Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die Geschichte über „Die 12 Fürsten der Finsternis“:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic), hat uns wieder eine Erzählung zukommen lassen. Es ist eine hintersinnige Geschichte unter dem Titel „Die zwölf Fürsten der Finsternis“.

Zum Tagesausklang ist das eine Lektüre zum Entspannen und auch zum Nachdenken über den Hintersinn.

Sehr gerne sind wir dem Wunsche des Kollegen Nikolic nachgekommen und haben diese Story nachstehend zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme auf unsere Homepage gepostet.

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

http://www.filmszene.de/special/venice2010/13assassins.jpg

Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die Geschichte über „Die zwölf Fürsten der Finsternis“:

Ein Märchen von Niemand erzählt und Niemand weiß die Wahrheit

Es war einmal – nein – es geschah, dass ein junger Mann, ein Wandergeselle, sich in irgendeinem Jahr des Herren auf die Wanderschaft begab.

Er war groß, von angenehmer Erscheinung, stets fröhlich und gut gelaunt. Sein Handwerk beherrschte er, übte es mit Freude aus und wollte niemals etwas anderes sein, als der, der er war.

Es war Spätherbst, Tom, ich nenne den jungen Mann so, um nicht seinen wahren Namen und damit seine Identität zu verraten, hatte den Wunsch, eine Anstellung über den Winter zu finden, um im kommenden Jahr seine Wanderschaft fortzusetzen. Der Weg dem er folgte, führte ihn in ein großes Tal und am Nachmittag erreichte er ein Dorf, kehrte ins Wirtshaus ein und mietete ein Zimmer für die Nacht. Abends setzte er sich in die Gaststube und da er gesellig war, kam er ins Gespräch mit den anderen Gästen.

Was ihm erzählt wurde, ohne dass er danach gefragt hätte, verwunderte ihn sehr. Was er erfuhr und die in der Runde anwesenden bestätigten es, war, dass er in ein Tal der Verdammten geraten sei, dies sei seit Jahrzehnten so, und er solle die Gegend so schnell wie möglich verlassen. Die meisten Bewohner seien reine Seelen, doch das Böse habe sich eingenistet, liege über dem Tal, unterdrücke jede Freude und laste schwer auf allen. Tom empfand das nicht und hielt die Erzählungen für Aberglauben.

Am nächsten Morgen stand er froh gelaunt, wie jeden Morgen auf und begab sich auf den Weg zur Stadt, die einen halben Tagesmarsch entfernt war. Dort bekam er auch keine Anstellung für den Winter und er entschied, zu seinen Eltern zurückzukehren, um im kommenden Frühjahr erneut auf Wanderschaft zu gehen. Er nahm den gleichen Weg zurück, den er gekommen war und auf etwa der halben Strecke zwischen der Stadt und dem Dorf sah er einen schmalen Pfad nach rechts abzweigen. Er war erstaunt, dachte noch, diesen Weg hätte er auf dem Hinweg sehen müssen, dachte aber nicht weiter daran, denn es kam ihm der freudige Gedanke, auf diesem Seitenweg vielleicht zu einem Gut zu kommen, wo er eine Anstellung bekommen könnte.

Nach einer nicht allzu langen Weile sah er überraschender Weise am Ende des Weges ein Schloss. Ohne es besonders zu beachten, bemerkte er aber die düstere Ausstrahlung des Gebäudes.

An der Pforte betätigte er den Türklopfer und das Tor wurde langsam geöffnet. Auf der anderen Seite stand eine Gestalt, die weder Mann noch Frau war. Tom betrat die Eingangshalle, ein Schauer lief ihm über den Rücken, doch seine Aufmerksamkeit fesselte die offene Tür eines Raumes an der Stirnseite der Eingangshalle, die den Blick auf den Schlossherren, wie Tom vermutete, freigab. Der Schlossherr winkte Tom zu sich und als Tom den Raum betrat, fragte der Schlossherr danach, was Tom herführt. Tom antwortete, er suche eine Winteranstellung.

„Du kommst gerade recht. In diesem Winter ist im Schloss sehr viel zu tun, überdies erwarte ich in drei Tagen hohe Gäste und es müssen Vorbereitungen getroffen werden.“

Da es mittlerweile Abend war, wies der Schlossherr Tom an, in der Küche das bereitstehende Abendessen einzunehmen und zu Bett zu gehen.

In der Nacht erwachte Tom.

Heiße und kalte Schauer durchströmten seinen Körper. Er erschrak, wollte aufstehen, aber die ganze Kraft hatte seinen Körper verlassen. Er war wie gebannt, konnte sich nicht bewegen und Panik erfasste ihn. – Und plötzlich wurde ihm klar, dass die Wirtshausgäste die Wahrheit gesagt hatten – er war in den Bann des Bösen geraten.

Verzweifelt dachte er, wie er entkommen könne, sah aber keinen Ausweg und dann wusste er, das Böse will seine Seele. Er schwor sich und bei Gott, eher zu sterben, als seine Seele wegzugeben, dann übermannte ihn ein schwerer Schlaf.

Am kommenden Morgen stand er sehr bedrückt und sehr belastet auf, und konnte sich den Befehlen des Schlossherren nicht widersetzen, sondern führte alle schweren Arbeiten aus, die ihm auferlegt wurden.

Am Morgen des Tages, an dem der angekündigte hohe Besuch in der Abenddämmerung eintreffen sollte, schickte der Schlossherr Tom einen Sack Mehl beim Müller zu holen. Im Bann des Bösen konnte Tom sich nicht widersetzen, führte den Befehl aus und auf dem Rückweg, es war der gleiche Weg zwischen der Stadt und dem Dorf, legte Tom den Sack ab und ging in die Hocke, um neue Kraft zu schöpfen. Er war so erschöpft und verzweifelt, dass er nicht den Reiter bemerkte, der aus Richtung Stadt auf ihn zuritt.

Der Reiter war ein Ritter, der den Weg abritt, um nach dem Rechten zu sehen, denn Reisende, die in die Stadt kamen, berichteten über Wegelagerer.

Erst als der Ritter Tom erreichte, sah dieser auf und sah in das herbe Gesicht des Ritters, eines Mannes in den mittleren Jahren. Schon vor einer langen Weile hatte dem Ritter jemand gesagt, er habe sanfte Augen, aber eine sehr brutale Kinnpartie, und so war es auch. Der Ritter war von hoher, schlanker Gestalt und seine Ausstrahlung ließ jeden die enorme Kraft seines schlanken, zähen Körpers erahnen.

Der Ritter fragte Tom, was mit ihm sei und Tom antwortete: „Selbst wenn ich Dir die Wahrheit sagen will, ich kann es nicht.“

„Wo kommst Du her, wo gehst du hin?“

Tom wies andeutungsweise in die Richtung des Schlosses und konnte nichts mehr sagen.

Der Ritter setzte den Weg fort und ein tiefes Mitgefühl überkam ihn, als er an das verzweifelte Gesicht des jungen Mannes dachte. Der Ritter kannte weder Leid, noch Mitleid, geschweige denn Selbstmitleid, aber das Mitgefühl, das er empfand, entfachte Zorn in ihm, der ihn von Kopf bis Fuß durchströmte. Da er nicht wusste, gegen wen er den Zorn wenden soll, beruhigte er sich und entschied im Dorf Erkundigungen anzustellen.

Dort angekommen fragte er den Wirt des Gasthofes, der ihm nichts sagen konnte. Er ritt die Dorfstraße ab und am Dorfausgang sah er zur Rechten ein kleines Haus und gerade in diesem Moment öffnete eine sehr alte Frau die Tür und trat in den Garten. Der Ritter fragte laut nach dem jungen Mann, doch die alte Frau erschrak sehr, legte den Zeigefinger auf den Mund, um ihm zu zeigen, er solle schweigen und winkte ihn zu sich ins Haus. Im Haus verriegelte sie die Fensterläden und erzählte dem Ritter flüsternd, dass vor vielen Jahrzehnten, als sie noch ein kleines Mädchen war, ein Fürst ein Schloss in der Gegend erbauen ließ, die für die, die eine reine Seele haben, verbotenes Gebiet ist. Seit dieser Zeit habe sich das Böse wie ein dichter Nebelschleier über das Tal gelegt.

Der Ritter verließ das Haus und spürte erneut Zorn aufsteigen, beherrschte sich aber und entschied in die verbotene Gegend zu reiten.

Die Abenddämmerung hatte sich gerade der Nacht gebeugt, als er das Schloss erreichte. Er stieg vom Pferd, zog das Schwert, denn er erkannte sofort dieses Schloss als das Zentrum des Bösen und betätigte leise den Türklopfer. Die Tür wurde einen Spalt breit geöffnet und der Ritter trat sie so kraftvoll auf, dass sie aus den Türangeln gerissen wurde. In der Gestalt hinter der Tür, die weder Mann noch Frau war, erkannte der Ritter einen Dämon und hieb ihm ohne zu zögern den Schädel von den Schultern. Im selben Augenblick erfüllte ein grässliches Jammern die Vorhalle.

Der Ritter stand da, sah in die Richtung der Tür an der Stirnwand der Empfangshalle und spürte eine negative Energie seinen Körper umfassen, die versuchte ihn seiner Kraft zu berauben.

Der Ritter stützte sich auf das Schwert, seine Beine und sein gesamter Körper begannen zu zittern. Der Ritter widerstand. Als die negative Energie verebbte, atmete der Ritter einige Male tief durch und seine Kraft aus seinem reinen Geist und seiner reinen Seele durchströmte seinen Körper.

Er ging langsam auf die geschlossene Tür zu und wusste, dahinter konzentrierte sich das Böse. Er trat gegen die Tür, die sofort zerbarst.

Als er die Gestalten im Raum sah, dachte er an die Erzählungen der alten Frau, die von den zwölf Fürsten der Finsternis berichtet hatte, denn er erfasste mit einem Blick zwölf Gestalten.

Ein Gedanke schoss ihm noch durch den Kopf. Das Volk sagte, eine Kette wird aufgebrochen, in dem man das schwächste Glied zerschlägt. Er aber dachte schon immer, wenn es so kommt, dann zerschlägt er zuerst das stärkste Glied der Kette, um die ganze Kette zu vernichten.

Er hatte den Gedanken noch nicht durchdacht und war schon in den Kreis der zwölf Fürsten der Finsternis gesprungen und spaltete dem ersten Fürsten der Finsternis, den er zweifellos erkannte, den Schädel.

Wie zuvor erfüllte abermals grässliches Gejammer den Raum. Die verbliebenen elf Fürsten versuchten zu entkommen, doch der Ritter versperrte die Tür und die elf Dämonen drängten sich dicht aneinander in eine Ecke des Raumes.

Der Körper des erschlagenen ersten Fürsten der Finsternis war zu Staub verpufft und die Körper der verbliebenen Fürsten verloren jede Farbe, so dass der Ritter dachte – wie ein Gipsstandbild.

Im gleichen Moment zerfiel das Standbild zu Staub.

Eine tiefe Stille erfüllte den Raum. Der Ritter verweilte in Kampfbereitschaft, um dem Bösen, falls es sich noch zeigen sollte, zu begegnen. Plötzlich zwitscherte eine Nachtigall und der Ritter wusste, dass das Böse das Tal, das Dorf und auch das Schloss verlassen hatte. Der Bann des Bösen war gebrochen und beseitigt. Er verließ den Raum und sah Tom lächelnd die Treppe hinunter kommen, seine entspannten Gesichtszüge verrieten die enorme Erleichterung, die er spürte.

Zu sagen wäre noch – der Schleier des Bösen verging mit den Fürsten und so manch ein Bewohner des Tales der mit dem Bösen verschworen war, ohne, dass es bekannt war, verschwand.

Was Tom anbetrifft, er heiratete und lebte eine Ewigkeit glücklich mit seiner Frau. Er erzählte immer wieder von dem Ritter, der die zwölf Fürsten der Finsternis vernichtet hat, und diese Erzählung hörten sehr, sehr viele, doch den Ritter kannten nur sehr, sehr wenige.

Dinarin Aleksandar Nikolic“

Share
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.