Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt Teil 3 seiner Geschichte unter dem Titel: „Und täglich grüßt Caballo“:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinarin Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic), hat uns heuten den Teil 3 seiner Geschichte „Und täglich grüßt Caballo“ (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=caballo) zukommen lassen.

Sicherlich haben einige von Euch schon darauf gewartet. Nachstehend haben wir den Teil 3 zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme auf unsere Homepage gepostet.

Den Teil 4 werden wir dann als Schlussteil am morgigen Sonntag für Euch posten.

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt den Teil 3 seiner Geschichte unter dem Titel „Und täglich grüßt Caballo“:

„Ich dachte – wie kann so etwas sein, das kann nicht wahr sein – aber ich sah es.

Ich sah also, dass ein Fluglotse auf einem Flugplatz (kein Flughafen) mit einem Caballo (Pferdchen) Verstecken und Nachlaufen in einem spielte. Dabei fordert Caballo immer zum Vergleich heraus. Ein super kluges und provokantes Caballo.

Der Fluglotse war hinter dem Gebäude versteckt. Das Caballo stand vor dem Gebäude, in einiger Entfernung.

Ich vermag nicht zu sagen, ob das Caballo nicht innerlich gewiehert hat vor Lachen. Es gibt ja viele Merkwürdigkeiten.

Überraschend galoppierte Caballo nicht los, sondern trabte mit hochgerecktem Kopf auf die gegenüber liegende Seite der Bahn und erst dann galoppierte es einfach sehr schnell davon und war bald nicht mehr zu sehen.

Der Lotse sprang erneut schreiend und wild gestikulierend hervor. Caballo war nirgends zu sehen. Er ging noch zweimal um das Gebäude, um sich zu überzeugen, dass das Spiel für diesen Tag beendet war bis zum kommenden Tag.

Er kehrte zurück zu seinem Lotsenplatz zwar grässlich fluchend, aber als ob das Geschehnis nichts Ungewöhnliches sei.

Caballo hatte an diesem Tag seine Aufgabe, den Lotsen maßlos und bis zur Weißglut zu ärgern, tatsächlich erfüllt und hatte keine Lust mehr. Bis zum folgenden Tag.

Ich setzte mich wieder an den Tisch auf der Veranda, die beiden Reisegefährten ebenfalls.

Ich dachte, dieser Ort ist ein Ort, an dem merkwürdige, ungewöhnliche  Dinge geschehen. Hier ist der Ort an dem Ungewöhnliches gewöhnlich ist und Merkwürdiges Selbstverständlich ist.

Ich war voller Erwartung für die nächste ungewöhnliche Überraschung.

Wir saßen auf der Veranda, mittlerweile war es Nachmittag und sehr heiß. Ich ging, um erneut Getränke zu holen, aber es gab keine mehr. Ich erfuhr, wir hätten den gesamten Vorrat aufgebraucht. Es blieb nichts anderes übrig, als durstig auf den Flieger zu warten.

Dann endlich, am späten Nachmittag erfuhren wir, der Flieger würde in Kürze landen.

Der Fluglotse kam heraus, ging zu einem Schuppen und zog eine Handkarre hervor. Darauf lagen schwarz-braune zylinderförmige Gegenstände. Der Lotse zog die Karre in Richtung der Landebahn. Ich dachte –noch eine Merkwürdigkeit- und folgte ihm, um zu sehen, worum es geht. Zuvor hatte ich schon gesehen, dass zu beiden Seiten der Landebahn Metallzylinder in gleichmäßigen Abständen standen. Jetzt setzte der Lotse diese schwarzbraunen Objekte in die Metallzylinder ein und entzündete sie mit einem langen Feuerzeug.

Mir wurde klar – es ist die Landebahnbeleuchtung. Ich dachte – hier, am Ort der Merkwürdigkeiten, wäre es geradezu vermessen, zu erwarten, dass die Landebahn nicht, mit zwar großen – aber dennoch Kerzen, beleuchtet würde.

Dann war es endlich soweit. Der Fluglotse teilte uns mit, der Flieger sei im Anflug, wir sollen ihm nach vorne folgen, auf die der Bahn zugewandten Seite.

Wie jeder, weiß auch ich, dass Flugzeuge sehr groß sein können. Allerdings ist es ein Unterschied ob man das nur weiß oder so ein Flugzeug im Anflug sieht.

Und ich sah diesen Riesendüsenjet mit einer riesigen Flügelspannweite im Anflug, begleitet von einem Höllenlärm. Als ob das nicht genug wäre, brüllten die Triebwerke auch noch zusätzlich infernalisch auf.

Ach was – dachte ich – ein kleiner Privatjet an diesem Ort wäre geradezu unverschämt.

Der Riesenvogel setzte auf, Staubfontänen schossen hoch und ein Kreischen und Quietschen war zu hören.

Es war zu hören und zu sehen, dass der Pilot den Flieger, wegen der kurzen Landebahn bremste, was das Zeug hielt. Das Flugzeug neigte die Nase nach tief unten, während das Heck hoch ging. Als der Jet zum Stehen kam, wippte er einige Male vorwärts-rückwärts und stand dann still.

Dieser Ort, weit abgelegen, auf großer Höhe im Andenhochland, sieht aus wie eine Stadt aus einem Western. Im gesamten Ort gab es keinen Straßenverkehr. Mit Ausnahme von drei, vier geparkten amerikanischen Autos aus den 50-ern, war kein weiteres Kraftfahrzeug zu sehen. Ein Elektronik-Fachgeschäft, das keinen Vergleich mit westlichen Fachgeschäften zu scheuen brauchte, war wie selbstverständlich auch vor Ort. Und ich konnte sogar in einer unvermutet vorhandenen Bank, die sogar international agiert, Reisechecks in Landeswährung tauschen. Dass am Horizont von Indios geführte Lama-Karawanen vorbeiziehen, gehört dazu. Dann hat der Ort einen mickrigen Flugplatz, von dem aus Flughäfen auf dem ganzen blauen Planeten zu erreichen sind, weil dort Riesenjets landen. Nur nach Bedarf selbstverständlich, wenn Passagiere da sind. Dann gibt es dort auch noch superkluge Pferde und eins davon ärgert und terrorisiert den Fluglotsen mindestens einmal täglich, bis zur Weißglut.

Eine Inszenierung vor Ort, wie Hollywood sie nicht schaffen könnte. Verschiedene Gestaltungselemente aus Genres von Komödie über Katastrophenfilm bis zum Endzeitdrama, waren zu einem Tagesgeschehen kombiniert. Allerdings nur von den Aufmerksamen zu erkennen.

Ich vermutete, dass es sicherlich noch die eine oder andere Merkwürdigkeit geben wird. Und es sollte sein.

Der Fluglotse schob einen sehr rostigen Treppenaufstieg an den ersten Einstieg am Flugzeug, der sich direkt hinter dem Cockpit befand.

Kein Passagier stieg aus und wir drei waren die einzigen, die einsteigen wollten.

Wir nahmen unser Gepäck auf, bestiegen den Flieger und bekamen Plätze in einer der vorderen Reihen zugewiesen. Von meinem Platz aus konnte ich direkt ins Cockpit sehen, denn die Tür war geöffnet und eingehackt. Der Pilot, der uns beim Einstieg mit einem breiten Grinsen begrüßt hatte, grinste immer noch breit. Er hatte etwas schelmisches, so als wäre er jeder Zeit bereit, einen Streich zu spielen. Sein Aussehen und seine bronzefarbene Haut ließen eindeutig erkennen, dass er Nachkomme der Ureinwohner war. Aber er strahlte auch Souveränität aus und gerade deswegen war zu erkennen, dass er in seinem Job sehr fähig war.

Es bestand kein Anlass, weiter in diesem Nest zu verweilen.

Sobald der Einstieg verschlossen war, wendete der Pilot dem Passagierraum den Rücken zu. Die Cockpittür blieb offen, so konnte ich den Piloten beobachten. Dieser wendete den Vogel, der am Ende der Landebahn stand, um diese jetzt als Startbahn zu nutzen. Er ließ die Düsen aufheulen, dass einem angst und bange wurde. Anscheinend brauchte er den vollen Schub, um von dieser kurzen Bahn starten zu können. Als er dann die Bremsen löste, schoss der Vogel geradezu aus dem Stand über die Schotterbahn. Dass das Rumpeln des Fahrwerks über den Schotter, den Flieger und Alle an Bord befindlichen, durchschüttelte, wie ich es bis dahin nicht erlebt habe, lässt sich nachvollziehen. Ich sah zu unserem Flugkapitän, der auf seinem Pilotensitz zu allen Seiten gerüttelt wurde. Er lenkte den Flieger mit vollem Körpereinsatz. Er warf sich ein wenig nach links dann nach rechts, die Steuerung fest in den Händen, um sich dann nach hinten zu werfen. Dabei stützte er sich mit dem rechten Fuß an der Verkleidung der Mittelkonsole ab, zerrte an der Steuerung und zog den Flieger in einer unangenehm steilen Kurve hoch.

Während dessen war im Passagierraum nicht ein Wort zu hören. Die Angst, die Alle erfasst hatte, war geradezu deutlich zu spüren. Ich sah zu meinen Reisekollegen und sah in kreideblasse Gesichter .Andere Passagiere versuchten durch Atemübungen, die aufkommende Panik zu verhindern. Ich kann nur sagen, dieser Start war geeignet, sensible Menschen zu traumatisieren, die nach so einem Start nie wieder ein Flugzeugt bestiegen hätten. Jedem wurde angst und bange.

Jedem? Nein, ich bin sicher, unser Flugkapitän hatte während diesem Start, ein noch breiteres Grinsen als gewöhnlich und hätte mit Sicherheit so etwas wie Yehhhhhhhhhhh… geschrien, wenn es nicht unangebracht gewesen wäre.

Dinarin Aleksandar Nikolic“

Fortsetzung folgt

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