Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die Fabel von „CVRCAK“!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinsrin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic) hat uns zum Jahreswechsel wieder einige Geschichten zukommen lassen, die wir jetzt über die Feiertage und zum Wochenende zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme auf unsere Homepage posten werden. Wir beginnen mit der Erzählung unter dem Titel „CVRCAK“, die als eine Fabel über den Sinn oder den Unsinn der Arbeit geschrieben ist. Eine Fabel, die nicht ohne Tiefgang, und dennoch unterhaltsam ist.

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a6/Feldgrille.jpg/300px-Feldgrille.jpg

(Foto aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Echte_Grillen)

„Cvrcak“ Eine Erzählung des Schriftstellers Dinarin Aleksadar Nikolic

„Prolog zur Fabel „Cvrcak“

Die heutigen Gesellschaften der Menschheit sind, rund um den blauen Planeten, zum größten Teil ausgerichtet auf einen Aspekt, der eigentlich nur eine kleine Facette im Leben ist –die Arbeit-. Sie steht mit Abstand an erster Stelle der Werteskala, alles dreht sich um sie, alles wird ihr total untergeordnet.

Was hat der Menschheit so einen totalen Unsinn suggeriert?

Die Menschheit geht mit großen Schritten und sehr schnell dem eigenen Untergang entgegen und ist überzeugt, Arbeit sei das einzige, Glückseligkeit bringende Heilmittel.

Ich könnte zu diesem Thema sehr, sehr viel sagen, verzichte an dieser Stelle aber darauf. Vielmehr überlasse ich der nachfolgenden Fabel Erklärungen zu geben und vielleicht zur Besinnung zu führen.

Gerade jetzt, in dieser Jahreszeit der Ruhe, nach dem vergangenen Fest, wo der alte Zyklus zu Ende geht und ein neuer Zyklus beginnt, sollten Prioritäten und Werte überdacht werden.

Cvrcak ist eine Grille und der Protagonist dieser Fabel, einer sehr alten Fabel aus dem slawischen Sprachraum.

Ich habe sie ins Deutsche übersetzt.

Eine Fabel ist ein Spiegel für den Menschen und gerade deswegen habe ich sie gewählt, um in dieser Zeit der Beschaulichkeit „zwischen den Tagen“ Denkanregung zu geben.

Cvrcak

Eine slawische Fabel, nacherzählt von Aleksandar Nikolic

Weit ab der menschlichen Zivilisation gab es eine Welt, die den Menschen nicht zugänglich war. In einem abgelegenen Wald lebte ein Ameisenvolk, das einen mannshohen Ameisenhaufen aufgetürmt hatte Es war die Stadt der Ameisen.

Gerade begann der Frühling, und die Ameisen waren sehr beschäftigt. Ihr Volk war streng organisiert, jede Ameise hatte eine vorgeschriebene Aufgabe und einen festen Platz in der Gesellschaft der Ameisen.

Es war ein herrlicher Frühling, die Ameisen arbeiteten emsig, genossen die wärmenden Sonnenstrahlen und waren glücklich, zumal ein Sänger, Cvrcak, eine Grille, sie mit seinem Gesang mit Freude erfüllte, so dass die Arbeit leicht fiel und mit Freude erledigt wurde.

Es kam der Sommer, Cvrcak sang und die Arbeit ging leicht von der Hand. Als das Korn auf den angrenzenden Feldern hoch stand, hatten sie einen Großteil ihrer Vorbereitungen für den Winter erledigt, so dass im Herbst nur noch wenige Verrichtungen zu erledigen waren.

Der Herbst war sehr mild, Cvrcak sang und die Ameisen waren glücklich und freuten sich auf den gemütlichen kommenden Winter.

Der Winter kam sehr schnell, innerhalb weniger Tage wurde es sehr kalt. Die Ameisen zogen sich zurück in die Ameisenstadt, jede in ihre Wohnung und verschlossen die Türen.

Cvrcak allerdings, hatte keinen Bau, er war Sänger und es lag nicht in seiner Natur eine Wohnung zu bauen.

Es war sehr kalt und Cvrcak klopfte an die Tür einer ihm bekannten Ameise, und fragte ob er in der warmen Stube der Ameise den Winter verbringen könne. Die Ameise antwortete barsch, es wäre Platz nur für einen und sie wolle nicht teilen. Cvrcak versuchte es bei vielen anderen Ameisen, bekam allerdings die gleiche ablehnende Antwort.

Gerade dieser Winter währte sehr lange und es war wirklich ein kalter Winter.

Als der Frühling kommen wollte, wehrte sich der Winter mit einer Reihe von Frosttagen. Dann aber gewannen die Sonnenstrahlen an Kraft und als die Schneeschmelze vorbei war und die ersten Frühlingsblumen sprossen, war der Frühling da.

Die Ameisen krochen aus dem Bau und nahmen langsam ihre Arbeit auf. Sie erfreuten sich sehr an der zunehmenden Wärme.

Die Freude über den Frühling ebbte allerdings schnell ab. Die Arbeit wurde auch ungewohnter Weise anstrengend. Der Ameisenrat wurde einberufen. Das Ameisenvolk war bedrückt und die Ursachen sollten erörtert werden. Die Ameisen kamen einstimmig zu dem Ergebnis das nur der lange Winter die Ursache sein könne.

Ein mühevoller Frühling verging und ein heißer Sommer begann. Auf dem Ameisenvolk lastete zweifellos eine Depression.

Erneut wurde der Ameisenrat einberufen und diesmal meldete sich eine alte Ameise zu Wort und sagte, sie habe das letzte Jahr mit dem jetzigen verglichen und festgestellt, dass im letzten Jahr der Sänger Cvrcak das ganze Jahr die Ameisen mit seinem Gesang hoch erfreut hätte und in diesem Jahr nirgendwo zu sehen, geschweige denn zu hören ist.

Alle Ameisen waren sich einig, dass das der Grund der Depression ist. Sie erkannten, sie haben das eigene Leben um alle Freuden beschnitten und sich dem Irrtum ergeben, nur die Arbeit mache glücklich.

Es wurde ein Krisenrat gebildet der einstimmig beschloss, dass alle Ameisen in einem sehr großen Kreis um die Ameisenstadt ausschwärmen sollen, um Cvrcak zu suchen. Der erste Tag der Suche verlief ergebnislos und nach Ablauf des zweiten Tages wurde die Suche eingestellt.

Der heiße Sommer verging und so sehr sich die Ameisen mühten, sie schafften das Pensum, das für die Überwinterung notwendig war, bei weitem nicht.

Der Winter kam, die Ameisen zogen sich in die Ameisenstadt zurück.

Auch dieser Winter dauerte lang und war so hart, dass die Erde gefror.

Der Frühling kam und zu dem in gewöhnlicher Weise zu Beginn des Jahres einberufenen Ameisenrates erschienen nur einige Ameisen, die nur noch feststellen konnten, dass das Ameisenvolk verendet war.

Auch diese wenigen Ameisen gingen nach einigen Tagen dahin.

Der Ameisenbau stand wie ein mahnendes Monument da, das von einem vergangenen Volk zeugte.

Erneut kam der Sommer, keine Ameise war zu sehen, als ein wundervoller Gesang die Luft erfüllte. Eine Grille kam aus dem hohen Gras und ging geradewegs auf die leere Ameisenstadt zu. Es war Cvrcak.

Verwundert sah er, dass die Stadt leer war und sein Gesang verstummte für einige Augenblicke. Und bevor er sich umdrehte, vergaß er das gewesene, stimmte seinen wundervollen Gesang an und verschwand im hohen Gras.

Dinarin Aleksandar Nikolic

Epilog

Ich erinnere mich an die Vergangenheit, als ich einer sogenannten, hochrangigen Persönlichkeit, ab und an eine meiner Erzählungen erzählte. Bei einem dieser Treffen sagte ich, wir seien doch alle frei geboren. Dr.X widersprach sofort und sagte Freiheit müsse erarbeitet werden.

In dem Moment dachte ich, dieser Satz sagt nichts anderes als „Arbeit macht frei“. Ich konnte dann nur sagen: „Das trifft bei mir absolut nicht zu, ich bin frei geboren“.

Dinarin Aleksandar Nikolic“

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