„Der Weltuntergang“: Eine Erzählung des Kollegen Dinarin Aleksandar Nikolic!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin-aleksandar+nikolic) hat uns wieder eine hintersinnige Erzählung zukommen lassen, die wir Euch gleich zu Wochenbeginn nicht vorenthalten wollen. Unter dem dramatischen Titel „Der Weltuntergang“ zeigt Kollege Nikolic in seiner Story deutlich auf, wie sehr man sich doch irren kann oder wie sehr man sich selbst narrt oder vielleicht auch genarrt werden kann.

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

Dinarin Aleksandar Nikolic und die Erzählung „Der Weltuntergang“

„Milos erwachte langsam aus einem tiefen, einer Bewusstlosigkeit ähnlichen Schlaf. Er hatte die Orientierung vollständig verloren und tastete mit seiner rechten Hand vorsichtig nach der Nachttischlampe. Sie war nicht da, stattdessen hatte er kalte feuchte Erde ertastet. Er öffnete langsam die Augen.

Es war stockdunkel, er konnte nur schemenhaft Blätter und Äste über seinem Kopf erkennen. Ein dunkler Nebel wabbelte um Ihn herum. Er richtete sich etwas auf und stellte fest, dass er in einem Gebüsch lag. Ganz langsam dämmerte die Erinnerung.

Er wusste nicht, wie lange er dort gelegen hatte, er wusste nur, dass dieser Nebel, der immer noch da war, kurz bevor er sich im Gebüsch verkrochen hatte, die Sonne so verdunkelt hatte, dass man die Hand vor den Augen nicht sah. Seine Erinnerung kehrte nun vollständig zurück und er wusste wieder, was geschehen war, und er spürte Todesangst.

Es muss zwei Tage her sein, dachte er, als er den Nebel zum ersten Mal wahrgenommen hatte. Es war abends, er saß in seiner Wohnung und sah aus seinem Fenster diese dicken Nebelschwaden, die die Sonne verdunkelten. Begleitet wurde dieses Phänomen von einer gedämpften Stille.

Milos hatte auf einmal das Gefühl, etwas sei geschehen. Er schaltete sofort den Fernseher ein, aber außer den üblichen Feierabendsendungen gab es keine Meldung, die Aufklärung gebracht hätte. Ihm wurde klar, dass die Regierung jede Panik vermeiden wollte und die entsprechenden Informationen zurückhielt. In seiner Wohnung wurde es plötzlich stickig und heiß und er entschied, die Wohnung zu verlassen.

Seine Wohnung befand sich in einem Wohnviertel einer mittelgroßen Stadt. Milos hatte nicht den Mut, das Viertel zu verlassen und begab sich auf den Weg zum nahe gelegenen Park, in der Hoffnung dort der stickigen Luft zu entgehen. Dass er nur wenigen Menschen begegnete, die mit versteinerten Gesichtern ziellos umherirrten, verschaffte ihm die Gewissheit, dass die Apokalypse begonnen hatte. Ihm wurde klar dass ein weltweiter Konflikt mit Atombomben ausgetragen wurde und möglicherweise wurden biologische Kampfstoffe eingesetzt. Wahrscheinlich war eine Atombombe in einiger Entfernung dieser Stadt gefallen. Eine panische Angst befiel ihn und er entschied, die Nacht im Park zu verbringen. Er kroch in ein dichtes Gebüsch, legte sich flach auf den Boden und schlief ein.

Nun war er wieder wach und es wunderte ihn, dass er überlebt hatte. Er kroch aus dem Gebüsch hervor und entschied zu seiner Wohnung zu gehen. Die Straßen waren menschenleer, die stickige Luft, die Finsternis und diese gedämpfte Stille verschafften ihm ein tiefes Unbehagen.

Er war hungrig. Noch hatte er Nahrungsmittel in der Wohnung, aber wie wird es später sein? Bei diesem Gedanken erinnerte er sich an einen Science-Fiction-Film, den er dreißig Jahre zuvor als Jugendlicher gesehen hatte. Dort gab es ebenfalls nur einen überlebenden Mann einer Katastrophe und dieser lebte im nun menschenleeren Los Angeles. Er versorgte sich in leer stehenden Supermärkten und tankte Benzin an unbesetzten Tankstellen. Fiktion ist Wirklichkeit geworden, dachte Milos. Der Gedanke hatte etwas beruhigendes, denn seine Versorgung war zunächst gesichert.

Nachdem er die drei Stockwerke zu seiner Wohnung hochgestiegen war, öffnete er etwas atemlos die Wohnungstür, ging zur Küche, nahm aus dem Kühlschrank eine Flasche kaltes Mineralwasser und leerte sie in einem Zug.

Milos setzte sich in seinen bequemen Sessel, um seine nächsten Schritte zu planen und wunderte sich, wie abgebrüht und emotionslos er das Ende der Menschheit hinnahm. Er ging in seinen Gedanken tief zurück in die Vergangenheit und stellte fest, dass das Leben nach seiner glücklichen Kindheit ihm nicht mehr viel geboten hatte. So erklärte er sich seine Unberührtheit vom Untergang der ihm bekannten Welt.

Ein tiefer Summton holte ihn aus seinen Gedanken und verwirrte ihn. Es dauerte eine Weile bis ihm klar wurde, dass jemand den Türsummer betätigt hatte. Milos spürte Freude aufsteigen, wahrscheinlich stand ein weiterer Überlebender vor der Tür.

Hastig öffnete er die Tür.

„Da sind Sie ja, Herr Bogdan. Wir suchen sie schon seit gestern Abend.“ Sagte Frau Deville, Milos`s Betreuerin, die von zwei Polizisten und einem Psychiatriepfleger, der ihm wohl bekannt war, begleitet wurde. „Kommen Sie bitte mit, Sie brauchen jetzt sehr viel Ruhe.“

Dinarin Aleksandar Nikolic“

http://www.albrecht-duerer-apokalypse.de/wp-content/uploads/2014/04/eduard-von-steinle-die-apokalyptischen-reiter.jpg

(Bild zeigt die apokalypzischen Reiter von Albrecht Dürer aus: http://www.albrecht-duerer-apokalypse.de/die-apokalyptischen-reiter/)

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