Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die Geschichte unter dem Titel: „Und täglich grüßt Caballo“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum Wochenausklang hat uns unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic), wieder eine Story zukommen lassen. Dieses Mal handelt es sich um eine vierteilige Fortsetzungsserie über Reiserinnerungen unter dem Titel „Und täglich grüßt Caballo“.

Den Teil 1 haben wir nachstehend zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme auf unsere Homepage gepostet. Wir wünschen ein entspanntes Lesen.

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

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(Foto aus: www.lama-karawane.de)

Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt die Geschichte „Und täglich grüßt Caballo“

1.Teil

„Werte Leserinnen, werte Leser,

sicherlich ist auch Ihnen das Sprichwort bekannt – Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen -.

Nun, ich habe das in fernen Jahren, als ich einige Reise unternommen habe, tatsächlich erfahren. Der aufmerksame Reisende wird mit Sicherheit einiges sehen und hören, um es später erzählen zu können.

Und tatsächlich schafft die Wirklichkeit auch witzige Ereignisse so, wie nur die Wirklichkeit das kann.

In jenen fernen Jahren war ich mit zwei Mitreisenden auf einer Südamerikareise. Wie wir an diesen Ort kamen, über den ich nachfolgend berichte, habe ich vollständig vergessen. Ich erinnere mich nicht einmal an den Namen dieses Ortes im peruanischen Andenhochland. Meine Erinnerung setzt erst am folgenden Morgen, nach der Ankunft ein.

Ich stand vor dieser Herberge – ich kann es nicht als Hotel bezeichnen – in der wir übernachtet hatten. Ich wollte mir einen Überblick über den Ort verschaffen. Es gab eine Hauptstraße und zu beiden Seiten waren Wohnhäuser und auch Häuser mit Geschäften. Um es kurz und prägnant zu beschreiben – Ich hatte das Gefühl, ich stände in der Filmkulisse eines Westerns. Der einzige Unterschied war, dass dieser Ort auf dem Andenaltiplano (Anden-Hochebene) lag.

Auf Anraten einer deutschen Bank hatte ich die Finanzmittel in ´American Express-Reisechecks´ vor der Abreise getauscht. Mir wurde gesagt, dass diese Checks weltweit akzeptiert werden.

Ich ging also die Straße ab, um zu sehen, ob es eine Möglichkeit gibt, einen Check zu tauschen. Ich brauchte Soles (Peruanische Währung) für die Weiterreise.

Ich sah vor allem in die Geschäfte und ein Geschäft, in dessen Auslage zu meiner großen Überraschung drei, vier Elektronikartikel angeboten wurden, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich hatte ja bereits beide Straßenseiten begangen, um vielleicht doch eine Bank zu finden, die ich selbstverständlich nicht fand. Ja, es war vermessen, auch nur zu denken, an diesem rückständigen Ort, jenseits aller Zivilisation und sehr hoch auf der Andenhochebene gelegen, könnte es eine Bank geben. Und wenn es sie denn gäbe, bezweifelte ich, dass sie mit einem internationalen Check etwas anfangen könnte.

Ich betrat also das Geschäft und staunte- nein ich staunte nicht, ich erschrak geradezu. Die Regale an den Wänden des Geschäftes waren prall gefüllt mit den modernsten Elektronikartikeln. Diese drei, vier Artikel in der Auslage hatten mich schon verblüfft, geschweige dieser Anblick im Laden.

Aber ich war auch froh, denn vielleicht würde mir dieser Geschäftsmann den Check eintauschen können. Es war eindeutig zu erkennen, dass dieser Segnor Nachfahre der Ureinwohner war.

Wir begrüßten einander. Ich sprach damals noch nicht genug Spanisch, übte aber jeden Tag und so versuchte ich mein Anliegen auf Spanisch darzustellen. Der Segnor hörte höflich zu, verstand nicht genau und fragte mich: ´Do you speek english?´

Innerlich verbot ich mir jegliches Überrascht-sein und jegliches Staunen. Nun, die Konversation auf Englisch war kurz. Er sagte, er würde den Check nicht eintauschen können. Ich solle doch zur Bank gehen.

Ja selbstverständlich geht man mit einem Check zur Bank, wie komme ich auf so absurde Gedanken bei einem privaten Geschäftsmann nachzufragen. Da ich aber bereits beide Straßenseiten begangen hatte und keine Bank zu sehen war, dachte ich – dieser seriöse Segnor kann nur an eine Bank an irgendeinem anderen Ort gedacht haben.

Ich verabschiedete mich und verließ dieses Elektronik-Fachgeschäft. Gleichzeitig wechselte ich von der modernen Welt in die sehr rückständige Welt.

Etwas abwesend sah ich zum Horizont und sah eine Lama – Karawane vorbeiziehen. Indios führten sie. Den Lamas waren Lasten aufgebunden. Mit Sicherheit war sie auf dem Weg zu einem weit abgelegenen Handelsplatz. – Jawohl, so gehört sich das. – dachte ich noch, konzentrierte dann aber meine Aufmerksamkeit auf die Lösung des Check-Problems.

Ich hatte mich entschlossen, dem nächsten Passanten nur eine kurze, knappe und eindeutige Frage zu stellen, ohne große Erklärungsversuche. Ein Mann mit bronzefarbener Haut kam mir entgegen und ich fragte knapp: ´Wo ist die Bank?´ Ebenso knapp antwortete er: ´Dort´, und wies mit seiner rechten Hand auf die gegenüber liegende Straßenseite und ging weiter.

Ich sah aber keine Anzeichen für eine Bank, wechselte die Straßenseite, Straßen verkehr gab es nicht, um der gewiesenen Richtung zu folgen. Dort betrachtete ich die Häuser genau – und tatsächlich stand ich auf einmal vor einem Gebäude, an dessen Wand, über der Eingangstür ein rundes Schild angebracht war. Es war zu lesen, dass dort eine Filiale der peruanischen Nationalbank sei. Diese Nationalbank war selbstverständlich auf dem internationalen Parkett vertreten. Das hatte ich gar nicht erwartet.

Ich betrat die Bank, legte der jungen Dame am Schalter den Check vor. Problemlos bekam ich den Gegenwert in Soles. Somit war die Weiterreise gesichert und ich kehrte zu den beiden Reisegefährten zurück.

Unser Reiseziel war die Stadt Trujillo,  im Norden Perus. An diesem Ort wollten wir uns nicht lange aufhalten und gleich nach dem Frühstück wollten wir eine Abreisemöglichkeit Richtung Norden finden. Das Restaurant, in dem wir saßen, war nur mit Tischen und Stühlen eingerichtet. Die verschiedenartigen Stühle hatten alle nur ein gleiches Merkmal – der Lack war abgeblättert. Der Gastraum war nach vorne, zur Straßenseite offen. Aber er konnte auch mit Schiebetüren verschlossen werden.

Das Frühstück war sehr preiswert aber dafür hervorragend.

Wir verließen das Lokal und hatten vereinbart, den nächstbesten zu fragen, welche Möglichkeiten es für eine Weiterreise gibt. Dieser Passant, ein Mann mit bronzefarbenem Gesicht, hörte aufmerksam unser Anliegen und sagte: ´Die beste Möglichkeit nach Trujillo zu kommen, ist zu fliegen. Düsenmaschinen der peruanischen Airline steuern den Flughafen an und fliegen dann nach Trujillo weiter.´ Einer der beiden Gefährten fragte, wo denn dieser Flughafen sei und der Indio wies mit seiner rechten Hand lediglich nach vorne, geradeaus. Und wie sei dieser Flughafen zu erreichen, wollte der Reisegefährte wissen. Der Indio sagte nur: ´zu Fuß´ und ging weiter.

Wir blieben sehr verblüfft zurück.

Sicher, mit einem Flieger Trujillo zu erreichen, wäre die beste und bequemste Möglichkeit, dachte ich, sah nach vorne, in die gewiesene Richtung und sah nicht einmal im Ansatz irgendetwas, was einen Flugplatz auch nur andeuten könnte.

Wir alle Drei waren überzeugt, ein Witzbold habe sich mit uns einen Scherz erlaubt. Zugegeben, gerade zuvor hatte ich in diesem Nest ein unvermutetes Elektronik-Fachgeschäft entdeckt, eine unvermutete Filiale einer international agierenden Bank und jetzt soll an diesem sehr abgelegenen Barackendorf, ein Flughafen sein und es sollen sogar Düsenjets landen? Das wäre dann ein internationaler Flughafen. Das kann doch nur ein Scherz sein.

Auf einmal brüllte ich geradezu vor Lachen. Die beiden Gefährten sahen mich fragend an und ich erklärte: ´Ja, er hat sich einen Scherz mit uns erlaubt aber der Scherz ist sehr, sehr gut.´

Trotzdem gingen wir weiter, um zu sehen ob wir nicht eine Transfermöglichkeit nach Norden finden könnten. Während dessen hatte ich noch zwei, drei Mal einen Lachanfall.

Dinarin Aleksandar Nikolic“

Fortsetzung folgt

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