Lerka Teil III: Eine wahre Erzählung von Dinarin Aleksandar Nikolic!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic) hat uns die dreiteilige Fortsetzungsserie „Lerka“ geschrieben, deren dritten und somit letzten Teil wir Euch nachstehend zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme auf unsere Homepage gepostet haben.

Wir wünschen gute Unterhaltung beim Lesen.

Für den AK Manni Engelhardt -Koordinator-

„Lerka“

Eine wahre Erzählung des Dinarin Aleksandar Nikolic / Teil III

„Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, verließen wir Zlatibor nach eineinhalb Jahreszyklen nach meiner Geburt und siedelten nach Belgrad über. Für eine Weile wohnten wir bei Tante Anka.

Es war am Morgen eines herrlichen, sonnigen Tages. Es war noch sehr früh und wie immer wollte ich raus und hätte sehr gerne den ganzen Tag, bis zum Sonnenuntergang, draußen verbracht. Aber in der Stadt ging das nicht.

Die Häuserzeile, in der wir bei Tante Anka wohnten, lag an der Hauptstraße aber doch ziemlich weit von der Straße weg. Hinter dieser Häuserzeile befand sich parallel eine zweite Häuserzeile, um einiges von der Ersten entfernt. So war eine große Freifläche  zwischen den Zeilen, grasbewachsen und es standen auch einige Bäumchen auf dieser Fläche. Geradezu eine ideale Spielfläche für Kinder.

An diesem Morgen hatte mich Mutter sehr früh rausgelassen. Ich war ganz allein auf dieser Spielfläche, andere Kinder schliefen wahrscheinlich noch. Ich sah, dass jemand einen Gummiball halbiert hatte, denn eine Hälfte lag da und da es in der Nacht zuvor geregnet hatte, hatte sich frisches Regenwasser in dieser Gummiballhälfte gesammelt. Und dann sah ich auf einmal Lerka kommen. Sie ging zum Ballhälfte und trank das frische Regenwasser. Dann sah sie mich intensiv an, umkreiste mich einige Male und ging.

Hier setzt meine Erinnerung für eine Weile aus.

Zlatibor ist ca. 240 Km von Belgrad entfernt. Für Lerka kein sehr großer Umstand. Sie kam um zu sehen und ging.

Irgendjemand erklärte mir irgendwann, das Wölfinnen ihre Welpen durch das Umkreisen in das Rudel aufnehmen und gleichzeitig anzeigen, dass sie von ihr beschützt werden.

Lerka hatte mich anscheinend an eines Welpen statt angenommen.

Ich weiß, das alles klingt sehr unwahrscheinlich und deswegen war auch ich nicht sicher und ich wusste nicht, ob mich meine Erinnerung trügt, denn das sind erste Erinnerungen, die blaß sind, weil sie tief in der Vergangenheit liegen.

Ich hatte lange zuvor aufgehört meiner Mutter Fragen zum Vergangenen zu stellen. Viele Fragen wollte Mutter einfach nicht beantworten – oder sie sagte irgendetwas Nichtssagendes. Meine Familie hatte mir ohnehin nicht viel erzählt. Aber ich hatte diese Erinnerungen und hätte gerne nur eine Bestätigung gehabt. Ich wagte es dann doch vor drei, vier Jahren meiner Mutter Fragen zu Lerka zu stellen. Mutter hielt sich nicht auf mit langen Erklärungen und sagte zu meinem großen Erstaunen nur einen Satz:

´Ja es stimmt, Lerka war bei uns in Belgrad aber sie konnte nicht bleiben.´

Ich war sehr überrascht zum ersten Mal eine Antwort zu bekommen, die so kurz sie auch ist, eine ganze Reihe Fragen gleichzeitig beantwortet. Wenn Ereignisse schlüssig zu einander stehen, dann sind es Tatsachen und wahr. Wenn also die eine Erinnerung an Lerka wahr ist und auch von Mutter bestätigt wurde, dann sind andere Erinnerungen an Lerka ebenfalls richtig. Diese blassen Erinnerungen wurden durch die Bestätigung meiner Mutter zur Gewissheit und zeichnen sich konkret ab.

Auch meine ältere Schwester, die ja frühere Erinnerungen hat, hat mir erst kürzlich, nach Jahrzehnten, eine zusätzliche Information und eine Bestätigung gegeben.

Um diese Schilderung der Ereignisse aus meiner tiefen Vergangenheit zu Ende zu bringen, nur noch folgendes:

Tata bekam von dem Bekleidungskombinat, für das er nunmehr tätig war, die zugesagte Wohnung. Wir bezogen sie und schon wenige Jahre später verließen wir Serbien.

Um zu zeigen welche Auswirkungen diese geschilderten Ereignisse in der Gegenwart haben, beschreibe ich noch ein Ereignis das ca. drei Jahre zurück liegt.

Damals begleitete ich Mutter zu einem Termin. Sie war sehr gealtert und zur Sicherheit begleitete ich Mutter bei allen Außenaktivitäten. Nun, wir saßen in jenem Raum einander gegenüber. Ich spüre ungute Frequenzen, das ist nicht ungewöhnlich, andere können das ebenfalls und an diesem Nachmittag war das so.

Auf einmal sagte Mutter: ´Sasch´, meine Familie nennt mich Sascha, ´höre auf zu Knurren.´

´Aber wer knurrt denn hier Mama – ich knurre doch nicht´, sagte ich sehr überrascht.

Mutter sagte nichts weiter.

Einen Augenblich später sagte Mutter: ´Lasse es jetzt sein. Hör auf zu Knurren.´

In dem Augenblick wurde mir bewusst – ich hatte geknurrt.

Ich wusste nun – nichts von dem, was Lerka mir beigebracht hatte, war verloren, ich habe es in mir.

Sicher, auch ich habe den Traum, den das Kollektiv träumt, geträumt. Aber jetzt bin ich schon lange wach und bleibe es auch.

Und ich bin sicher, ich werde Lerka wieder sehen, denn Instinkt geht nicht verloren, sie wird kommen.

Dinarin Aleksandar Nikolic“

ENDE

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