Kollege Wolfgang Erbe informiert: Fight for your Right to Party! – Gemeinsam gegen Willkür und Faschismus! – Stuttgarter Clubs und Partyveranstalter üben Kritik – „Die Aussage der Polizei ist verantwortungslos!“ / u. a. m.!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

soeben haben wir als Gewerkschafter/innen-Arbeitskreis (AK) ein weiteres und hochinteressantes Info-Potpourri des Kollegen Wolfgang Erbe (http://www.ak-gewerkschafter.de/?s=wolfgang+erbe) erhalten. Darin informiert Wolfgang u. a. zu folgendem Thema:

Fight for your Right to Party! – Gemeinsam gegen Willkür und Faschismus! – Stuttgarter Clubs und Partyveranstalter üben Kritik – „Die Aussage der Polizei ist verantwortungslos“ 

Wir haben dieses Info-Potpourri in leicht gekürzter Fassung zu Eurer gefälligen Kenntnisnahme nachstehend auf unsere Homepage gepostet.

Für den AK Manni Engelhardt -Koordinator-

********************************************************

Kollege Wolfgang Erbe informiert:

Fight for your Right to Party! – Gemeinsam gegen Willkür und Faschismus! – Stuttgarter Clubs und Partyveranstalter üben Kritik – „Die Aussage der Polizei ist verantwortungslos“

Jetzt geht es nicht nur um die Arbeitsplätze in der Partyszene – es geht um Millionen Arbeitsplätze und der Kampf beginnt hier und jetzt!

Gemeinsam gegen Willkür und Faschismus!

Stuttgarter Clubs und Partyveranstalter üben Kritik: „Die Aussage der Polizei ist verantwortungslos“

Von Uwe Bogen 

Als „irreführend“ haben Clubbetreiber die Aussagen der Polizei bezeichnet, hinter der Krawallnacht von Stuttgart stecke die „Partyszene“. Damit werde eine Branche, die gerade „genug zu kämpfen“ habe, in ein schlechtes Bild gerückt.

Stuttgart – „Die verallgemeinernde Schuldzuweisung des Polizeipräsidenten“ hält Dirk Wein, Mitorganisator der Partyreihe Lovepop, für „verantwortungslos“. Verstehen kann er nicht, dass der Chef der Stuttgarter Polizei so „völlig undifferenziert“ eine „komplette Branche“, die ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sei, „in ein schlechtes Licht rückt“. Wein spricht von „Idioten , die sich am Eckensee und anderswo volllaufen lassen“. Die aber hätten mit den Zehntausenden, die normalerweise jedes Wochenende friedlich in den Clubs feierten, „so gut wie nichts zu tun“.

Für „sehr unglücklich“ hält Hannah Japes, die Vorsitzende des Club-Kollektivs Stuttgart, die pauschale Aussage, die „Party- und Eventszene“ sei für die Krawallnacht verantwortlich. Sie betont: „Die Stimmen, die uns aus unserer Mitgliedschaft erreichen, von Betreibern der Clubs und Bars, sind eindeutig: Diese sinn- und hirnlosen Gewaltexzesse sind das Letzte, was wir wollen.“

„Es gibt keine homogene Partyszene

Hannah Japes betont, dass es „keine homogene Partyszene“ gibt. In der Nacht zum Sonntag habe die Situation am Eckensee begonnen, nicht in der Nähe eines Clubs. Die Betreiber der Bars und Clubs appellieren an die Stuttgarter Polizei, „künftig bei der Begriffswahl diese Aspekte zu berücksichtigen“, sagte die Vorsitzende des Kollektivs stellvertretend. Clubs und Veranstalter seien aufgrund der nach wie vor geltenden Einschränkungen, die in den meisten Fällen einen geschlossenen Betrieb bedeuteten, aktuell in großer Not. „Deshalb ist uns diese Richtigstellung sehr wichtig, wir benötigen aktuell Unterstützung und keine verallgemeinernden Vorwürfe“, sagt Hannah Japes. Wenn OB Fritz Kuhn nun erkläre, die feiernde Meute am Schlossplatz sei „nicht Stuttgart“, dann kenne er „sein Stuttgart nicht“, kritisiert die Clubsprecherin.

Jetzt gehe es darum, Ursachenforschung zu betreiben und Lösungsansätze zu formulieren. „Dafür stehen wir der Stadt gerne beratend zur Seite“, sagt Hannah Japes.

Carlos Coelho, der unter anderem den Keller Club über viele Jahre betrieben hat, glaubt, „dass der aufgestaute Frust der letzten Monate und das Übertragen der Bilder von den gewalttätigen Polizeieinsätzen in den USA den Boden bereitet haben für die Eskalationen“. Durch den Begriff „Partyszene“ fühlten sich die Stuttgarter Clubs nun zu Unrecht „in die selbe Schublade gesteckt wie die Randalierer“.

„Solche Leute haben bei uns Lokalverbot“

Wütend ist Clublegende Werner „Sloggi“ Find von der Boa: „Es ist unglaublich, wie man für das Geschehene die Partyszene verantwortlich macht. Leute, die in die Clubs zum Feiern gehen, haben mit den anderen, die jedes Wochenende am Schlossplatz rumhängen und sich die Kante geben, nichts zu tun.“ Laura Halding-Hoppenheit, die seit über vier Jahrzehnte den Kings Club betreibt, warnt ebenso vor Verallgemeinerung. Die Polizei liege mit ihrer Einschätzung daneben. „Solche Leute wie die Randalierer haben bei uns Lokalverbot“, versichert sie. Die Nacht der Gewalt zeige, wie nötig Stuttgart einen Nachtbürgermeister brauche. „So einen braucht die Stadt,“ sagt die Stadträtin, „nicht diesen Horror.“

Partyveranstalter Steffen Eifert vermutet, „die Polizei wollte die Krawallszene irgendwie bezeichnen, ohne einen Begriff zu verwenden, der als politisch unkorrekt empfunden werden könnte“. Dass nun der Begriff „Partyszene“ herausgekommen sei, hält er für „„abstrus“. Damit bediene die Polizei das Klischee, dass Party und Events eng mit dem Thema „Randale“ verbunden seien. Eifert: „Wir sind seit fast 30 Jahren Partyveranstalter und wir hatten in dieser ganzen Zeit noch nie in irgendeiner Form Krawall – und natürlich schon gar nichts, was auch nur annähernd an das von letzter Zeit ran kam, und da ist es schon etwas ärgerlich, wenn man durch so eine Formulierung in Zusammenhang mit irgendwelchen Chaoten gebracht wird.“

„Brandbeschleuniger waren die Ereignisse in den USA“

Auch Hiki Shikano, der Betreiber des Partygriechen Cavos, warnt davor, alle über einen Kamm zu scheren. „Diese Szene, die sich am Eckensee seit einiger Zeit zum Saufen von Dosenbier und Billigfusel aus dem Supermarkt trifft, hat mit denen, die die Lokale auf dem Kleinen Schlossplatz besuchen und dort leckere Weine, Longdrinks und Snacks genießen, mal überhaupt gar nichts zu tun“, versichert er. Das eine sei ein „schickes“ junges Ausgehpublikum, das andere seien „leider oft perspektivlose, junge Männer, meistens mit Migrationshintergrund, denen langweilig geworden ist in den letzten Monaten“. Als Auslöser und gefährlicher Brandbeschleuniger fungierten die Ereignisse in den USA, glaubt der Cavos-Macher. Jetzt müsse es um Solidarität und Abgrenzung „dieses kleinen Anteils an Kriminellen“ gehen.

Eric Bergmann von der Bar Jigger & Spoon sagt, er sei auf der Seite der Polizei, aber die Aussage mit der Partyszene sollte der Polizeipräsident „dringend zurücknehmen, auch wenn das Kind jetzt schon in den Brunnen gefallen ist“. Stefan Schneider vom Palast der Republik beobachtet seit Tagen, „wie die Jungen und die Partyszene besonders am Wochenende orientierungslos durch die Stadt laufen“. Denn alle Clubs sind geschlossen. „Da sich Emotionen und der Frust aufgebaut haben, war es nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert“, sagt er. Auch bei den Clubbetreibern herrsche großer Frust wie bei den Einzelhändler durch die Coronakrise.

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgarter-clubs-und-partyveranstalter-ueben-kritik-die-aussage-der-polizei-ist-verantwortungslos.62de0e2f-40d5-488d-90b1-e8db28f4f851.html

Schluss mit der Kriminalisierung der Jugend!

Nach einer Polizeikontrolle in der Nacht zum 21. Juni solidarisierten sich Hunderte Jugendliche untereinander, griffen die Polizei an und zerstörten in der Stuttgarter Innenstadt etwa 30 Schaufenster. Seit dem überbieten sich bürgerliche Politiker und Massenmedien in der Hetze gegen die Jugend.

Von  Kreisleitung Stuttgart-Sindelfingen der MLPD
 

Die MLPD sprach mit Jugendlichen, die in Stuttgart in der Nacht vor Ort waren: „Am Samstag Abend haben sich Tausende Jugendliche in diesem Teil des Schlossgartens aufgehalten – zum Feiern und ‚Chillen‘. Es sind so viele, weil die Clubs alle geschlossen sind. Gegen 23 Uhr kam die Polizei und hat angefangen, Kontrollen durchzuführen. Auch am vergangenen Wochenende ist die Polizei Streife gefahren. Aber sie hat nicht kontrolliert. Außerdem war diesen Samstag mehr Polizei unterwegs. Auch wir wurden kontrolliert, nach dem Ausweis gefragt, ohne dass irgend etwas vorgefallen gewesen war. Einer der Polizisten ist sehr herrisch aufgetreten. Wir fühlten uns wie Kriminelle behandelt, haben aber nichts dagegen unternommen. Plötzlich sahen wir einen jungen Mann Richtung Schlossplatz rennen. Die Polizei hinterher. Und hinter der Polizei eine Masse von Jugendlichen. Wir sind dann auch auf die Königsstraße und haben schockiert zugesehen, was dann passierte. Es war abzusehen, dass so etwas passiert, wenn die Polizei mit Kontrollen in dieser Menge anfängt. Wir distanzieren uns von der Randale und dem Vandalismus. Aber wir sagen auch, dass die Polizeikontrollen einfach kriminalisierend sind.“ Diese Aussage wird von mehreren Jugendlichen ähnlich bestätigt.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn und andere betonen, dass es hier um eine völlig unpolitische Sache ginge und man nun gegen die „Event-Community“ vorgehen müsse. Das ist eine defensive Ablenkung vor den wahren Hintergründen der Zuspitzung, und es wird der Stadtspitze und der Polizeibehörde auf die Füße fallen: Seit Wochen nimmt die Polizeipräsenz zu. Soll hier die Verschärfung des Polizeiaufgabengesetzes, das der Landtag am Donnerstag diskutiert, schon getestet werden? Am Wochenende wurden nicht die notwendigen Hygieneregeln geprüft, sondern es wurde versucht, die Jugend zu kriminalisieren. Millionen gehen weltweit mit „Black Lives Matter“ auf die Straße. Aber schon heißt es heute wieder in den Medien, man hätte die Polizei in den letzten Wochen diskreditiert. Ein aus Afrika stammender ver.di-Kollege berichtet dagegen: „Von den zehn Mal, die ich in die Stuttgarter Innenstadt gehe, werde ich fünf mal kontrolliert.“

Bereits über die letzten Jahre – mit der Einleitung der Weltwirtschaftskrise wurden Tausende, vor allem Jungarbeiter, entlassen. Allein Daimler Untertürkheim entließ letztes Jahr 1100, meist junge, migrantische Kollegen. Ende März verzeichnete die Arbeitsagentur Stuttgart Hunderte Kündigungen von Azubis in der Probezeit. Der Abschluss von Ausbildungsverträgen ging seit Januar in der Region Stuttgart um 15 Prozent zurück.

Hunderttausende Jugendliche gingen vergangenes Jahr zur Rettung des Planeten auf die Straße, und die Herrschenden verschärfen nur den Kurs, der die Lebensgrundlagen kommender Generationen vernichtet.

Wut, wirtschaftliche Not und Unterdrückung mit blinder Rebellion und Vandalismus zu beantworten, ist abzulehnen. Das trifft die Falschen und löst nichts! Die Jugend muss sich zielklar organisieren – gegen ihre besondere Unterdrückung. Sie muss der Rechtsentwicklung der Regierungen weltweit vereint entgegentreten. In Deutschland organisiert man sich dafür im Jugendverband REBELL.

https://www.rf-news.de/2020/kw26/kritik-am-vandalismus-aber-schluss-mit-der-kriminlisierung-der-jugend

Warum es bei den Riots in Göttingen und Stuttgart nicht um „Randale“ ging

Am Samstag-Abend kam es in gleich zwei Orten in Deutschland zu Unruhen. In Göttingen gab es eine Revolte, nachdem die Lebensmittel in einem Quarantäne-Hochhaus zu Ende gingen. In Stuttgart griffen Jugendliche nach einer Polizeikontrolle Streifenwagen, Banken und Geschäfte in der Innenstadt an. Politiker und Medien sind sich einig, dass es sich hier um „Randalierer“ und „Plünderer“ handele. Wer das sagt, hat keine Ahnung, wie es in diesem Land aussieht, und hat seinen moralischen Kompass verloren. 

Am vergangenen Samstag Abend kam es in Deutschland zu zwei Riots – in Göttingen und in Stuttgart. Das ist für die deutschen, von einer scheinbaren Friedhofsruhe geprägten Verhältnisse nicht alltäglich. Die beiden Gewaltausbrüche werden erst verständlich, wenn man sie in ihrem Kontext begreift.

Die kleine „Hunger-Revolte“ in Göttingen

In Göttingen wurde Quarantäne über einen ganzen Hochhaus-Komplex verhängt – und jede/r BewohnerIn dort quasi eingesperrt. Die Ausgänge wurden mit Bauzäunen verriegelt. Doch die Menschen hatten keine Lebensmittel mehr – die Stadt hatte sich scheinbar nicht im Vorhinein hinreichene Gedanken um deren Versorgung gemacht.

Straßenschlacht nach Polizeischikane in Stuttgart

In Stuttgart kommen die Jugendlichen – wie in ganz Deutschland – aus einem monatelangen Lockdown. Viele von ihnen wurden in dieser Zeit bereits kontrolliert, vielleicht schikaniert, weil sie mit mehr als drei Personen zusammen auf einer Wiese saßen. Doch nicht nur diese konkreten Erfahrungen prägten viele – insbesondere die migrantischen Jugendlichen in Deutschland.

Wer auf einem der „Black Lives Matter“-Proteste der letzten Wochen war, konnte hunderte Geschichten hören, in denen junge Menschen von Alltagsrassismus berichten: bei den Behörden, bei Bewerbungen, beim Einkaufen – und insbesondere bei der Polizei. Ist es da so überraschend, dass irgendwann irgendeine Kontrolle das Fass zum Überlaufen bringt?

Genau das ist in Stuttgart jetzt geschehen. Hier scheint die Polizei inmitten einer feiernden Menge eine Drogenkontrolle durchgeführt zu haben. Jede/r Polizistin hat gelernt und weiß, wie provokant eine solche Situation ist, weiß, dass so ein Verhalten zur Eskalation führen kann. Trotzdem wurde die Kontrolle durchgezogen. Was dabei genau geschah, …

https://perspektive-online.net/2020/06/riots-in-goettingen-und-stuttgart-widerstandskampf-oder-randale/

Überall das Gleiche!- Sturmgewehre im Club: Puritaner zerstören Litauens Partyszene

Die neue litauische Regierung ist strikt gegen Alkohol und lässt bewaffnete Polizisten Clubs zerlegen – könnte ja irgendwo ein Joint liegen.

Leider müssen sich junge Menschen in Litauen, die gern feiern, nicht nur mit der prohibitiven Alkoholpolitik rumschlagen. Gleichzeitig setzen ihnen Polizisten zu, die sich aufführen, als hätten sie es mit einer Horde gefährlicher  Aliens im Drogenwahn zu tun.

Lukas, ein Verkäufer Mitte 20, saß im März mit seinem Bruder und einem Freund im Peleda in Vilnius. Der Nachtclub ist in der alternativen Szene beliebt. Gegen ein Uhr nachts gab es Aufruhr in dem Lokal. „Plötzlich platzten maskierte Männer mit Maschinenpistolen und Taschenlampen rein“, erzählt mir Lukas, als wir uns Ende Mai vor dem Club treffen. „Sie packten mich, legten mir Handschellen an und stießen mir Ellbogen in den Rücken. Ich musste mich mit gespreizten Beinen und dem Gesicht zur Wand hinstellen. Dann durchsuchten sie alle Anwesenden. Ich hatte ein paar Joints dabei, die ich vorgezeigt habe. Es war weniger als ein Gramm Gras.“

Die Beamten brachten Lukas aufs Revier, testeten ihn auf Cannabis und Opiate und steckten ihn in eine Zelle. Dort musste er sich nackt untersuchen lassen und auf dem Boden kauern, bis ihn jemand verhörte. Nach 16 Stunden wurde er entlassen, doch der Albtraum war nicht vorbei: Eine der größten Online-Zeitungen des Landes brachte eine Titelstory mit der Schlagzeile „Todesdealer“, dazu Bilder von Lukas neben maskierten Polizisten mit Sturmgewehren.

Bewaffnete Razzien und Medien-Pranger

„Sie haben mein Gesicht verfremdet, aber es war eindeutig ich“, sagt er. „Da waren sogar Fotos, die zeigten, wie mein Bruder und unser Freund durchsucht wurden, dabei hatten die beiden keine Drogen dabei. Ich hatte doch nur ein paar Joints.“ Lukas sagt, er habe zwei Wochen nicht schlafen können, weil es ihn so mitgenommen habe. „Es wäre schon fast lustig, wenn es nicht so traurig wäre.“

Die bewaffneten Razzien und der Medien-Pranger, der normale Jugendliche zu gefährlichen Junkies umdichtete, gingen weiter. In den folgenden Monaten nahm die Polizei drei weitere Clubs ins Visier und fiel erneut im Peleda ein, wieder mit denselben rabiaten Methoden: Waffen, nackte Leibesvisitationen, Gefängniszellen.

Doch alle Razzien waren Flops, die Polizei fand kaum illegale Substanzen. Die einzige Person mit einer Drogenmenge, die nicht nach Eigenbedarf aussah, hatte 39 Ecstasy-Pillen dabei. Bizarrerweise war es auch nicht die Polizei selbst, die den verhafteten Clubgängern alle Fotos und Videos vom Handy löschte, sondern der Fotograf einer Online-Zeitung. Seither sind immer wieder Videos aufgetaucht, in denen aggressive Polizisten Fahrer aus ihren Autos zerren und wegen kleiner Drogenmengen festnehmen.

„Ich würde gern daran glauben, dass die Polizei gut ist, aber jetzt verstehe ich sie nicht mehr.“

Die dritte Razzia fand im Cechas statt. Dort wurden die Gäste ausgezogen und durchsucht, während der Tontechniker zwei Stunden lang in Handschellen auf dem Boden verharren musste. Einer der Gäste wurde verhaftet, ausgezogen und 12 Stunden lang festgehalten, weil die Beamten Grünen Tee in seinem Rucksack gefunden hatten. „Ich habe ihnen erklärt, dass es nur Grüner Tee ist, aber sie sagten nur: ‚Das müssen Drogen sein'“, erzählt mir der 22-jährige Künstler. „Als wir auf dem Revier ankamen, sagten sie: ‚Zieh dich aus oder wir machen es für dich.‘ Es war, als würden sie mich dafür bestrafen, dass ich in einem Club war. Ich würde gern daran glauben, dass die Polizei gut ist, aber jetzt verstehe ich sie nicht mehr.“

Die Polizei drangsalierte auch Matis im Cechas, obwohl er keine Drogen dabei hatte. Der DJ in seinen 20ern filmte die Razzia mit seiner GoPro-Kamera, bis die Beamten dem Zeitungsfotografen auftrugen, alles zu löschen. „Ich glaube, die Polizisten haben den Pressetypen das machen lassen, weil sie selbst nicht wussten, wie es geht. Ist das sein Job? Die Hochzeit meines Cousins, meine ganzen Aufnahmen für mein Kunstprojekt … alles weg“, sagt er. Drei Stunden lang wurde Matis zusammen mit den anderen festgehalten und angeherrscht, völlig still zu bleiben.

Bei diesen Clubs in Vilnius handelt es sich nicht um Mafia-Spelunken voller Kalaschnikows und ballenweise Koks und Heroin. Hauptsächlich tanzen und feiern dort einfach nur junge Menschen, die mit nichts als Bier bewaffnet sind. Und bei der größten litauischen Drogenrazzia der letzten Jahre waren dealende Polizisten das Ziel.

Manche Bewohner von Vilnius wehren sich allerdings. Wie der Stadtrat Mark Adam Harold, der vor mehr als zehn Jahren aus London in die Stadt kam. Er sieht die aktuelle Entwicklung als Speerspitze eines puritanischen Rechtsrucks. Harold hielt Ende Mai eine gut besuchte Diskussionsrunde im Peronas ab, zu der er mich als Autor mit dem Fachgebiet Drogen einlud. Die Medien berichteten über die Veranstaltung und der Vorsitzende des Drogenausschusses von Vilnius unterstützte sie.

„Die neue Regierung ist eine utopische Sekte, die Rauschmittel für die Wurzel allen Übels in Litauen hält.“

Als Harold letzten Monat Opfer der Razzien dazu aufrief, sich bei ihm zu melden, ging seine Botschaft viral. Mehr als 70 Clubbesucher haben seither Aussagen beim Anwalt Rudzinskas gemacht: nackte Leibesvisitationen, grobe Behandlung, Erniedrigung, erfundene Bußgelder, leergefegte Handys und junge Frauen, die mitten in der Nacht allein aus dem Polizeirevier entlassen werden. So gut wie niemand von ihnen hatte Drogen dabei. Es gibt Pläne, die Aussagen der Betroffenen in einer Klage gegen die Polizei zu nutzen.

„Die neue Regierung ist eine utopische Sekte, die Rauschmittel für die Wurzel allen Übels in Litauen hält“, sagt Harold. „Sie predigen Abstinenz und beschimpfen alle als Alkoholiker, und plötzlich gibt es bewaffnete Razzien in Nachtclubs. Das kann kein Zufall sein.“ Er bezeichnet das Vorgehen der Behörden als Schikane und betont, die Betroffenen seien hauptsächlich junge Menschen, die ihre Rechte nicht kennen. „Seit der Sowjetzeit hält sich diese Vorstellung, dass ‚Hippies‘ der Niedergang der Nation sind. Wer seltsame Musik hört und seine Haare anders trägt, ist eine Bedrohung.“

Laut Rudzinskas gibt es Beweise dafür, dass die Polizei bei den Razzien unverhältnismäßig gewaltsam vorgegangen ist und die Grundrechte der Betroffenen verletzt hat. Die Behörden behaupten zwar, die Razzien seien zum Schutz junger Menschen, doch Rudzinskas sagt, die Polizei traumatisiere die Jugendlichen stattdessen. „Nur wenige hatten Drogen dabei, während viele Unschuldige zum Beispiel nackt durchsucht wurden und stundenlang in Handschellen auf dem Boden kauern mussten.“

Zu der Instrumentalisierung der Behörden durch die Bauernpartei sagt er: „Die Polizei hat keine PR-Agentur für die Ansichten der Regierung zu sein. Sie hat kein Recht, Menschen einzuschüchtern, nur um anderen mehr Argumente zu liefern.“

Ein weltoffenes Vilnius mit einem aktiven Nachtleben – dieses Bild lässt sich angesichts der aktuellen Politik schwerer vermitteln. Darius Udrys, der Direktor der Stadtentwicklungsbehörde Go Vilnius, ist verzweifelt: „Wie sollen wir noch ausgehen, wenn wir uns um so was Sorgen müssen? Das macht doch keinen Spaß.“

„Wir sind eine offene, freundliche Stadt, und die neue Regierung gefährdet unsere Freiheit.“

Der Bürgermeister von Vilnius, Remigijus Šimašius, ist auch nicht glücklich. Er versteht nicht, warum die Regierung den Barbesuchern in der Hauptstadt aus dem Alkoholismus in ländlichen Gegenden einen Strick dreht. „Es gibt Anzeichen dafür, dass die Regierung ein Problem mit den städtischen Gegenden des Landes hat“, sagt er. „Wir sind eine offene, freundliche Stadt, und die neue Regierung gefährdet unsere Freiheit. Diese Razzien stehen im Widerspruch zu allem, was in Vilnius progressiv und urban ist.“

Vielleicht handelt es sich auch gar nicht so sehr um Schikane, sondern um ungeschickte, aber gut gemeinte Versuche, dem relativ kleinen Drogenproblem in Litauen beizukommen. Die Behörden hoffen womöglich darauf, mit ihrem rabiaten Vorgehen ein Exempel zu statuieren. Das mag auch der Grund sein, warum es seit April keine großen Razzien mehr gegeben hat: Drogen einkassiert, Jugendliche erzogen, fertig.

„Ich denke nicht, dass wir hier eine böse Regierung haben, die mit faschistischen Methoden gegen Langhaarige vorgeht“, sagt der Stadtrat Harold. „Eher ist das eine neue politische Macht, die nicht den blassesten Schimmer von Schadensverminderung hat und versucht, ein Problem zu lösen, das sie nicht versteht. Sie scheinen verwirrt, warum ihnen nicht alle zu ihrem neuen Krieg gegen die Drogen gratulieren.“

Das Phänomen lässt sich in aller Welt beobachten: Anti-Drogen-Gesetze und staatliche Maßnahmen gegen Konsumenten verursachen am Ende teilweise mehr Schaden als viele Drogen selbst. Doch wenn der pseudoheidnische Parteichef der Regierung sich nach einem glücklich vereinten Volk sehnt, weshalb kriminalisiert er dann das Feiern an sich?

https://www.vice.com/de/article/qv47nd/sturmgewehre-im-club-puritaner-zerstoeren-litauens-partyszene

21. 11. 2016 – 17:06Uhr

Fight for your Right to Party!

In Wien wurden vor kurzem zwei illegale Freetekkno-Parties von der Polizei aufgelöst. Sie unterwerfen sich nicht den Auflagen von legalen Events und sind Gegenentwurf zur etablierten Clubkultur. Daneben gibt es aber noch andere DIY-Party-Konzepte.

Ein Rave im klassischen Sinne bzw. eine Free Party lebt davon, frei von Restriktionen zu sein. Und diese sind in Österreich mitunter recht groß. Die Liste an Vorgaben, die man als legaler Veranstalter einzuhalten hat, ist lang. Kein Wunder also, dass es auch heute noch immer illegale Raves, „Freetekkno-Parties“ oder einfach „Free Parties“ gibt, die an entlegenen Plätzen stattfinden, in Lagerhallen oder verlassenen Gebäuden.

https://fm4v3.orf.at/stories/1774661/index.html

Die Stadt Norderstedt wollte ihren 50. Geburtstag 2021 mit einer Drei-Tage-Party nachfeiern – die Politik sagt Nein

https://www.abendblatt.de/region/norderstedt/article229303264/Das-Aus-fuer-die-Jubilaeums-Sause.html

https://schlagermove.de/on-tour/norderstedt/

IN EIGENER, TRAURIGER SACHE

Zitty sagt leise „Tschüss“

Liebe Zitty-Leser*innen, liebe Freund*innen, liebe Wegbegleiter*innen, wir haben leider verdammt schlechte Nachrichten für euch. Nach 43 Jahren müssen wir die Print-Ausgabe unserer Zitty einstellen. Es wird kein weiteres gedrucktes Heft am Kiosk geben. Wir haben alles versucht, unser geliebtes Heft zu retten, der Corona-Krise weiter zu trotzen. Es hat leider nicht gereicht.

Scheiße, ist das traurig

Die erste Zitty aus dem Jahr 1977…Die Corona-Krise hat unseren Verlag hart getroffen. „Fick dich, Corona!“, haben wir zum Ausbruch der Krise getitelt. Und es auch genau so gemeint. Wie Zitty eben immer ist, immer war, immer sein wird. Rotzig, kämpferisch, widerständig. Und immer auch in your face. Gern geschehen!

Ihr wisst ja selbst, was Sache war wegen Corona. Wochen-, ja monatelang konnten wir nicht ausgehen, nirgendwo einkehren, die Kinos waren dicht, die Theater auch. Von Konzerten, Raves, Festivals und Clubs können wir momentan immer noch nur träumen.

Was macht ein Veranstaltungsmagazin, wenn es keine Veranstaltungen gibt? Das keine Anzeigen von Veranstaltern bekommt, die selber gerade ums Überleben kämpfen?

Tja. Verdammter Mist, das alles.

Unser Mutterverlag, die GCM Go City Media GmbH, zu der auch seit einigen Jahren unser Schwestermagazin tip Berlin gehört, hat sich gegen die Krise gestemmt, mit allen Mitteln. Wir haben die beiden Hefte zu einer gemeinsamen Ausgabe zusammengelegt. Haben den Erscheinungsrhythmus von 14-tägig auf ein Monatsheft umgestellt. Mussten das Heft dünner machen, es gab ja kein Tagesprogramm mehr.

Und ganz unter uns: Manchmal stritten die ehemaligen Zitty- und die  ehemaligen tip-Kollegen auch unter einem Dach immer noch so herzhaft miteinander, als würden die beiden Berliner Stadtmagazine noch immer in getrennten Konzernen erscheinen. Und nicht längst gemeinsame Sache machen. Und gemeinsam diese große, geile, irre, rätselhafte, wunderbare Stadt aufmischen.

Aber dann haben wir noch einen kleinen Trost für euch. Zitty mag nicht mehr als Heft erscheinen, das ist leider so, wir können es nicht ändern. Aber Zitty lebt weiter. Bei unseren Kumpels von tip Berlin. Dort findet ihr, wie in den Corona-Notausgaben zuletzt, auch einige geliebte Rubriken aus der Zitty. Die Meinungskolumnen. Und die Comics! Bleibt bei uns, Freunde! Kommt mit uns mit! Wir sehen uns beim tip Berlin. Früher fanden wir die ja doof, wie ihr ja auch. Aber eigentlich sind die auch ziemlich cool drauf. Gebt ihnen eine Chance. Behaltet eure Abos, das wäre toll. Wir sind ja auch da für euch.

Und dann gibt es ab Ende Juni eine ganz neue tip-Berlin-Internetseite. Mit allem, das Berlin zu der geilen Stadt macht, die es ist. Und wie man unserer Stadt am besten, am intensivsten, am nachhaltigsten erleben kann. Jeden Tag. Auch dort lebt Zitty weiter. Eigentlich sind wir also gar nicht weg. Wir kommen nur anders wieder.

Wir sehen uns, Freunde! Danke für die Jahre, die wir miteinander hatten. Es war eine geile Zeit. Aber wir sind noch lange nicht fertig.

Und jetzt lasst uns nochmal gemeinsam um die Häuser ziehen.

Fühlt euch umarmt, alle miteinander.

Die Zitty-Redaktion

von  ZITTY
 
 
 
Party Szene gegen Jobraub und Rassismus:
 

Viele bekannte Gesichter“Sage Nein!“:

Musikvideo gegen Rassismus geht viral – dank prominenter Unterstützung

Der junge Dresdner Musiker Ezé Wendtoin coverte den Konstantin-Wecker-Klassiker „Sage Nein!“. Im Videoclip dazu sind zahlreiche bekannte Gesichter zu sehen – unter anderem die von Atze Schröder, Micky Beisenherz oder Raul Krauthausen..

„Sage Nein!“ von Konstantin Wecker ist mehr als 25 Jahre alt. „Wenn sie jetzt ganz unverhohlen wieder Nazi-Lieder johlen, über Juden Witze machen, über Menschenrechte lachen“, heißt es darin, „dann steh auf und misch dich ein – sage Nein!“ Und heute klingen diese Zeilen aktuell wie nie zuvor. Leider.

Um das eindringliche Lied mit der wichtigen Botschaft auch einer jüngeren Generation bekannt zu machen, wurde es nun vom Dresdner Musiker Ezé Wendtoin gecovert. Nachdem er das Video dazu auf Facebook postete, explodierten die Abrufzahlen über Nacht. Die Botschaft kam an.

Mehr als 9000 Menschen teilten das Video

 „SAGE NEIN! Gegen Rassismus, Sexismus, Patriarchat, Hetze, Hass und Nazis! Jetzt erst Recht! Aufstehen und Haltung zeigen“
 

Ezé Wendtoin – Sage Nein! (Konstantin Wecker Cover)

 
 
 
 

Wolfgang Erbe

Share
Dieser Beitrag wurde unter Neuigkeiten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.