Kollege Fred Maintz und die Kritik an Martin Luther: „Wir müssen diesen Mythos abschaffen!“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Kollege Fred Maintz (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=fred+maintz) hat uns als Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis (AK) soeben eine deftige Kritik zu Martin Luther und dem Luther-Jahr zukommen lassen.

Diesen kritischen Beitrag haben wir nachstehend zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme direkt auf unsere Homepage gepostet.

Für den AK Manni Engelhardt -Koordinator-

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Fred Maintz ist der Meinung:

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

gnadenlos und wahrheitsverweigernd: die Evangelische Kirche will nächstes Jahr mit Hunderten (!) von Veranstaltungen den 500-jährigen Thesenanschlag Luthers huldigen.

Dabei war die Kanallie (= gemeiner Kerl) vor allem eben auch ein Juden- und Frauenhasser (siehe Text unten), ein Bauern-Unterdrücker und Arbeitshaus-Ideologe.

Klar: alles sollte man zwar auch im Rahmen der jeweiligen Zeit beurteilen, aber mit dem heutigen Wissen (!) so einen Helden-Häckmäck mit allem möglichen offiziellen Brimborium um ihn zu machen, ist wirklich nur krass !

Mit kollegialen Grüßen
Fred Maintz

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https://www.jungewelt.de/2016/11-01/005.php

»Wir müssen den Mythos Luther abschaffen«

Der Reformator war ein Juden- und Frauenhasser. Atheisten ­fordern, Straßen mit seinem Namen ­umzubenennen. Gespräch mit Rainer Ponitka

Interview: Gitta Düperthal

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Rainer Ponitka ist Sprecher des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA – www.ibka.org)

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will mit Hunderten Veranstaltungen an den Thesenanschlag Martin Luthers 1517 in Wittenberg erinnern. Das Gedenkjahr wird pompös eröffnet und soll sich bis zum 500. Jahrestag des Reformationsbeginns, dem 31. Oktober 2017, hinziehen: Was fällt Ihnen als Atheist zum Auftakt der Jubelaktivitäten ein?

Was gibt es da zu feiern? Mir fällt dazu ein, dass Luther beispielsweise mal sagte, die Vernunft sei des Teufels Hure. Folgerichtig ist er keineswegs als begnadeter Aufklärer zu ehren. Vielmehr stand er mit Vernunft und Aufklärung auf Kriegsfuß, wie auch weiteren Äußerungen zu entnehmen ist: über Frauen, Bauern, behinderte Kinder – erst recht über Juden.

Seine Schrift aus dem Jahr 1543 »Von den Juden und ihren Lügen« belegt eindrucksvoll, wie Luther deutlich darüber hinausging, was der gemein-übliche christliche Judenhasser im 16. Jahrhundert so ausdrückte. Er sprach davon, Juden zu enteignen, zur Zwangsarbeit zu verdonnern oder umzubringen. Frauenfeindlichkeit in original Luther-Spache hört sich so an: »Ob sie sich aber auch müde und zuletzt tottragen, das schadet nicht, lass sie nur tottragen, sie sind dazu da.« So dachte er über die Schwangerschaft.

Und über die Bauern: »Ich bin der Meinung: Es ist besser, dass alle Bauern erschlagen werden als die Fürsten und Obrigkeiten …« . Zu behinderten Kindern sagte er: »Wenn man aber von den teufelsähnlichen Kindern erzählt, von denen ich einige gesehen habe, so halte ich dafür, dass sie entweder vom Teufel entstellt, aber nicht von ihm gezeugt sind, oder dass es wahre Teufel sind.«

Soviel zum Aufklärertum Luthers.

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) will zum 500. Gedenkjahr selbst etwas beisteuern – an was denken Sie?

Klar an Protest dagegen, dass so kritiklos an Luther erinnert werden soll. Aus unserer Sicht ist es höchste Zeit, diesen Mythos über Bord zu werfen: Luther hat die Freiheiten, die er für sich forderte, anderen nie zugestanden. Wir erwarten ein kritisches Geschichtsverständnis und appellieren, alle Martin-Luther-Straßen oder nach ihm benannten Plätze umzubenennen. Damit nicht eine Person zu Ehren kommt, der das nicht gebührt. Statt dessen muss gesagt werden, was er für ein durchtriebener Bösewicht war.

Papst Franziskus will am heutigen Dienstag zum Luther-Gedenken im Fußballstadion im schwedischen Malmö die Ökumene voranbringen; Margot Käßmann, ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, findet, Luther sei trotz aller Kritik an dessen Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit ein »toller Redner«. Es gibt also auch andere Stimmen.

Sie beziehen sich auf ihn insofern, dass er die Bibel übersetzt hat, so dass Menschen die angeblich heilige Schrift in deutscher Sprache lesen konnten. Sie feiern ihn also dafür, dass er geholfen hat, das Christentum weiterzuverbreiten. Was ich als Atheist nicht unbedingt als positiv bewerten kann. Zumal es in Deutschland schon immer auch christlich intendierte Judenpogrome gab. Selbst Adolf Hitler hatte sich mit seinem Judenhass auf Luther bezogen.

Anlässlich der Feierlichkeiten wird so einiges versucht, um die Menschen, die sich vom Glauben zunehmend entfernen, für die Religion wieder einzufangen. Seitens der Klerikalen heißt es: »Wir machen jetzt eine Riesenshow, um die Leute wieder in Kirchen zu locken«. Selbst Kinder wollen sie manipulieren: Mit Luther-Gummi-Enten für die Badewanne, Luther-Playmobil-Figuren, Luther-Bonbons oder -Plätzchen-Ausstechern! Alles, um der aktuellen Kirchenflucht entgegenzuwirken.

Welche Persönlichkeiten sollten aus Ihrer Sicht statt dessen gewürdigt werden?

Zum Beispiel könnte man eine Straße nach dem italienischen Wissenschaftler Galileo Galilei benennen, der die Naturwissenschaften mitbegründet hat. Er wurde eine Berühmtheit, weil die katholische Kirche ihn deshalb verurteilte. Was sie erst 1992 widerrief! Auch nach bislang unbekannten Frauen, die Opfer der Hexenverbrennungen wurden, könnte man Plätze benennen.

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