Offener Brief aus der Türkei an die Völker der Welt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

als Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis (AK) haben wir zu Erdogan, dem Putschversuch und den Folgen in der Türkei breit berichtet, wie Ihr es durch das Anklicken der nachstehenden Links aufrufen könnt:

http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=erdogan

und

http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=t%C3%BCrkei !

Zum Themenkomplex erhalten wir soeben seitens des Kollegen Fred Maintz (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=fred+maintz) einen offenen Brief der Türkischen Kommunistischen Partei über die Einschätzung der Situation.

Diesen offenen Brief haben wir nachstehend zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme in unzensierter und ungekürzter Fassung auf unsere Homepage gepostet. Mag sich jede/jeder dazu seine eigene Meinung bilden.

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

Offener Brief aus der Türkei an die Völker der Welt:

„In der Nacht vom 15. Juli erlebten wir einen Putschversuch in der Türkei.
Trotz aller Kuriositäten, dunklen Seiten, Unklarheit über seinen
Initiatoren und den Widersprüchen in den Aussagen der Tatverdächtigen, war
dies ein realer Putschversuch.

Dass Fethullah Gülen, dessen weit verzweigte Verbindungen innerhalb der
USA-Regierung bekannt sind, hinter den Putschisten stand, ist unumstritten.
Darüber hinaus kristallisieren sich einige Indizien heraus, die zum
Pentagon und zur CIA führen.

Es ist im Interesse unseres Volkes, dass dieser Putsch erfolglos geblieben
ist. Wäre er erfolgreich gewesen, sähen sich die werktätigen Massen, die
bereits unter allerlei denkbaren Problemen des kapitalistischen Systems
leiden, vor schwereren und zerstörerischen Bedingungen gestellt. Dass die
Putschisten eine NATO-treue, islamistische Weltanschauung pflegen; dass sie
sowohl selbst eine enorme Kapitalmacht darstellen wie auch seit mehreren
Dekaden den Zielen von internationalen Monopolen dienen, darf nicht
vergessen werden.

Ein anderer Punkt, der nicht in Vergessenheit geraten darf, ist die
Tatsache, dass Fethullan Gülen als Kämpfer im „Verein des Kampfes gegen
Kommunismus“ auf die politische Bühne getreten ist. Die Gründung dieses
Vereins wurde in den 1960er Jahren von der CIA initiiert. Das interessante
und bittere an dem Ganzen ist die gemeinsame ideologische wie
politische Wurzeln der Putschisten und ihrem Hauptziel, dem Erdogan. Islamismus,
Anti-Kommunismus und Verbundenheit zur kapitalistischen Klasse
charakterisieren auch Erdogan und auch er übernahm genauso wie Fethullah Gülen
eine wichtige Rolle in den Nahost-Plänen vor allem der USA.

Die Spannungen zwischen Erdogan und den USA sowie manchen europäischen Ländern
basieren auf mehrere Gründe. Vordergründig kann man den Misserfolg in
Syrien, Erdogan´s Aufheizung der Spannungen in der Türkei, seine
Unkontrollierbarkeit sowie den breiten Spielraum, den er sich auch mit der
Unterstützung seiner Wählerschaft verschaffen konnte, benennen. Nun werden
diese Spannungen ein Teil des Kampfes zwischen Russland und der USA sowie
ihren Verbündeten, hinter dem eine tiefe ökonomische wie politische
Konkurrenzsituation steht.

Die Putin-Regierung nähert sich dem Erdogan und seinen Freunden, die sich
in einem Überlebenskampf befinden und sowohl innen- wie auch außenpolitisch
immer mehr isoliert sind, mit Zuckerbrot und Peitsche und ermuntern sie zum
Austritt aus der NATO oder zumindest zur Distanzierung von ihrer
Belagerungspolitik gegenüber Russland.

Eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Regierungsmitgliedern beschuldigen
die USA sowie EU mit harten Worten und fordern offen: „Wir müssen mit
Russland kooperieren“. Sicherlich ist dies zurzeit nicht die Wahl der
türkischen Bourgeoisie, sondern ein Resultat der Suche der regierenden, von Angst
getriebenen Clique nach einem sicheren Hafen.

Die Beseitigung der ökonomischen, politischen, und militärischen
Beziehungen der Türkei insbesondere mit den USA und Deutschland sind nur durch eine sozialistische
Revolution möglich.

Ein Richtungswechsel innerhalb des heutigen Systems erhöht die
Wahrscheinlichkeit von Chaos, Konflikt sowie Bürgerkrieg und Krieg.

Die aktuellen Entwicklungen weisen auf ein zähes Feilschen zwischen der
jetzigen Regierung und den USA sowie der EU. Die türkische Bourgeoisie
ergreift in dieser Phase immer mehr die Initiative und die systemkonforme
Opposition übernimmt die Rolle eines Vermittlers.

Andererseits ist die Türkei in eine Entwicklung geraten, in der das Recht
außer Kraft gesetzt ist und in der die Entscheidungen sowie die Rekonstruktion des Staates allein in der Hand einer kleinen, regierenden Clique sich befinden. Von den angeblich auf die Putschisten begrenzten Verhaftungen und Suspendierungen werden –auch wenn es noch nicht eine größere Dimension erreicht hat- immer mehr die fortschrittlichen-, revolutionären-, kommunistischen Kreise betroffen, die seit Jahren gegen die Gülen-Sekte und ähnlichen
islamistischen Organisationen gekämpft haben.

Unter diesen Umständen appelliert die Kommunistische Partei (Türkei) an die
Völker, die Organisationen der Arbeiterklassen, die revolutionäre und die
kommunistischen Kräfte der Welt:

1. Ihr müsst euch weder an die Seite von dem gescheiterten Putschisten
Fethullah Gülen, noch an die der jetzigen Regierung stellen. Die
Putschisten haben einen blutigen, verräterischen und hinterhältigen Plan
umgesetzt. Die jetzige Regierung ist eng mit diesen Putschisten verwandt und
sie tyrannisierte jahrelang gemeinsam mit ihnen unser Volk. Die, mit denen
ihr euch solidarisieren solltet, sind die Abermillionen von Werktätigen,
die unter der kapitalistischen Ausbeutung leiden, sowie deren politische
Vertreter.

2. Die von den internationalen Medien fortwährend geführte Debatte darüber,
ob dies ein realer Putschversuch war oder nicht, ist eine Falle, in die wir
nicht tappen sollten. Es sollte mehr über die Nuklearwaffen in der Militärbasis
Incirlik; die verdeckten Operationen der NATO; über das Wie und in wessen
Auftrag Gülen das finstere, dem kapitalistischen Klasse dienende Netzwerk
in etwa 100 Ländern aufbauen konnte; über die gewinnbringende Bande
zwischen dem islamistischen Erdogan und den ´säkularen´ Europäern; über den
Ausverkauf von öffentlichen Ressourcen an die internationalen Monopole und über
die unbarmherzige Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie der
Werktätigen
debattiert werden.

3. Man muss gegen jegliche Einmischung der imperialistischen Zentren und
jedem Versuch von bunten Revolutionen sein, auch wenn diese gegen eine
völkerfeindliche
Regierung gerichtet zu sein scheint. Es gibt keine guten Kapitalisten und bösen
Kapitalisten. Die Unaufrichtigkeit der Deklarationen von der NATO und der
EU, in denen ihre Sorge um die Freiheiten und die Demokratie in der Türkei
zur Sprache kommen, ist offensichtlich. Die gesellschaftliche Befreiung in der
Türkei wird das Werk des werktätigen Volkes sein.

4. Genauso unrichtig ist die Betrachtung von Putins Russland als ein
Retter. Das Verhalten der Russischen Föderation gegenüber der Türkei ist
eine durchaus pragmatische und es orientiert sich an den Interessen der
russischen herrschenden Klassen. Putin, der vor einem Jahr Erdogan über allem
lobte, erklärte ihn nach Abschuss eines russischen Kampfjets
zwischenzeitlich zum Kriegsverbrecher, überreichte sogar den Vereinigten
Nationen eine Mappe voller Beweismittel gegen ihn. Die Liebe zwischen Putin
und Erdogan war einige Wochen vor dem Putschversuch wieder aufgeflammt. Die
Zukunft unseres Landes werden wir nicht dem Konkurrenz- und Ausgleichskampf
innerhalb des imperialistischen, kapitalistischen Systems überlassen.

5. ´Gemäßigter Islam´ ist ein von den USA ausgedachter, leerer Begriff.
Glaubens- sowie private und öffentliche Religionsübungsfreiheit sind
Menschenrechte. Die Religion muss aber aus allen Bereichen der Politik und
der Justiz herausgehalten werden. An diesem Punkt gibt es keine ´gemäßigten´
Ausnahmen. Jede Bewegung und jede Person, die in der Türkei im Namen
der Religion,
oder mit den Referenzen der Religion Politik macht, ist schuldig. Am
Beispiel der Türkei kann die wichtige Funktion des Laizismus verstanden und
seine lebenswichtige Rolle für die Unterdrückten aufgezeigt werden. Diese
sich bietende Gelegenheit sollte aber den rassistischen, ausländerfeindlichen
Ideologien kein Platz bieten, sondern im Lichte und Verbund mit den
Errungenschaften
der Menschheit zum Kampf gegen Kapitalismus genutzt werden.

6. Die Geschichte der Türkei ist die Geschichte der Putsche, der
politischen Morde, des religiösen Fanatismus und Militarismus. Die
Geschichte der Türkei beinhaltet auch positive Ereignisse. Die Republik Türkei
wurde nach dem Sieg in dem in Kooperation mit dem jungen Sowjet Russland gegen
die imperialistische Besatzung geführten Kampf gegründet. Seit 1923 wurden
ständig Kämpfe gegen den Krieg, den Gewalt und gegen die kapitalistische
Ausbeutung geführt; die Arbeiterklasse realisierte massenhafte Aktivitäten;
ein international anerkannter Kommunist, Nazim Hikmet stammte aus diesem
Land. Auch die legitime Volksbewegung gegen diese Regierung, die sich vor
drei Jahren bildete, deutet auf die Existenz einer anderen Front in der Türkei,
die zurzeit wie eine Bühne der Auseinandersetzung von zwei islamistischen
Cliquen erscheint. Wir rufen euch auf, diese Arbeiterfront in der Türkei zu
folgen, euch mit ihr zu solidarisieren, und ihre hiesige

Stimme zu sein. Dem Geld, der Diktatoren und Putschisten der Monopole
setzen die Werktätigen, revolutionären Intellektuelle und
kommunistische Kämpfer
ihre Internationalismus-Tradition entgegen.

*Nieder mit dem Imperialismus.*

*Die Putsch- und Interventionszentrum NATO und die imperialistische EU
müssen
aufgelöst werden.*

*Es lebe das Streben der Menschheit nach Gleichheit, Freiheit und
Gerechtigkeit.*
*Kommunistische Partei (Türkei)*“

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