Tarifvertrag Bodenpersonal: Wenn die Arbeitgeber nicht auf Ver.di zugehen, droht neuer Streik im Luftverkehr!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

als Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis (AK) haben wir immer wieder sehr umfangreich über die Tarifauseinandersetzungen im Luftverkehr berichtet, wie Ihr es durch den Klick auf den nachstehenden Link aufrufen könnt: http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=streiks+im+luftverkehr ! Nunmehr sind die Tarifgespräche zwischen der Gewerkschaft Ver.di und diversen Flughäfen für das Bodenpersonal ins Stocken geraten.

Es drohen nunmehr in ansehbarer Zeit weitere Arbeitskampfmaßnahmen im Luftverkehr.

Diesbezüglich hat die Gewerkschaft Ver.di eine sehr umfangreiche Presserklärung mit Datum vom 27. Januar 2017 auf ihrer Homepage veröffentlicht, die Ihr in ihrer Gänze durch den Klick auf den nachstehenden Link (PDF) aufrufen und nachlesen könnt: https://www.verdi.de/++file++588f2041f1b4cd3fc5659235/download/2017_01_27%20_Papier%20PK%20Damitfliegensicherbliebt.pdf !

Außerdem hat Ver.di einen OFFENEN BRIEF an alle betroffenen Arbeitgeber und deren Verbände gerichtet, den wir in seiner Gänze zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme nachstehend auf unsere Homepage gepostet haben. Wir werden das Geschehen rund um diese Tarifauseinandersetzung aufmerksam weiterverfolgen und kommen zur gegebenen Zeit auf die Angelegenheit zurück!

Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

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                    -OFFENER BRIEF-

               Ressort 10 Fachbereich Luftverkehr     https://www.verdi.de/++file++5073a221deb5011af9001e5d/download/VERDI-Farbe_mit-Schriftzug.png

An alle Arbeitgeber und Arbeitgeberverbände (Gruppenausschuss Flughäfen der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Tochterunternehmen der deutschen Verkehrsflughäfen und private Dienstleister des Bodenverkehrsdienstes)

Sehr geehrte Damen und Herren,

bereits seit über zwei Jahren bieten wir Ihnen an, durch einen Branchentarifvertrag endlich verantwortbare Standards im Bodenverkehrsdienst (BVD) zu setzen. Damit wollen wir unsere Arbeitsbedingungen dem Wettbewerbs- und Qualitätsdruck entziehen. Ausgelöst wurde dieser Druck durch die Niedrigpreispolitik der Fluggesellschaften und die von der EU-Kommission durchgesetzte Marktliberalisierung.

Wir stehen als ver.di Vertrauensleute, Betriebsräte und Mitglieder der ver.di-Bundestarifkommission ein für existenzsichernde, die Gesundheit erhaltende und qualitativ hochwertige Arbeitsbedingungen. Wir vertreten BVD-Beschäftigte von nahezu allen deutschen Flughäfen, ausgegründeten Töchtern dieser Flughäfen sowie privaten BVD-Dienstleistern.

Wir wissen aus eigener Erfahrung:

In den Bodenverkehrsdiensten tätig zu sein, bedeutet harte Arbeit im Schichtdienst und einem risikoreichen Umfeld, in dem mit hoher Professionalität und unter enormem Zeitdruck sicherheitsrelevante Arbeiten ausgeführt werden.

Gut ist:

Unsere Branche, der Luftverkehr, boomt seit Jahrzehnten. 2016 haben wir an unseren Flughäfen über 220 Millionen Passagieren sicheres Fliegen ermöglicht. Wir haben insgesamt rund 800.000 internationale Flüge abgefertigt, die über 600 Flugziele ansteuerten (vgl. ADV-Pressemitteilung Nr. 02/2017). Vor 10 Jahren waren es noch 174,25 Millionen Passagiere. Das bedeutet, dass wir im letzten Jahr 45 Millionen Passagiere mehr betreut haben als in 2006.

Bedrohlich ist:

Dieses Wachstum wird in erster Linie auf Kosten des Einkommens und der Gesundheit der Beschäftigten und zu Lasten der Qualität der Arbeit erwirtschaftet. Die Deregulierung des BVD, durchgesetzt durch die EU-Kommission, setzt unsere Unternehmen unter Druck, miteinander um die niedrigsten Personalkosten, die geringsten Qualifikationskosten und den knappsten Personaleinsatz zu konkurrieren.

Deshalb sehen wir mit Sorge, wie durch diesen Preisdruck die Qualität unserer Arbeit und damit potentiell auch die Sicherheit des Flugverkehrs in Gefahr geraten. So hat ein europaweit tätiger irischer Low-Cost-Anbieter erst im November 2016 angekündigt, in Zukunft Flüge umsonst anbieten zu wollen.

Im Sommer 2015 haben uns rund 2.000 unserer Kollegen und Kolleginnen über die Qualität ihrer Arbeitsbedingungen berichtet.83 Prozent beklagen, dass ihr Lohn und ihre Arbeitsbedingungen nicht existenzsichernd sind auch eine Folge von Befristungsquoten bis zu 40 Prozent, Leiharbeit sowie Arbeit auf Abruf. Daraus resultiert eine hohe Fluktuation unter den Beschäftigten, in deren Folge neue Kolleginnen und Kollegen oft nicht ausreichend eingearbeitet oder weiterqualifiziert werden (84 Prozent). Nur 7 Prozent können sich angesichts des akuten Personalmangels sowie der Arbeitsbelastung vorstellen, gesund bis zum Rentenalter im BVD weiter arbeiten zu können. 72 Prozent der Befragten geben an, dass Sicherheits- und Qualitätsvorgaben aufgrund des Arbeitsdrucks nicht immer eingehalten werden.

Unsere Position dazu ist und bleibt: Gute Arbeitsbedingungen, die einen sicheren und qualitativ hochwertigen Flugverkehr gewährleisten, sind nicht umsonst zu haben.

Wir wissen:

Die Passagiere sind bereit, allem Wunsch nach günstigen Tickets zum Trotz, sich einen sicheren Flugverkehr leisten zu wollen.

Um diese Abwärtsspirale aufzuhalten, benötigen wir einen branchenweiten Tarifvertrag, der gemeinsame Standards bei der Entlohnung, dem Gesundheitsschutz und der Qualifikation schafft. Einen Tarifvertrag, der die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Beschäftigten der Preiskonkurrenz zwischen den Unternehmen entzieht.

Einen Tarifvertrag, der die Sicherheit der Passagiere erhält und Qualität bietet.

Da Sie sich bis heute nicht dazu durchringen konnten, trotz vieler Gespräche, diesen Schritt gemeinsam mit uns zu gehen, wollen wir uns heute öffentlich an Sie wenden und Sie dazu auffordern:

Lassen Sie uns gemeinsam als Sozialpartner in einen konstruktiven Dialog eintreten und Lösungen für diese Probleme finden. Lassen Sie uns durch einen Branchentarifvertrag gemeinsame Standards setzen.

Wir sind sicher, dass wir das gemeinsam schaffen können!

Das liegt in unser aller Interesse: Der Arbeitgeber, der Beschäftigten, der Unternehmen und unserer Kunden, der Passagiere.

Berlin, 26. Januar 2017

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre

ver.di Vertreter/innen der Bodenverkehrsdienste an den deutschen Verkehrsflughäfen

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