Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die Story „RENE“! Man könnte auch fragen: „Wie verkauft man heute seine Seele?“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic) hat uns zum Wochenende wieder eine Erzählung zukommen lassen, die dieses Mal auf einer wahren Begebenheit basiert und dennoch zum tieferen Nachdenken Anlass gibt.

Aber lest bitte diese Story mit dem Titel „RENE“ selbst und entspannt Euch auch dabei.

Für den AK Manni Engelhardt – Koordinator –

Eine Erzählung von Dinarin Aleksandar Nikolic

„Eine Erzählung von Niemand erzählt und Niemand weiß die Wahrheit.

Nach einer wahren Begebenheit erzählt:

RENE

Es ist schon einige Jahre her, als ich an einem herrlichen Sommerabend die Bar betrat, die ich damals gewöhnlicher Weise nachts aufsuchte. Ich nannte diese Bar die „Wunder-Bar zum Blue Planet“, weil ich dort ungewöhnliche Dinge erlebte und von einer ungewöhnlichen Begegnung, der Begegnung mit Rene, werde ich jetzt berichten.

Wie gesagt, ich betrat diese Bar und begrüßte recht überschwänglich die Barkeeper, die hübsche Silke und Tom. Ich war sehr gut gestimmt und scherzte mit Silke und bemerkte, dass ein Gast in einiger Entfernung, rechts neben mir an der Bar saß und mich mit einem freundlichen Lächeln beobachtete. Ich grüßte ihn durch ein leises Nicken und er erwiderte den Gruß, indem er laut „Guten Abend“ wünschte und sogleich bemerkte:

„Ich vermute sie sind Theaterschauspieler.“

Ich erkannte, dass dieser mir unbekannte Gast mich zu einem Gespräch herausfordern wollte und trat einige Schritte näher zu Ihm hin und sagte:

„Wissen Sie, eigentlich habe ich jeden Morgen Auftritt wenn ich die Wohnung verlasse, aber Theaterschauspieler bin ich nicht.“

„Verzeihen Sie, ihr Auftritt hier hatte etwas theatralisches, ich bin übrigens Rene.“

Ich stellte mich ebenfalls vor, und Rene fragte:

„Was tun Sie denn sonst, wenn ich fragen darf“.

„Wissen Sie grundsätzlich tue und lasse ich genau das, was ich Tun und Lassen will, unter anderem aber schreibe ich Erzählungen.“

Rene war interessiert und wollte wissen, was das für Erzählungen sind. Ich schlug ihm vor, die Erzählung „Mariann“ vorzulesen, die ich kurz zuvor fertig gestellt hatte und in der Innentasche bei mir trug. Er war sofort einverstanden und nachdem ich gelesen hatte, befiel ihn eine Euphorie, so dass er die Barkeeperin Silke sofort zu seiner Mariann erklärte. Ihm gefiel diese Geschichte um Liebe, und er bedauerte, dass die Liebe in unserer Zeit sehr flüchtig sei.

Wir lachten dennoch, weil er seinen Blick nicht von Silke lies und um dem Gespräch eine Wendung zu geben, fragte ich ihn was er denn täte. Er erläuterte, dass er zu einer Gruppe hochrangiger Managertrainer gehöre, die in großen Unternehmensgruppen im gesamten Bundesgebiet tätig sind und dass er an diesem Ort sei, um eine zweiwöchige Schulung in einem neu eröffneten Möbelhaus abzuhalten. Im Folgenden unterhielten wir uns über geschäftliche Dinge und Rene erläuterte mir Vorgehensweisen im Geschäftsleben die mich überzeugten das Geschäft und Anstand einander ausschließen. Gleichzeitig schloss ich, dass Geschäftsleute seelenlos sind. Ich erinnerte mich an eine Erzählung, die ich Jahre zuvor gehört hatte, in der ein Mann seine Seele verkauft hatte, um zu Reichtum, Ansehen und Macht zu kommen. Ich war neugierig geworden. Rene war geschäftlich ebenfalls sehr erfolgreich und ich wollte wissen wie es um seine Seele stand und fragte unvermittelt:

„Rene, hast Du auch verkauft?“

Rene sagte: “Ja, ich habe früher Versicherungen verkauft.“

„Nein, daran denke ich nicht Rene, ich fragte ob Du etwas von Dir verkauft hast?“

„Ach, das meinst Du. Ich will Dir folgendes sagen – ich bin bis jetzt niemandem begegnet, der bei allem was er sagt, so wahrhaftig ist wie Du. Deshalb werde ich das auch tun, auch wenn die Gefahr besteht dass, wenn ich mich offenbare, ich für verrückt erklärt werden könnte. Nun bisher war unser Gespräch von Offenheit geprägt und ich sage dir offen, Ja, ich habe meine Seele verkauft“.

„Wie hast Du das gemacht?“, fragte ich.

„Ich habe nichts gemacht, es ist mit mir gemacht worden, an einer weltweit anerkannten Wirtschaftsschule von einem bekannten Professor geführt, in London.“

Im Folgenden nannte mir Rene Einzelheiten wie diese Loslösung von der Seele vollzogen wird. Ich muss zugeben, ich verstand es nicht und kann es daher auch nicht widergeben, aber unter anderem nannte er auch die NLP-Methode (Neuro-Linguale-Programmierung). Ich war vollkommen betroffen, von dem was Rene mir erzählte und fragte:

„Was hast Du dafür bekommen, Rene?“.

„Was für eine Frage – selbstverständlich die entsprechende Stellung in der Gesellschaft.“

„Für ein paar bunte Scheinchen hast Du Deine Seele verkauft, Rene?“.

„Ich habe mit einem Telefonat eine Geschäftsbeziehung gekoppelt, das hat mir 250.000 Euro gebracht, ist das nichts, sind das ein paar bunte Scheinchen?“, fragte Rene fast erbost.

„Ich habe das nicht für möglich gehalten, was Du mir erzählst, Rene.“

„Aber es ist wahr und darüber hinaus nichts Besonderes. Viele Menschen verlassen diese Wirtschaftsschule vollkommen verändert, vorbereitet auf Ihre neue gesellschaftliche Stellung“,

sagte Rene.

„Und das machen sie freiwillig?“

„Selbstverständlich, ohne den freien Willen geht das nicht.“

„Und wendest Du diese Methoden auch in deinem Job an?“

„Selbstverständlich, Voraussetzung ist die Einwilligung der Teilnehmer.“

Ich muss zugeben, ich fühlte mich für einen Augenblick wie in einem Film, in dem der Teufel Seelen einkauft und die Seelenlosen für sich arbeiten lässt. Es war äußerst skurril, was Rene mir erzählte.

Wir trafen einander noch einige Male und Rene gewährte mir einen Einblick in eine für mich bis dahin vollständig unbekannte Welt.

Wie hätte es anders sein können – unser letztes Treffen, der Abschied sozusagen, war noch skurriler als die Treffen zuvor. Ich saß auf dem Barhocker, die Beine übergeschlagen. Da ich zu der Zeit einen geschwollenen Knöchel hatte, trug ich eine deutlich sichtbare Bandage. Ich sah zum vorderen Eingang der Bar und sah Rene. Er betrat zügig die Bar und kam auf mich zu. Mit Blick auf die Bandage sagte Rene:

„Ich erzähle dir nach wie vor die Wahrheit, ich bin ein Löwe, der auf der Jagd ist und Du bist eine Antilope, eine verletzte sogar.“

Rene sah mich an und ich bemerkte seinen verängstigten Blick und er bestätigte es, indem er hinzufügte: „jetzt allerdings habe ich Angst. Schreckliche Angst von einer Antilope gefressen zu werden.“

„Aber ich bin doch absoluter Vegetarier, Rene“.

Er stand auf und ging in Richtung Ausgang, wendete den angstverzerrten Blick noch einmal in meine Richtung, begann hysterisch zu lachen – eigentlich ein irres, lautes Lachen – und verlies zügig die Bar.

Danach sah ich Rene nie wieder.

DINARIN ALEKSANDAR NIKOLIC“

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