Helft Heinrich!

Interview mit Manni Engelhardt zu “Helft Heinrich”

Hans-Gerd Öfinger (Redakteur der Zeitung „Neues Deutschland“) hat einen Artikel zu „Helft Heinrich“ geschrieben, der am heutigen Tage erschienen ist und den wir aus Dokumentationszwecken auf unsere Homepage gepostet haben. Im Vorfeld dieses Zeitungsartikels interviewte er zwecks Vorabinfo hierzu den Koordinator unseres Arbeitskreises Gewerkschafter/innen Aachen, Manni Engelhardt. Dieses Interview, das am 13. Juni 2011 gegeben wurde, haben wir nachstehend in seiner Gänze auf unsere Homepage gepostet.

Wie ist diese Kampagne entstanden?

Das war eine Kampagne von Unten. Die Kolleginnen und Kollegen hatten festgestellt, dass es innerhalb des EG-Raumes sehr starke Unterschiede und Gefälle in Bezug auf die Arbeitnehmersituation gibt. In Deutschland keine Mindestlöhne, die aber in Luxemburg auf hohem Niveau existieren. Deswegen sollte „HEINRICH GEHOLFEN WERDEN!“. Da hat übrigens eine Kundgebung der Christlichen Gewerkschafter Belgiens hier in Aachen am Elisenbrunnen stattgefunden, die den Deutschen Kolleginnen und Kollegen diese Lage klar machen sollte. Die Profiteure und ihre Profite sind Europaweit gleich auf Kosten der Arbeitnehmer, Arbeitslosen und Sozialrentner!

Wie ist die belgische christliche Gewerkschaft zu bewerten? Links? Ist das die größte in Belgien. Größer als die ABVV? Wie haben die ihren Linksruck durchgemacht?

Die Belgische Christliche Gewerkschaft ist eher linksstehend zu bewerten. Wie ich meine, orientiert sie sich wohl an der sogenannten „Bergpredigt“, die ja von vielen Ketzerinnen und Ketzer als „kommunistisch“ tituliert wird. Ich schätze, dass die CSC-Ostbelgien (Deutschsprachige Gemeinschaft) die größte in Ostbelgien ist. Was die Gesamtorganisation auf ganz Belgien anbelangt, vermag ich über Größenordnungen nichts zu sagen. Die Haltung CSC in Bezug auf die NATO ist durchaus kritisch. Viel kritischer als die diesbezügliche Haltung des DGB!

Wie strahlt diese Kampagne auf Euch in Aachen und NRW aus? Was lief an konkreten Aktionen?

Als Arbeitskreis Gewerkschafter/innen Aachen haben wir natürlich die Aktionen der Kolleginnen und Kollegen der CSC unterstützt und auf unsere Homepage gepostet. Offiziell hat es allerdings hier kaum Unterstützung des DGB gegeben. Was NRW anbelangt kann ich nur sagen, dass da von Solidarität nichts zu spüren war. Sehr schade; denn die Grenzübergreifende Solidarität wird sonst immer eingefordert.

Sind die in Ostbelgien/Verviers besonders radikalisiert?

Die Kolleginnen und Kollegen sind nach meinem Dafürhalten sensibilisierter als die Deutschen und viel konsequenter in ihren Forderungen und in Ihrem Handeln! Ich würde sie aber keinesfalls als radikal bezeichnen!

Welche Rolle spielt der Kampf um den Index in Belgien? Die sind sauer auf Merkel und Sarko?

Ja, das kann uneingeschränkt festgestellt werden! Sie sehen durchaus Zusammenhänge zwischen Kapital und Politik einerseits und beschissene Arbeitnehmersituationen andererseits. Das personifiziert sich dann halt in „Sauer sein“ auf Merkel und Sarko! Es spielt auf jeden Fall bei den Kolleginnen und Kollegen dort keine untergeordnete Rolle!

Wie läuft die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei Euch im Dreiländereck? Ich erinnere mich an einen Bericht über eine Demo in Maastricht, den Du mir in den 1980er Jahren telefonisch durchgegeben hast. Welche Rolle spielt der Gewerkschaftsapparat?

In unserem AK spielt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit eine große Rolle. Das CSC-Mitglied Christine Lenz-Beckers ist als Belgierin auch Mitglied unseres AK, was beweist, dass unser AK keine Grenzen kennt. Das kann ich für den DGB allerdings nicht so einfach attestieren. Da gibt es zwar Symposien, Tagungen und Meetings offizieller Natur im Dreiländereck zwischen Niederländischen, Belgischen und Deutschen Gewerkschaften, die allerdings meistenteils aug einem Delegiertenprinzip beruhen. Da kann man sich ja vorstellen, dass da nicht gerade die Jucke-Punkte angesprochen oder thematisiert werden!

Schlussbemerkung: Ich wünsche mir eine kraftvollere Unterstützung der „Helft-Heinrich-Kampagne“ durch den DGB und seine Einzelgewerkschaften; denn Solidarität ist das Gebot der Stunde!

Hans-Gerd Öfinger
Wiesbaden

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