Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die wahre Story mit dem Titel „Lerka“!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum heutigen Feiertag hat uns unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis-(AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic) wieder eine Erzählung zu Eurer zukommen lassen. Es handelt sich hierbei um eine dreiteilige Fortsetzungsserie unter dem Titel „Lerka“.

Sehr gerne haben wir diese Story zu Eurer Unterhaltung nachstehend auf unsere Homepage gepostet.

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

https://www.nabu.de/imperia/md/nabu/images/arten/tiere/saeugetiere/raubtiere/hundeartige/wolf/140908-nabu-wolf-munster-nord-juergen-borris2-766.jpeg

(Foto von Jürgen Borris aus: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/

„Lerka“ eine wahre Erzählung des Dinarin Aleksandar Nikolic (Teil 1)      

„Obwohl die Hochgebirgskette Dinara ein europäisches Gebirge ist, ist sowohl die Bezeichnung als auch das Gebirge mit einigen Ausnahmen, geradezu vollständig unbekannt. Ich war sehr erstaunt, als ich kürzlich in WIKIPEDIA einen umfassenden Bericht über die Dinara fand.

Das Hochgebirge beginnt im Norden in Slovenien und erstreckt sich über Serbien bis nach Albanien.

Im serbischen Teil gibt es eine Hochebene, die die Bezeichnung Zlatibor trägt. Diese Bezeichnung besteht aus zwei Worten – Zlati bedeutet: golden schimmert, bor bedeutet: die Fichte. Also golden-schimmert-die-Fichte.

In der Vergangenheit bedeckte ein golden schimmernder Fichtenwald diese besagte, weiträumige Hochebene. Auch bei schwachem Licht, im Morgengrauen, schimmerte diese Fichtenart golden. Sie kam nur an diesem Ort vor und sonst nirgendwo auf der Welt. Wahrscheinlich brachte die Beschaffenheit des Bodens diese Fichtenart hervor.

Auf dieser Hochebene kam ich zur Welt. Meine Eltern sind Gvozden (bedeutet: der Eiserne; oder englisch: Iron man) und Ruzica (bedeutet: kleine Rose oder Röschen).

Damals war dieses Gebiet gottgegeben und naturbelassen, eine faszinierende Wildnis. Jede Jahreszeit erzeugte eine eigene Faszination. Die Winter waren sehr kalt und der Schnee blieb den ganzen Winter über liegen und es schneite immer wieder, manchmal auch einige Tage fortwährend. Dann bedeckte eine dicke Schneedecke die gesamte Landschaft und auch die Bäume waren mit Eis und Schnee überzogen. Schneeverwehungen türmten sich auf drei Meter und mehr auf. Auch die Häuser, es gab nur einige weit und breit, waren nahezu vollständig zugeschneit. Die Bewohner hatten die zugeschneiten Eingangstüren freizuschaufeln, wenn sie das Haus verlassen wollten.  In klirrend kalten Nächten warfen die Eiskristalle des Schnees das Mondlicht zurück, so dass die ganze Landschaft funkelte und glitzerte. Faszinierende Eisblumen zierten die Fenster. Die dort lebten, lebten im Einklang mit der Natur. Der Winter war diese Weile der Ruhe, in der keine Tätigkeiten verrichtet wurden. Die Vorratskammern für den Wintervorrat waren gut gefüllt, so dass kein Bedarf bestand das Haus zu verlassen – wochenlang.

Hier in Mitteleuropa, in Deutschland, sah ich vor Jahrzehnten das letzte Mal Eisblumen.

Heute ist nur noch die Bezeichnung dieses Gebietes übrig geblieben – Zlatibor. Nicht eine einzige golden schimmernde Fichte ist zu finden. Alles das, was Zlatibor war, ist nicht mehr und die allermeisten haben keine Ahnung warum dieses Gebiet diese Bezeichnung trägt.

Diese fantastische Welt, der ich entstamme, gibt es nicht mehr.

Die, die heutzutage Zlatibor besuchen, tun es nur um in diesem neu geschaffenen Luxusskigebiet Ski zu fahren.

Der Beiname, den ich trage – DINARIN – habe ich von meinem Großvater Ivan über meinen Tata Gvozden geerbt.

Die Bedeutung ist sehr einfach zu erklären. Deda Ivan lebte in der Dinara. Das Flachland (oder besser Low-land) um die Dinara herum war damals sehr schwach besiedelt. Es gab aber dennoch einen Ort, den alle im Umland Ansässigen besuchten, denn dort fand ein reger Tauschhandel statt. Waren aller Art wurden auf diesem alltäglichen Markt verteilt.

Ansonsten gab es in einem großen Gebiet sehr wenige Ansammlungen von Häusern, die nicht einmal als Dorf bezeichnet werden konnten. Zuallermeist waren an solchen Orten Sippen ansässig, die zu einem Stamm gehörten. Die Verschiedenen Stämme, die unterschiedliche Gebiete bewohnten, bildeten das Volk der Serben.

Ich allerdings entstamme nicht dem serbischen Volk. Ich weiß nur um zwei Ahnen – eben Deda Ivan, der später aus gegebenen Anlässen, die ich vielleicht an anderer Stelle erklären werde, Grozni (der schreckliche Ivan) genannt wurde. Der zweite Ahn ist mein Tata Gvozden.

Nun, als mein Deda, ich weiß nicht wann – aber es ist wohl sehr, sehr lang her, aus der Dinara herabstieg, um den Markt zu besuchen, war er den anderen vollständig unbekannt, mithin kannten sie auch seinen Namen nicht. Nur einer hatte beobachtet, dass er von der nahe gelegenen Gebirgskette Dinara herabgestiegen war. So wurde er fortan Dinarin genannt –der Mann aus der Dinara. Später ging dieser Beiname auf meinen Tata und dann auf mich über.

Mithin bin ich der Dritte, letzte und einzige Dinarin. Mein Sohn wird nicht Dinarin werden. Das ist eben meines Dedas Wille und ich verzichte auf weitere Erklärungen.

Es ist ganz einfach – der Beiname Dinarin bezeichnet meine Herkunft und kann von sonst keinem geführt werden.

Im Zeichen des Skorpions, im November des Jahres 1955, kam ich als drittes Kind und erster Sohn meiner Eltern Ruzica und Gvozden zur Welt. Es war ein besonders harter Winter. Das Gebirgsmassiv, das sich über das Hochplateau  von Zlatibor erhebt, war bis zur Baumgrenze von Wäldern bestanden, die man sicher als Urwälder bezeichnen kann. Und selbstverständlich gab es viele Wolfsrudel und auch viele Bären.

Nun, in diesem besonders harten Winter stiegen die Wölfe auf der Suche nach Nahrung bis zur Hochebene von Zlatibor hinab. Das taten sie selten, aber in jenem Jahr war das so.

Unterhalb von Zlatibor, im Tal befand sich eine Luftkurklinik, die, wenn ich mich recht an die Erzählungen dazu erinnere, um das Jahr 1900 erbaut wurde. Es bedarf keiner großen Anstrengung zu erkennen warum, ich erwähne es dennoch. Die ätherischen Öle der golden schimmernden Fichten reicherten die Luft mit heilendem Duft an. Dazu kamen Düfte wild wachsender Heilkräuter und Blumen. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass Patienten tatsächlich geheilt, Zlatibor wieder verließen. Diese Luftkurklinik war nicht mit mitteleuropäischen Kliniken zu vergleichen. Sie war erbaut aus gegebenen Baumaterialien vor Ort, also sehr spartanisch. Es gab keine Einzelzimmer, sondern Schlafsäle in denen 20 Betten standen. Die Aufnahmekapazität war ausrechend groß, so dass der Bedarf fortwährend gedeckt werden konnte. Außer den wenigen Privathäusern auf Zlatibor war dieses Gebäude das einzige, das eine Berechtigung hatte. Alles andere, das in der Folge, im Namen des Mammon und Kommerz dort erbaut wurde, war sinnlose Zerstörung.

Tata Gvozden war in dieser Klinik beschäftigt. Seine Aufgabe war, alles zu beschaffen, was die Klinik benötigte. Von Nahrungsmitteln bis zu Bettdecken und Gabeln. Er hatte viel zu tun und kehrte erst am späten Abend heim.

Wie erwähnt waren in jenem, sehr harten Winter die Wölfe auf Zlatibor. Tata Gvozden schenkte dem keine Beachtung, er hatte keine Angst vor den Wölfen. Mutter und wir drei Kinder waren im Haus und wenn es dunkel wurde, schlichen die Wölfe um das Haus und erhoben ab und an ein Geheule, das Mutter sehr ängstigte. Sie erzählte es Tata Gvozden, der nichts dazu sagte und schon am folgenden Tag kam er früh, am frühen Nachmittag nach Hause.

Und er brachte LERKA mit.

Lerka war eine Alpha-Wolfshündin, die nicht nur ein Rudel, sondern einige Rudel führen konnte. Mutter bereitete für Lerka sofort eine Willkommens-speise zu und kredenzte ihr auch ein Willkommensgetränk. Wo Tata Lerka gefunden hatte, ist mir nicht bekannt. Sie war noch jung, aber bereits erwachsen.

Das war alles, mehr war nicht von Bedarf. Keine ´Hundeschule´, kein ´Hundetraining´, keine ´Hundeerziehung´ und keine ´Machtkämpfe´, um sich den Hund zu unterwerfen. Also nichts von dem Humbug, mit dem in Mitteleuropa tagtäglich Hunde gequält werden.

Nachdem Lerka das Willkommensmahl beendet hatte, sagte Tata nur ´Lerka komm´ und beide gingen hinaus und erkundeten die Umgebung. Lerka sollte ihre neue Heimat kennenlernen.

Tata hätte nicht im Traum daran gedacht Lerka ein Halsband anzulegen. Sie folgte Tata von sich aus bei Fuß. Sie war absolut frei. Sie ging von sich aus irgendwohin, aber es dauerte nicht lange und sie war wieder zurück.

Beide kehrten kurz vor Sonnenuntergang zurück und als es dunkel wurde, war das Geheule der Wölfe in der Ferne schon zu hören.

Dinarin Aleksandar Nikolic“

Fortsetzung folgt

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