Kollege Udo Buchholz teilt für 4 Umweltorganisationen mit: „Heute, Freitag, 15.30 Uhr Protest vor AKW Lingen: Revision in Corona-Zeiten unverantwortlich – weniger Personal, zu wenig Zeit = weniger Prüfungen?“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

über den Kollegen Udo Buchholz, dem Vorstandsmitglied und Pressesprecher des BBU (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=udo+buchholz+bbu), haben wir die nachstehende Pressemitteilung von vier Umweltorganisationen zum Thema „Heute, Freitag, 15.30 Uhr Protest vor AKW Lingen: Revision in Corona-Zeiten unverantwortlich – weniger Personal, zu wenig Zeit = weniger Prüfungen?“, erhalten.

Diese haben wir zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme auf unsere Homepage geposet und in der Kategorie „ATOMPOLITIK“ (http://www.ak-gewerkschafter.de/category/atompolitik/) archiviert.

Für den AK Manni Engelhardt -Koordinator-

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Kollege Udo Buchholz teilt für 4 Umweltorganisationen mit:

Foto zeigt die Anti-Atomkraft-Demonstration am 26.10.2019.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

am heutigen Freitag, 8.5.2020, soll gemäß den Plänen von RWE das AKW
Lingen II (KKE Emsland) in die Revision (Überprüfung) gehen. Dazu wird das
Atomkraftwerk zeitweise abgeschaltet, auf Schäden überprüft und mit
neuen Brennelementen bestückt. Das Bündnis AgiEL und der Elternverein
Restrisiko Emsland kritisieren das jetzt bekannt gewordene Vorgehen der
Betreiberin scharf und rufen für morgen um 15.30 Uhr zu einer Mahnwache
vor der Einfahrt zum AKW auf. Anti-Atomkraft-Initiativen aus der Grafschaft Bentheim
und aus dem Münsterland, sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) solidarisieren sich mit dem Protest.
Die gemeinsame Kernforderung lautet: Sofortige Stilllegung des AKW Lingen II (und der benachbarten Brennelementefabrik)

Weitere informationen zur Revision und zum Protest finden Sie in den beiden aktuellen Pressemitteilungen unten (als PDF im Anhang).

Mit freundlichen Grüßen
Udo Buchholz, BBU-Vorstandsmitglied und -Pressereferent

-Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
·Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf
·SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
·Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)

Kontakt:
Matthias Eickhoff (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen), Tel.
0176-64699023

Schüttorf/Gronau/Münster, 07.05.2020

Heute, Freitag, 15.30 Uhr Protest vor AKW Lingen:
– Revision in Corona-Zeiten unverantwortlich
– weniger Personal, zu wenig Zeit = weniger Prüfungen?
„Alterndes AKW Lingen vom Netz nehmen“

Das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, der Arbeitskreis
Umwelt (AKU) Schüttorf die Initiative SOFA (Sofortiger Atomausstieg)
Münster sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
rufen gemeinsam mit den örtlichen Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem
Emsland für den morgigen Freitag, 8. Mai, um 15.30 Uhr zu einer
Mahnwache vor dem AKW Lingen (Emsland) auf.

Anlass ist der Beginn der diesjährigen Revision des AKWs Lingen. Dabei
werden u. a. der Reaktordeckel geöffnet und 44 Brennelemente
ausgetauscht, was zu erhöhter Radioaktivität führt. Auch neue Risse in
den Dampferzeugerrohren sollen erkundet werden. Zudem kommen mehrere
hundert Fachleute auf das AKW-Gelände, was in Corona-Zeiten sehr
bedenklich ist. Allerdings zeichnet sich nach den Auskünften von
AKW-Betreiber RWE und des niedersächischen Umweltministeriums ab, dass
es nur eine „Revision light“ geben wird:

So wurde anscheinend die Anzahl der 700 Fachleute, die von außen kommen,
um ca. die Hälfte reduziert. Zugleich wurde die Revisionsdauer trotz der
erhöhten Infektionsschutzmaßnahmen und der sicherheitstechnisch
brisanten Prüfaufträge auf nur drei Wochen begrenzt. Im AKW Grohnde
wurde die „Corona-Revision“ hingegen auf sechs Wochen verlängert. Und
schon im letzten Jahr musste RWE in Lingen die Revision aufgrund der
vielen altersbedingten Mängel im AKW auch ohne Corona auf sechs Wochen
verlängern.

„Wir haben den Eindruck, dass RWE hier sehr starken Druck aufbaut, um
die enorm wichtige AKW-Revision mit allen Mitteln über die Bühne zu
bekommen. Weniger Fachpersonal und ein zu enger Zeitrahmen lassen
befürchten, dass die Qualität und der Umfang der Überprüfungen leiden
werden. Wenn für RWE wirklich die Sicherheit oberste Priorität hätte,
würde das Konzept ganz anders aussehen. Ein 32 Jahre alter Reaktor mit
ersten Risse-Erscheinungen lässt sich nicht mehr im Schnelldurchlauf mit
halbem Fachpersonal mal eben durchchecken – das ist unverantwortlich.
Deshalb fordern wir nochmals dringend die Absage der Revision. Der
alternde Reaktor muss endgültig vom Netz – das würde auch den
Erneuerbaren Energien freie Bahn verschaffen,“ erklärte Matthias
Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Weitere Infos:

https://atomstadt-lingen.de

www.bbu-online.de,

www.sofa-ms.de

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Bündnis AgiEL – Atomkraftgegner*innen im Emsland
Elternverein Restrisiko Emsland e.V.

Kontakt:
Elternverein Restrisiko Emsland e.V.
Gerd Otten 01512 – 0979284

Bündnis AgiEL
Alexander Vent 01575 – 9690000

Pressemitteilung

Umweltgruppen kritisieren anstehende Revision im AKW Lingen II:
– Großveranstaltung in Lingen trotz Corona
– Strahlungsspitzenwerte während der Revisionsarbeiten
– Ausweitung gefährlicher Risse in Dampferzeugerrohren zu erwarten
Mahnwache Freitag, 8. Mai, 15.30 Uhr vor AKW:
„Atomstrom ist nicht systemrelevant – AKW sofort abschalten!“

Lingen, 7. Mai 2020

Am morgigen Freitag, 8.5.2020, soll gemäß den Plänen von RWE das AKW
Lingen II (KKE Emsland) in die Revision gehen. Dazu wird das
Atomkraftwerk zeitweise abgeschaltet, auf Schäden überprüft und mit
neuen Brennelementen bestückt. Das Bündnis AgiEL und der Elternverein
Restrisiko Emsland kritisieren das jetzt bekannt gewordene Vorgehen der
Betreiberin scharf und rufen für morgen um 15.30 Uhr zu einer Mahnwache
vor der Einfahrt zum AKW auf.

„Zur Revision kommen hunderte Facharbeiter aus Deutschland und dem
benachbarten Ausland in die Stadt und bleiben für mehrere Wochen hier.
„Eine Großveranstaltung während der Corona-Pandemie, mitten in Lingen,
während ansonsten überall weitreichende Kontaktbeschränkungen gelten –
das ist höchst fahrlässig und für die Einwohner der Stadt nicht
nachvollziehbar“, so Gerd Otten vom Elternverein Restrisiko Emsland.

„Mit seiner sehr kurzfristigen und nicht sehr aussagekräftigen
Informationspolitik verspielt RWE das Vertrauen der Bevölkerung!“, so
Alexander Vent vom Bündnis AgiEL. „Sämtliche Sachanfragen, die das
Bündnis in den vergangenen Wochen an RWE gerichtet hat, blieben
unbeantwortet. Dass der Kraftwerksleiter sich jetzt schmunzelnd der
Öffentlichkeit präsentiert zeigt doch nur, wie ernst er die Interessen
der Bevölkerung tatsächlich nimmt.“

Die Umweltschützer*innen kritisieren weiter:

Etwa die Hälfte der gesamten Jahresstrahlung fällt auf die Tage der
Revision, weil der Reaktordeckel geöffnet wird. Die Höhe dieser
Strahlungsspitzen gilt als Betriebsgeheimnis. Veröffentlicht werden
später nur Mittelwerte aus längeren Zeiträumen. „Wozu diese
Geheimniskrämerei?“ fragt Margret Greving vom Bündnis AgiEL. „Wäre die
Strahlung wirklich ungefährlich, so könnte RWE die Spitzenwerte doch
auch veröffentlichen und damit das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen.
Aber dazu schweigt man lieber. “ Die Umweltschützer*innen kritisieren weiter:

Etwa die Hälfte der gesamten Jahresstrahlung fällt auf die Tage der
Revision, weil der Reaktordeckel geöffnet wird. Die Höhe dieser
Strahlungsspitzen gilt als Betriebsgeheimnis. Veröffentlicht werden
später nur Mittelwerte aus längeren Zeiträumen. „Wozu diese
Geheimniskrämerei?“ fragt Margret Greving vom Bündnis AgiEL. „Wäre die
Strahlung wirklich ungefährlich, so könnte RWE die Spitzenwerte doch
auch veröffentlichen und damit das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen.
Aber dazu schweigt man lieber. “Laut Ärzteverband IPPNW können diese erhöhten Strahlungsemissionen als
Ursache für das vermehrte Auftreten von Leukämie bei Kindern, die im
Umkreis von 5 km um ein Atomkraftwerk leben, in Betracht gezogen werden
(Quelle: IPPNW factsheet, März 2011, siehe Anhang).

„Revision Light“ trotz zu erwartender Risse im Dampferzeugersystem?

Besonders große Sorge bereitet den Umweltschützern, dass es aufgrund der
Corona-Pandemie zu einer „Revision Light“ kommen könnte, um den Aufwand
angesichts der gestiegenen Gesundheitsvorkehrungen so niedrig wie
möglich zu halten.

Bereits im letzten Jahr wurden bei den Revisionsarbeiten gefährliche
„Wanddickenschwächungen“, ausgelöst durch Spannungsrisskorrosion, an den
Rohren des Dampferzeugersystems festgestellt. Die Dampferzeugerrohre
bilden die Schnittstelle zwischen dem Primär- und dem Sekundärkreislauf
des Kraftwerks. Kommt es hier zu Undichtigkeiten kann das katastrophale
Folgen haben, die bis hin zur Freisetzung großer Mengen an
Radioaktivität reichen können. (Quelle: „Risiken betrieblich bedingter
Brüche von Dampferzeuger-Heizrohren infolge von Spannungsrisskorrosion“,
im Anhang).

Solche Risse traten bereits vor 3 Jahren im baugleichen AKW
Neckarwestheim II auf und haben sich von Jahr zu Jahr massiv
ausgeweitet. (2018: 101 Fälle, 2019: 209 Fälle).

Anstatt 2019 alle rund 16.000 dieser Rohre im AKW Lingen genauestens auf
Schäden zu überprüfen, begnügten die Betreiber sich damit, die
betroffenen Rohre einfach zu verschließen. Eine Prüfung aller Rohre auf
die komplette Länge fand nicht statt!

Hier geht es aber nicht um harmlose Bagatellschäden, sondern um höchst
gefährliche Alterungserscheinungen der Atomanlage, die bis zu einem GAU
führen und damit die Bevölkerung der gesamten Region hochgradig
gefährden können.

Nach Abschluss der Revisionsarbeiten soll das AKW für weitere
zweieinhalb Jahre in Betrieb gehen.In dieser Zeit wird neuer Atommüll
erzeugt, von dem bis heute niemand weiß, wie er sicher und dauerhaft
aufbewahrt werden kann.

„Dabei könnte RWE uns all diese Zumutungen ganz einfach ersparen, denn
Atomstrom ist nicht systemrelevant und wir brauchen ihn deshalb
schlichtweg nicht. Es sind allein wirtschaftliche Interessen, aus denen
heraus die Atomkraftwerke weiter betrieben werden und damit sogar den
Ausbau alternativer, moderner und sicherer Energieerzeugung blockieren.

Wir fordern daher die sofortige und endgültige Abschaltung aller
Atomkraftwerke, der Urananreicherungsanlage in Gronau und der
Brennelementefabrik in Lingen!“, so Heide Maria Kuhnert vom Bündnis AgiEL.

Anhang:

Dokument „Risiken betrieblich bedingter Brüche von
Dampferzeuger-Heizrohren infolge Spannungsrisskorrosion“:

https://www.ausgestrahlt.de/media/filer_public/ab/3e/ab3ed378-6f2e-4736-8487-3fef1a8ed9b0/risiken_betrieblich_bedingter_bruche_von_dampferzeuger-heizrohren_infolge_spannungsrisskorrosion.pdf

IPPNW: „Kinderkrebs um Atomkraftwerke“ und weitere Infos:

https://www.ippnw.de/atomenergie/gesundheit/artikel/de/kinderkrebs-um-atomkraftwerke.html

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