„Tatort Grube“: CAMPACT bewirbt die kommenden Protestaktionen von „ENDE GELÄNDE und wir machen ALLE mit!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Als Gewerkschafter/Innen-Arbeitskreis (AK) haben wir einen Erinnerungsaufruf zur Teilnahme an den geplanten Protestaktionen in der kommenden Woche im Rheinland seitens CAMPACT (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=campact) erhalten.

Unter dem Titel „Tatort Grube“ bewirbt CAMPACT die Aktionen von ENDE GELÄNDE (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=ende+gel%C3%A4nde)!

Wir haben die komplette Mitteilung nachstehend zu Eurer gefälligen Kenntnis- und Teilnahme auf unsere Homepage gepostet und in der Kategorie „KAMPAGNEN“ (http://www.ak-gewerkschafter.de/category/kampagnen) archiviert.

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Für den AK Manni Engelhardt –Koordinator-

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Hallo Manni Engelhardt,

liest Angela Merkel den Campact-Newsletter? Man könnte es meinen. Wie als Antwort auf meine Mail von vergangener Woche sagte die Kanzlerin: Es dürfe jetzt kein „Pillepalle“ beim Klimaschutz geben.[1] Klingt gut? Freuen Sie sich nicht zu früh: Im selben Atemzug warnte Merkel vor „Schnellschüssen“ – und vertagt den Klimaschutz auf später.[1]

Immer wieder dieselben salbungsvollen Sätze – und immer wieder geschieht nichts. Dabei haben wir nur noch ein paar kostbare Jahre, um unseren Planeten vor dem Hitzetod zu retten. Mir reicht’s! Ich bin fest entschlossen: Kommende Woche gehe ich in den Tagebau. Zur Erinnerung an die vielen geplanten Protestaktionen im Rheinland sende ich Ihnen unten nochmal meine Nachricht dazu.

Ich würde mich freuen, Sie im Rheinland zu treffen.

Herzliche Grüße
Christoph Bautz, Campact-Vorstand

[1] „Klimaschutz ist kein ’Pillepalle’“, FAZ, 5. Juni 2019

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Hallo Manni Engelhardt,

dieses Nichtstun regt mich auf: Hunderttausende treibt die Klimakrise derzeit auf die Straße – und die Union tut so, als gäbe es kein Problem. Jüngstes Beispiel: SPD-Umweltministerin Svenja Schulze will, dass die Regierung endlich ihr Klimaschutzgesetz beschließt. Doch Angela Merkel verbietet die dafür nötige Abstimmung.[1]

Dabei weiß auch die Kanzlerin genau, dass die Zeit abläuft. Wir haben nur noch wenige Jahre, um die Klimakrise aufzuhalten. Deswegen habe ich entschieden: Ich gehe jetzt einen Schritt weiter. Ich gehe in den Tagebau! Gemeinsam mit meiner Kollegin Luise Neumann-Cosel und Tausenden Klimaschützer*innen will ich Ende Juni die Kohlebagger im Rheinischen Revier – dem Tatort der Klimakrise – blockieren.

Warum ich diesen Schritt zum zivilen Ungehorsam jetzt wage und warum ich hoffe, dass auch viele anderen ihn gehen, sehen Sie in unserem Video unter:

https://www.campact.de/kohleaus/appell/mm-ende-gelaende-2019-1/?decision=yes&_mv=1hfSPYSvuOqIVJIP8SV0oT

Vom 20. bis 23. Juni werden Tausende Menschen rund um die Kohlegrube Garzweiler erwartet. Viele werden sich der Aktion von Ende Gelände anschließen. Friedlich, ruhig und besonnen gehen sie in die Grube und setzen sich vor die Bagger. Wenn Sie sich für die Aktion von Ende Gelände interessieren, finden Sie hier alle wichtigen Informationen:

Hier klicken für Infos zur Aktion von Ende Gelände

https://www.campact.de/kohleaus/appell/mm-ende-gelaende-2019-1/?decision=no&_mv=1hfSPYSvuOqIVJIP8SV0oT

Bei Aktionen zivilen Ungehorsams übertreten Menschen öffentlich, symbolisch und gewaltfrei ein Gesetz – als Reaktion auf besonders schwerwiegende Ungerechtigkeiten. Sie setzten sich in Mutlangen vor Atomwaffen-Depots und in Gorleben vor Atommüll-Transporte. Jetzt begegnen engagierte Menschen der größten CO2-Quelle Europas. Sie setzen sich vor die Kohlebagger im Rheinland und fordern wirksamen Klimaschutz. Denn nur der kann verhindern, dass sich unser Planet über die kritische Grenze von 1,5 Grad hinaus erhitzt.

Ein Schritt in die Grube will gut begründet sein. Deshalb haben wir uns die Entscheidung, bei der Aktion von Ende Gelände mitzugehen, nicht leicht gemacht. Und in Büchern der politischen Philosophie Rat gesucht. Wir haben uns gefragt: Wann ist ziviler Ungehorsam zu legitimieren?

Für Claus Offe, ehemaliger Professor für politische Soziologie an der Humboldt Universität in Berlin, ist ziviler Ungehorsam nur unter sehr spezifischen Umständen gerechtfertigt: Wenn „es sich dabei um eine schwere Ungerechtigkeit handelt, bei der eine (Mehrheits-)Entscheidung in Zukunft nicht mehr revidierbar ist und/oder der entscheidende Personenkreis mit dem betroffenen Personenkreis nicht identisch ist (auch bei nachfolgenden Generationen).“[2]

Genau das ist beim Klimaschutz gegeben. Der Bericht des Weltklimarates (IPCC) hat gerade gezeigt: Wir haben nur noch wenige Jahre, um eine dramatische Klimakrise zu verhindern.[3] Doch die Bundesregierung hat die CO2-Emissionen seit zehn Jahren kaum reduziert.[4] Schlimmer noch: Durch den Beschluss der Kohlekommission soll 20 weitere Jahre lang der Klima-Killer Kohle verfeuert werden.[5]

Aber was hat ziviler Ungehorsam überhaupt in einer Demokratie zu suchen? Für John Rawls, langjähriger Professor für praktische Philosophie an der Harvard University, ist ziviler Ungehorsam eine in der Öffentlichkeit „stattfindende, gewaltfreie, gewissensbestimmte und gesetzeswidrige Handlung mit Appell- und Symbolcharakter. Menschen, die zivilen Ungehorsam anwenden, bringen durch die Gewaltfreiheit und Öffentlichkeit ihrer Handlung sowie durch die bewusste Inkaufnahme juristischer Folgen, ihre grundsätzliche Anerkennung der politischen Ordnung zum Ausdruck.“[6]

Ziviler Ungehorsam ist also ein wichtiger Bestandteil einer Demokratie, wenn diese auf eine große Ungerechtigkeit wie die Klimakrise nicht angemessen reagiert. Zum Beispiel, weil die Lobby-Verbindungen von RWE zu SPD, FDP und CDU/CSU so massiv sind. Der berühmte Philosoph Prof. Jürgen Habermas schreibt: „Jede rechtsstaatliche Demokratie, die ihrer selbst sicher ist, betrachtet den zivilen Ungehorsam als normalisierten, weil notwendigen Bestandteil ihrer politischen Kultur.“[7]

Mit diesem Zitat von Habermas im Kopf gehen wir vom 20. bis 23. Juni bei der Aktion mit. Ende Gelände hofft, dass sich Tausende Menschen beteiligen. Bitte schauen Sie sich hier unser Video an:

Herzliche Grüße
Christoph Bautz, Campact-Vorstand

PS: Neben der Aktion von Ende Gelände gibt es an diesem Wochenende auch zahlreiche andere bunte Protest-Aktionen im Rheinland: Am Freitag demonstriert „Fridays for Future“ in Aachen und am Samstag steigt eine angemeldete Demonstration direkt an der Tagebaukante. Mehr Informationen finden Sie unter www.klima-doerfer-retten.de.

[1] Twitter-Nachricht von Malte Kreutzfeldt (@MKreutzfeldt), 29. Mai 2019, eingesehen am 3. Juni 2019
[2] „Herausforderungen der Demokratie. Zur Integrations- und Leistungsfähigkeit politischer Institutionen“, Claus Offe, Frankfurt/Main, 2004
[3] „Weltklimarat hält ‘nie dagewesene Veränderungen‘ für nötig“, Süddeutsche Zeitung, 8. Oktober 2018
[4] „Treibhausgas-Emissionen in Deutschland“, Umweltbundesamt, Januar 2019
[5] „Kommission schlägt Kohleausstieg bis 2038 vor“, rbb, 26. Januar 2019
[6] John Rawls: „Die Rechtfertigung bürgerlichen Ungehorsams“, in John Rawls: Gerechtigkeit als Fairneß, Frankfurt/Main, 1985
[7] Jürgen Habermas: „Ziviler Ungehorsam – Testfall für den demokratischen Rechtsstaat“, in Jürgen Habermas: Die Neue Unübersichtlichkeit. Kleine politische Schriften, Frankfurt/Main, 1996

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