Dinarin Aleksandar Nikolic erzählt sein Wort zum Sonntag und den Schlussteil der Story „Und täglich grüßt Caballo“!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis- (AK-) Mitglied, der Schriftsteller Dinarin  Aleksandar Nikolic (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=dinarin+aleksandar+nikolic), hat uns sein Wort zum Sonntag und den Teil 4 seiner Story unter dem Titel „Und täglich grüßt Caballo“ zukommen lassern. Nacheinander haben wir beides hier zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme auf unsere Homepage gepostet.

Für den AK Manni Engelhardt -Koordinator-

Dinarin Aleksandar Nikolic:

„Mein Wort zum Sonntag

Vor einer gewissen Weile war in allen Medien, tagtäglich mehrmals, der Begriff
´Arabischer Frühling´ zu hören und zu lesen.
Jetzt ist Frühling, zugegeben ein Frühling mit extremen Wetterereignissen, wie
heftige Gewitter, Überschwemmungen oder grauen Tagen wegen einer dichten
grauen Wolkendecke.
Aber es gibt auch herrliche, sonnige Tage mit blauem Himmel und lauen
Frühlingstemperaturen.
Nach langem Winterschlaf erwacht die Natur und reinigt sich mit heftigem
Gewitterregen.
Die Knospen an den Bäumen erblühen, Frühlingsblumen sprießen und saftige
grüne Wiesen bedecken erneut weite Gebiete. Und tatsächlich gibt es so etwas
immer noch, allerdings nicht in diesen sogenannten Ballungsräumen, diesen
Großstädten, wo der Mensch seiner Zerstörungswut freien Lauf gelassen hat.
Das jedoch ist ein anderes Thema.
Werte Leserinnen und Leser, ich wüsste gerne, welcher böse, sarkastische
Mensch den Begriff Arabischer Frühling´ für die Geschehnisse in Arabien
prägte und wie es möglich war, dass dieser Begriff geradezu um die Welt ging.
Soeben habe ich den Frühling und Frühlingsgeschehnisse beschrieben. Und was
geschieht in Arabien?
Bomben zerreißen Kinder, Alte – eigentlich Alle und in Arabien sind Alle extrem
gefährdet.
Und auch ganz Afrika haben die Herrscher aus der Finsternis mit Krieg
überzogen. Das ist deutlich an der Anzahl der Flüchtlinge zu erkennen.
Den Begriff – Arabischer Frühling – hat, wie bereits gesagt, ein böser
sarkastischer Mensch geprägt. Ich würde gerne mit diesem bösen Menschen
sprechen, um ihm die eigene Boshaftigkeit vor Augen zu führen.
Werte Leserinnen und Leser, sollt ihnen dieser Mensch bekannt sein, seien sie
so nett und informieren mich, damit ich diesem ein Gesprächsangebot
unterbreiten kann.
Ich wünsche ihnen einen angenehmen Sonntag.
Dinarin Aleksandar
immer im Zeichen der Wahrheit“
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 „Und täglich grüßt Caballo!“
4. Teil der Erzählung des Dinarin Aleksandar Nikolic
„Ich bin absolut sicher – um die Herausforderungen dieses Flugplatzes zu meistern,
sind besondere Fähigkeiten nötig, die nicht erlernt werden können. Ebenso sicher bin
ich, dass Piloten anderer Fluggesellschaften sich geweigert hätten, über die
gegebenen Zustände an diesem Flugplatz auch nur ein Wort zu verlieren,
geschweige denn diesen Flugplatz anzufliegen.
In diesem Teil der Welt, in dem ungewöhnliches gewöhnlich ist, erreichten wir die
Flughöhe ungewöhnlich schnell und das in einer nahezu liegenden Position, in der
unsere Fußspitzen fast auf unserer Augenhöhe waren.
Der Kapitän schaute kurz über die Schulter in den Passagierraum und ich sah, dass
er immer noch dieses schelmische, breite Grinsen hatte. Er verkündete dann diese
Daten, Flughöhe, Außentemperatur usw. und sagte, dass wir bis Trujillo bestes
Flugwetter haben werden und es ein sehr ruhiger und angenehmer Flug werden
wird.
Nachdem wir die Flughöhe erreicht hatten, war es tatsächlich sehr ruhig geworden,
die Flugbegleiterinnen verteilten Bon-Bons und langsam ebbte die deutlich spürbare
Spannung ab.
Ja, dachte ich, dieser Start in nahezu liegender Position, bei der die eigenen
Fußspitzen fast auf der eigenen Augenhöhe waren, würde mit Sicherheit
Adrenalinjunkies, die ihren Kick in Vergnügungsparks suchen, einen größeren Kick
bescheren, schon allein deswegen, weil es weder eine Sicherheitsleine, noch ein
Sicherheitsnetz gab. Ungewöhnlich war auch der fortwährend grinsende Kapitän, der
ein wahrer Könner am Steuer war. Das waren die Merkwürdigkeiten, die ich erwartet
hatte.
Der heiße Nachmittag, ohne Getränke hat uns Durst beschert und wir bestellten
sofort Getränke.
Ich entzündete eine Zigarette und dachte – wir fliegen dieser Sphäre davon. Dieser
Sphäre, in der das ungewöhnliche gewöhnlich ist und in der das Merkwürdige keine
Normalität zulässt. Und ich bedauerte, dass wir diesen Ort verließen, denn es war
tatsächlich faszinierend.
Wir saßen nun im Flugzeug und ein Flug ist standarisiert. Was könnte
ungewöhnliches noch vorkommen?
Gerade als ich diesen Gedanken dachte, sah ich eine der Flugbegleiterinnen an mir
vorbeigehen. Sehr ungewöhnlich, dachte ich, denn sie hatte die Kopfbedeckung, die
zur Airline-Uniform gehörte und streng und dezent war, gegen einen großen,
ausladenden, farbenfrohen Hut im amerikanischen Stiel der 50-er getauscht. Auch
bewegte sie sich ganz anders, irgendwie schwingend und akzentuiert.
Was geht hier jetzt auf einmal merkwürdiges vor? – dachte ich, als ich noch eine
zweite und eine dritte Stewardess sah, die Hüte, die in verschiedenen Formen und
Farben gestaltet waren, aufgesetzt hatten. Zwei weitere hatten auch noch
Seidenschals, von bester Machart angelegt und trugen auch noch weiße und
schwarze Handschuhe aus Spitze.
Als dann diese sehr hübschen, jungen Damen über den Mittelgang geradezu
schwebten, wusste ich, wir bekommen eine Modenschau geboten, bei der neuste
Hutkreationen und modische Accessoires präsentiert werden. Die Damen hatten den
Mittelgang des Passagierraums zum Catwalk gewandelt und dann wurden auch noch
verschiedene Damen-Jäckchen präsentiert. Wieso und warum, sollte ich später
wissen.
Es war vollkommen klar, die Flugbegleiterinnen hatten die Aufmerksamkeit Aller auf
sich gezogen, allerdings aus verschiedenen Gründen. Während die Damen die
Modeartikel sehr interessierten und sie hier und da miteinander kommentierten,
interessierten die Herren nur die sehr hübschen, jungen Damen, auch wenn sie ihren
Gattinnen vorgaukelten, sie hätten Interesse an Mode. Die Mode, da bin ich sicher,
hatten sie nicht einmal bemerkt.
Ich sah zu unserem Kapitän – und wie hätte es anders sein können, er war breit
grinsend (wie denn sonst) zum Passagierraum gewendet. Sicher hat er den
Autopiloten aktiviert und sah sich die Show an.
Nur nebenbei – mir war aufgefallen, dass er der einzige Pilot an Bord war. Es gab
keinen Copiloten. Merkwürdig.
Die Show war in vollem Gang, die Damen liefen über den Mittelgang, jetzt Catwalk,
aus dem rückwertigem Bereich, bis sie kurz vor dem Cockpit eine elegante, weiblich
akzentuierte Wendung vornahmen, um wieder in den rückwertigen Bereich zu
schreiten.
Ich sah mir den Piloten unauffällig an. Während die sehr hübschen Damen auf ihn
zukamen, sah er ihnen ins Gesicht und hatte den Ausdruck eines, grinsenden
Unschuldslamms, mit Dackelaugen. Nach der Drehung der Damen, in unmittelbarer
Nähe des Cockpits, wurden die Dackelaugen zu leicht angedeuteten Schlitzaugen.
Jetzt maß er die Damen von Oben nach Unten ab und sein Grinsen wurde noch
breiter.
Ich fand diesen Mann amüsant. Er war ein wahrer, wahrhaftiger, richtiger Mann, ein
seltenes Exemplar. Er sah zweifellos gut aus, hatte markante, männliche
Gesichtszüge und sein Gebiss strahlte, durch seine bronzene Gesichtsfarbe
untermalt, sehr weiß. Er strahlte Männlichkeit aus. Ich schätzte sein Alter auf Mitte
dreißig und wunderte mich, dass er in diesem Alter bereits Flugkapitän war.
Dann ließ ich meinen Blick etwas umherschweifen. Aus Erfahrung wusste ich, dass
ich den Eindruck erwecke, unaufmerksam zu sein und nichts zu erkennen, aber es
ist dennoch das Gegenteil der Fall. So bemerkte ich zwei Herren, die nicht wie die
anderen Herren, die Stewardessen ansahen, sondern etwas verstohlen und
verschämt, unseren Kapitän verzückt betrachteten.
Nun gut dachte ich, diese Show bietet allen Passagieren Unterhaltung.
Ich durchdachte das Scenario und dann wusste ich, die Damen präsentierten
Modeartikel und verkauften sie an Passagiere auf diesen Inlandsflügen, um ihr
wahrscheinlich nicht gerade üppiges Gehalt aufzubessern. Auch das Flugzeug war
ein duty-free-Raum, und die Passagiere konnten zu günstigen Preisen hochpreisige
Mode kaufen.
Werte Leserinnen und Leser. Können sie sich so etwas bei der Lufthansa oder
anderen Fluggesellschaften vorstellen?
Nach einem tatsächlich ruhigen und angenehmen Flug und einer ebensolchen
Landung, erreichten wir Trujillo. Schelmisch, breit grinsend, wie denn auch sonst,
verabschiedete uns der Kapitän und ich dachte – ob der auch im Schlaf schelmisch,
breit grinst? Aber verstehen sie mich nicht falsch – ich mochte ihn.
Am Flughafen bestiegen wir ein Collektivo, ein Sammeltaxi. Diese Collektivos sind
zumeist amerikanische Straßenkreuzer aus den 50-60-er Jahren. In diese Schlitten
können sich 10-12 Personen quetschen. So wie damals Autos gebaut wurden, haben
die meisten eine durchgehende Sitzbank auch vorne. Der Fahrpreis war immer
gleich, egal wie weit jemand fuhr, aber dafür war er sehr niedrig. Umgerechnet in
DM, betrug er 10 Pfennig. Der Taxifahrer fuhr nur eine Strecke und immer die
gleiche, Flughafen bis Centrum und zurück, zum Beispiel. Jeder konnte an jeder
Ecke aus- und einsteigen. Die Anordnung Peruanischer Städte, die in der Zeit der
Conquista gegründet wurden, ist im Wesentlichen gleich. Quadratisch und von
geraden Straßen, von Westen nach Osten, von Norden nach Süden und umgekehrt
durchzogen. Das begünstigt diese Personenbeförderungsart.
Der Andrang war groß, als wir ins Collektivo stiegen und ich bekam zu meiner Linken
eine elegant gepolsterte Indio-Dame, die mich mit ihrer Körperfülle ein wenig unter
sich begrub, zumindest meine linke Seite. Der Taxifahrer war, deutlich zu erkennen,
ein Nachkomme der Ureinwohner. Neben ihm, auf der vorderen Sitzbank hatten sich
ebenfalls Mitfahrer reingequetscht, bis es nicht mehr ging. Für ihn blieb nicht so viel
Platz. Er hatte das Fenster auf der Fahrerseite geöffnet, hing zur Hälfte aus dem
Fenster und steuerte das Taxi nur mit einer Hand. Dafür aber sehr souverän.
Es war heiß, die Luft war stickig. Es war geradezu eine Erlösung, als wir den
zentralen Platz in Trujillo, den ´Plaza de Armas´ erreichten und aussteigen konnten.
Wir wollten einige Tage in dieser Stadt verweilen, um dann nach Quito, der
Hauptstadt Ecuadors, zu reisen.
Wir stiegen im ersten Hotel, das wir auf der Plaza sahen, ab.
Ich fiel, doch angestrengt ins Bett, dachte noch – wenn einer eine Reise tut … und
schlief sofort ein.
Dinarin Aleksandar Nikolic“
ENDE
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