, gemäß Protokoll, die Demaskierung der Damen. Alle Damen gleichzeitig.

Alle Prinzessinnen waren Hexen, nur die Hexe war Prinzessin.

Der einzige Prinz des Abends, Hitlers Begleitung –Benito Mussolini.

Betreten begaben sich die Gäste zu Bett.

Dinarin Aleksandar Nikolic“

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